Gebüh­ren für die ver­bind­li­che Aus­kunft – und die Bestim­mung des Gegen­stands­werts

Der für die Gebüh­ren­fest­set­zung maß­ge­ben­de Gegen­stands­wert ist gemäß § 89 Abs. 4 Satz 1 AO der Wert, den die Aus­kunft für den Antrag­stel­ler hat. Die­ser Wert rich­tet sich nach dem gestell­ten Antrag und den sich dar­aus erge­ben­den steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen, die sich aus der Gegen­über­stel­lung des Steu­er­be­trags, der bei Anwen­dung der von dem Antrag­stel­ler vor­ge­tra­ge­nen Rechts­auf­fas­sung ent­ste­hen wür­de, zu dem Steu­er­be­trag erge­ben, der ent­ste­hen wür­de, wenn die Finanz­be­hör­de eine ent­ge­gen­ge­setz­te Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten wür­de.

Gebüh­ren für die ver­bind­li­che Aus­kunft – und die Bestim­mung des Gegen­stands­werts

Der Gesetz­ge­ber hat sich inso­fern für eine typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lung ent­schie­den, die sich an dem bereits bestehen­den Sys­tem zur Bemes­sung des Gegen­stands­werts im Gerichts­kos­ten­recht nach § 52 Abs. 1 GKG ori­en­tiert, sodass der Betrag zah­len­mä­ßig nach den Grund­sät­zen für die gericht­li­che Streit­wert­ermitt­lung bestimmt wird 1.

Gemäß § 89 Abs. 4 Satz 3 AO soll die Behör­de der Gebüh­ren­fest­set­zung den vom Antrag­stel­ler erklär­ten Gegen­stands­wert zugrun­de legen, soweit dies nicht zu einem offen­sicht­lich unzu­tref­fen­den Ergeb­nis führt.

Dem Antrag­stel­ler wird dabei eine Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve für die Bemes­sung des Gegen­stands­werts ein­ge­räumt, wodurch Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die zutref­fen­de Höhe der Gebühr ver­mie­den wer­den sol­len 2.

Im Streit­fall ist danach maß­ge­bend, dass sich das Aus­kunfts­be­geh­ren der Klä­ge­rin auf die Annah­me eines Organ­schafts­ver­hält­nis­ses rich­tet, in des­sen Kon­se­quenz ihr Ein­kom­men gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG der S‑GmbH zuzu­rech­nen wäre und sie gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG gewer­be­steu­er­recht­lich als Betriebs­stät­te der S‑GmbH anzu­se­hen wäre. Der sich hier­aus erge­ben­den Gegen­über­stel­lung der steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen ent­spricht der im Aus­kunfts­an­trag mit­ge­teil­te Wert von 1.176.000 EUR als über­schlä­gi­ge ertrag­steu­er­li­che Belas­tung des durch­schnitt­li­chen Gewinns der Klä­ge­rin. Der Bun­des­fi­nanz­hof sieht kei­ne Ver­an­las­sung, die­sen Wert als sol­chen in Fra­ge zu stel­len, zumal die Klä­ge­rin gegen die Wert­ermitt­lung ‑jen­seits der "dop­pel­ten" Gebüh­ren­fest­set­zung- kei­ne Ein­wän­de erho­ben hat.

Gegen die Bestim­mung des Gebüh­ren­werts vor­ge­brach­te Ein­wän­de grei­fen nicht durch. Zwar wird zum gericht­li­chen Gebüh­ren­streit­wert ange­nom­men, dass im Fall einer Streit­ge­nos­sen­schaft (§ 59 FGO) eine Addi­ti­on der Streit­wer­te unter­bleibt, wenn und soweit es sich um "wirt­schaft­lich iden­ti­sche" Kla­ge­be­geh­ren han­delt 3. Im Aus­kunfts­ver­fah­ren fehlt es indes­sen bereits im Aus­gangs­punkt an der Mög­lich­keit einer kos­ten­recht­li­chen Ver­bin­dung ver­schie­de­ner Anträ­ge. Durch die Bezug­nah­me auf den indi­vi­du­el­len Gegen­stands­wert ist gera­de kein für meh­re­re Antrag­stel­ler ein­heit­lich zu bestim­men­der "Gesamt­ge­gen­stands­wert" zu bil­den, in des­sen Rah­men die­se Grund­sät­ze berück­sich­tigt wer­den könn­ten 4.

Auch ord­net das Gesetz nicht an, dass meh­re­re Antrag­stel­ler für die Gebühr eines gleich­lau­ten­den Antrags auf ver­bind­li­che Aus­kunft gesamt­schuld­ne­risch in Höhe nur eines Gegen­stands­werts auf­zu­kom­men haben. Ins­be­son­de­re exis­tie­ren kei­ne den §§ 31 f. GKG ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten. Aus der Anleh­nung des Gegen­stands­werts an den gericht­li­chen Streit­wert lässt sich dies nicht her­lei­ten. Soweit die Geset­zes­be­grün­dung zum JStG 2007 5 auf § 52 Abs. 1 GKG Bezug nimmt, dem zufol­ge der gericht­li­che Gebüh­ren­streit­wert nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung nach Ermes­sen zu bestim­men ist, beschränkt sich die Bezug­nah­me auf die Ermitt­lung des Gegen­stands­werts als sol­chem.

Und schließ­lich trägt auch der Ein­wand nicht, dass sich durch die zwei­fa­che Antrag­stel­lung im Ergeb­nis kein dop­pel­ter steu­er­li­cher Vor­teil ein­stel­le, weil nur eine alter­na­ti­ve steu­er­li­che Erfas­sung ent­we­der bei der Organ­trä­ge­rin oder bei der Organ­ge­sell­schaft in Betracht kom­me 6. Die ver­wal­tungs­akt­be­zo­ge­ne gesetz­li­che Gebüh­ren­re­ge­lung bie­tet kei­nen Raum für der­ar­ti­ge Erwä­gun­gen. Über­dies tritt die bloß alter­na­ti­ve steu­er­li­che Erfas­sung nur im Fall einer ein­heit­li­chen mate­ri­ell-recht­li­chen Beur­tei­lung ein; eine sol­che in den ver­fah­rens­recht­lich selb­stän­di­gen Fest­set­zun­gen zu errei­chen, ist aber gera­de die Inten­ti­on einer dop­pel­ten Antrag­stel­lung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. März 2016 – I R 66/​14

  1. vgl. BFH, Urteil in BFHE 250, 295, BSt­Bl II 2015, 989[]
  2. vgl. wie­der­um BFH, Urteil in BFHE 250, 295, BSt­Bl II 2015, 989[]
  3. vgl. Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, Vor § 135 FGO Rz 104, m.w.N.[]
  4. eben­so Wag­ner, EFG 2015, 532; a.A. Dannecker/​Werder, BB 2011, 2268, 2270; die­sel­ben, BB 2015, 1687, 1692[]
  5. BT-Drs. 16/​3368, S. 24[]
  6. in die­sem Sin­ne aber Horst, Die ver­bind­li­che Aus­kunft nach § 89 Abga­ben­ord­nung, 2010, S.196 f.[]