Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge bei erle­dig­tem Vor­aus­zah­lungs­be­scheid

Wird der ange­foch­te­ne Ver­wal­tungs­akt nach Bekannt­ga­be der Ein­spruchs­ent­schei­dung geän­dert oder ersetzt, so wird der neue Ver­wal­tungs­akt Gegen­stand des Ver­fah­rens, § 67 FGO. Die­se Bestim­mung des § 68 FGO ist auch anwend­bar, wenn ein Ein­kom­men­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheid wäh­rend eines anhän­gi­gen Ver­fah­rens durch den Jah­res­be­scheid ersetzt wird 1. Dies schließt jedoch eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge gegen den Vor­aus­zah­lungs­be­scheid nicht in jedem Fall aus.

Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge bei erle­dig­tem Vor­aus­zah­lungs­be­scheid

So ist eine der­ar­ti­ge Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge gegen den Ein­kom­men­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheid trotz Erge­hens des Jah­res­steu­er­be­scheids jeden­falls dann unter dem Gesichts­punkt der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr zuläs­sig, wenn die maß­ge­ben­de Fra­ge nur in einem Ver­fah­ren gegen einen Vor­aus­zah­lungs­be­scheid geklärt wer­den kann 2.

Eine sol­che Fall­ge­stal­tung war in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit vom Klä­ger vor­ge­tra­gen, indem er dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass das Finanz­amt regel­mä­ßig Ver­lus­te aus Mit­un­ter­neh­mer­schaf­ten, die bei der letz­ten Ver­an­la­gung ange­setzt wor­den waren, nicht der Bemes­sung der Vor­aus­zah­lun­gen zugrun­de lege. Die Rechts­fra­ge, ob die­se Ver­fah­rens­wei­se mit der Vor­schrift des § 37 Abs. 3 Satz 2 EStG ver­ein­bar ist, kann nicht im Kla­ge­ver­fah­ren gegen einen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid geklärt wer­den, weil die ange­führ­te Norm aus­schließ­lich für Vor­aus­zah­lungs­be­schei­de gilt. Wür­de man die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Vor­aus­zah­lungs­be­schei­de in der­ar­ti­gen Fäl­len als unzu­läs­sig anse­hen, ent­stün­de eine nicht zu recht­fer­ti­gen­de Rechts­schutz­lü­cke, weil Rechts­fra­gen, die aus­schließ­lich das Vor­aus­zah­lungs­ver­fah­ren betref­fen, regel­mä­ßig nicht in der bis zum Erge­hen des Jah­res­steu­er­be­scheids ver­blei­ben­den Zeit gericht­lich geklärt wer­den kön­nen, wie auch der Streit­fall zeigt, in dem bereits das Ein­spruchs­ver­fah­ren gegen den Vor­aus­zah­lungs­be­scheid knapp 24 Mona­te anhän­gig war.

Auf das BFH-Urteil vom 09.05.2012 3 kann sich die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung nicht beru­fen, da die­se Ent­schei­dung nicht das Ver­hält­nis zwi­schen Vor­aus­zah­lungs- und Jah­res­steu­er­be­schei­den, son­dern zwi­schen meh­re­ren auf­ein­an­der fol­gen­den AdV-Ver­fü­gun­gen betraf, und in die­ser Ent­schei­dung zudem aus­drück­lich auf die anders­lau­ten­de Recht­spre­chung zu Vor­aus­zah­lungs­be­schei­den hin­ge­wie­sen wird 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Novem­ber 2013 – X B 58/​13

  1. BFH, Urteil vom 26.11.2008 – X R 15/​07, BFHE 223, 445, BSt­Bl II 2009, 710, unter II. 3.a[]
  2. zur Umsatz­steu­er BFH, Urtei­le vom 01.10.1992 – V R 81/​89, BFHE 169, 117, BSt­Bl II 1993, 120, unter II. 1.b; und vom 10.02.2010 – XI R 3/​09, BFH/​NV 2010, 1450, unter II. 3. vor a; zur Ein­kom­men­steu­er BFH, Urteil vom 22.11.2011 – VIII R 11/​09, BFHE 235, 470, BSt­Bl II 2012, 329[]
  3. BFH, Urteil vom 09.05.2012 – I R 91/​10, BFH/​NV 2012, 2004[]
  4. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 2004, unter B.III. 4.b aa[]