Gerichts­kos­ten für eine Wiederaufnahmeklage

Die Vor­schrif­ten des GKG sind abschlie­ßend. Eine über die Tat­be­stän­de des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses der Anla­ge 1 zum GKG hin­aus­ge­hen­de Auf­er­le­gung von Gerichts­kos­ten ist daher unzulässig.

Gerichts­kos­ten für eine Wiederaufnahmeklage

Die Höhe des Streit­werts eines Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­rens (hier: Resti­tu­ti­ons­kla­ge) ent­spricht grund­sätz­lich ‑immer dann, wenn (wie hier) auch das Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­ren letzt­lich auf die Auf­he­bung bzw. Ände­rung der ange­foch­te­nen Beschei­de zielt- dem Streit­wert des­je­ni­gen Ver­fah­rens, des­sen Wie­der­auf­nah­me begehrt wird1.

Die Vor­schrif­ten des GKG sind abschlie­ßend (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 1 GKG, wonach Kos­ten „nur nach die­sem Gesetz erho­ben“ wer­den). Gemäß § 3 Abs. 2 GKG wer­den Kos­ten nach dem Kos­ten­ver­zeich­nis der Anla­ge 1 zum GKG erho­ben. Eine über die­se Tat­be­stän­de hin­aus­ge­hen­de Auf­er­le­gung von Kos­ten ist nicht zuläs­sig2.

Der BFH zieht bei Wie­der­auf­nah­me­kla­gen den­je­ni­gen Gebüh­ren­tat­be­stand her­an, der für das Ver­fah­ren gilt, des­sen Wie­der­auf­nah­me begehrt wird3. Da sich die Resti­tu­ti­ons­kla­ge – X K 6/​19 gegen einen Beschluss über eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de rich­te­te, hat die Kos­ten­stel­le des­halb auch auf das Resti­tu­ti­ons­ver­fah­ren den Gebüh­ren­tat­be­stand der Nr. 6500 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses zum GKG angewendet.

Bei ande­ren „Fol­ge­ver­fah­ren“ ‑wie etwa der Anhö­rungs­rü­ge- hat der BFH aller­dings nicht etwa den für das Aus­gangs­ver­fah­ren gel­ten­den Gebüh­ren­tat­be­stand her­an­ge­zo­gen, son­dern einen vom Gesetz­ge­ber geschaf­fe­nen eigen­stän­di­gen Gebüh­ren­tat­be­stand (z.B. Nr. 6400 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses). Anders als im Kos­ten­ver­zeich­nis auf­ge­führ­te Rege­lun­gen für Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­ren im Bereich des Straf- und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­rechts (z.B. Vor­be­mer­kung 3 Abs. 2 zu Teil 3 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses, Vor­be­mer­kung 4 Abs. 2 zu Teil 4 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses; Nr. 3140, 3141, 3340, 3341, 3450, 3451, 3530, 3531, 4130, 4131, 4230, 4231 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses) bestehen ent­spre­chen­de Rege­lun­gen für Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­ren in der Finanz­ge­richts­bar­keit (bis­lang) nicht.

Ob ange­sichts die­ser Ent­wick­lung die Her­an­zie­hung des Gebüh­ren­tat­be­stands der Nr. 6500 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses noch mög­lich ist, kann hier dahin­ste­hen. Denn andern­falls wäre der Gebüh­ren­tat­be­stand der Nr. 6112 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses anzu­wen­den. Dann wären die Kos­ten­schuld­ner aber mit 5,0 Gebüh­ren statt bis­her 2,0 Gebüh­ren belas­tet und wür­den sich schlech­ter ste­hen als mit der ange­grif­fe­nen Kos­ten­rech­nung. Das Gericht darf im Erin­ne­rungs­ver­fah­ren indes nicht zum Nach­teil des Kos­ten­schuld­ners ent­schei­den4.

Der Tat­be­stand der Nr. 6112 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses setzt ein Ver­fah­ren vor dem Bun­des­fi­nanz­hof im ers­ten Rechts­zug (Kla­ge­ver­fah­ren) vor­aus. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier erfüllt, da es sich bei der Resti­tu­ti­ons­kla­ge nach dem Wort­laut der §§ 578, 580 ZPO um ein Kla­ge­ver­fah­ren handelt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 6. April 2021 – X E 5/​20

  1. BGH, Beschluss vom 04.04.1978 – VI ZB 11/​77, Anwalts­blatt 1978, 260, m.w.N.; BFH, Beschlüs­se vom 04.03.1987 – III E 2/​86, BFH/​NV 1987, 598; vom 26.07.1988 – VII E 3/​88, BFH/​NV 1989, 315; und vom 25.09.1989 – VI E 1/​89, BFH/​NV 1990, 257[]
  2. BFH, Beschluss vom 04.02.2003 – X E 9/​02, BFH/​NV 2003, 650, unter II. 2.; Bran­dis in Tipke/​Kruse, vor § 135 FGO Rz 10, m.w.N.[]
  3. vgl. zur Nich­tig­keits­kla­ge gegen ein Revi­si­ons­ur­teil BFH, Beschluss vom 20.11.1984 – VII E 3/​84, BFHE 142, 411, BStBl II 1985, 222, unter a; zur Nich­tig­keits­kla­ge gegen Ent­schei­dun­gen über Anhö­rungs­rü­gen sowie Beschwer­den BFH, Beschluss vom 21.09.2009 – I E 7/​09, BFH/​NV 2010, 440; zur Nich­tig­keits­kla­ge gegen einen Beschluss über eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de BFH, Beschluss vom 24.08.2010 – VI E 2/​09, RVGre­port 2012, 317[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 09.04.1987 – III E 1/​87, BFH/​NV 1987, 665, unter 2.b[]