Geschäfts­ver­tei­lungs­plan – und der Grund­satz des gesetz­li­chen Rich­ters

Ein Ver­fah­rens­man­gel i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 und § 119 Nr. 1 FGO und damit eine Ver­let­zung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruchs auf den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) liegt nur bei will­kür­li­chen Ver­stö­ßen gegen die­se Ver­fah­rens­vor­schrif­ten vor.

Geschäfts­ver­tei­lungs­plan – und der Grund­satz des gesetz­li­chen Rich­ters

Von Will­kür kann nur dann die Rede sein, wenn die Ent­schei­dung sich so weit von dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz des gesetz­li­chen Rich­ters ent­fernt hat, dass sie nicht mehr zu recht­fer­ti­gen ist 1.

Das Prä­si­di­um des Finanz­ge­richts bestimmt nach § 4 FGO i.V.m. § 21e Abs. 1 Satz 1 GVG die Beset­zung der Spruch­kör­per. Soweit vor­ge­bracht wird, in den über­sand­ten Geschäfts­ver­tei­lungs­plä­nen für 2013 fehl­ten sowohl das Beschluss­da­tum als auch die Unter­schrif­ten der betei­lig­ten Prä­si­di­ums­mit­glie­der, folgt aus der für die Ver­öf­fent­li­chung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans ein­schlä­gi­gen Rege­lung des § 21e Abs. 9 GVG nicht, dass der vom Prä­si­di­um beschlos­se­ne Geschäfts­ver­tei­lungs­plan von den Mit­glie­dern des Prä­si­di­ums nach der Beschluss­fas­sung in der Sit­zung und deren Pro­to­kol­lie­rung zusätz­lich noch zu unter­schrei­ben ist 2. Zudem sind zur Ein­sicht nur Abschrif­ten und nicht die Urschrif­ten des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans oder der Pro­to­kol­le, aus denen sich das Datum der Beschluss­fas­sung ergibt, offen zu legen. Ein­sicht in die Urschrif­ten kann aus berech­tig­tem Anlass vom Prä­si­den­ten des Finanz­ge­richts auf Antrag gewährt wer­den 3.

Das Prä­si­di­um des Finanz­ge­richt bestimmt vor Beginn des Geschäfts­jah­res durch Auf­stel­lung einer (Haupt-)Liste die Rei­hen­fol­ge, in der die ehren­amt­li­chen Rich­ter her­an­zu­zie­hen sind. Für jeden Bun­des­fi­nanz­hof ist eine Lis­te auf­zu­stel­len, die min­des­tens zwölf Namen ent­hal­ten muss (§ 27 Abs. 1 FGO). Für die Her­an­zie­hung von Ver­tre­tern bei unvor­her­ge­se­he­ner Ver­hin­de­rung kann eine Hilfs­lis­te ehren­amt­li­cher Rich­ter auf­ge­stellt wer­den, die am Gerichts­sitz oder in sei­ner Nähe woh­nen (§ 27 Abs. 2 FGO). Bei der Bestim­mung, in wel­cher Rei­hen­fol­ge die ehren­amt­li­chen Rich­ter her­an­zu­zie­hen sind, han­delt das Prä­si­di­um nach sei­nem Ermes­sen. Es kann bestim­men, dass die Her­an­zie­hung nach dem Alpha­bet der Namen der ehren­amt­li­chen Rich­ter oder nach den fort­lau­fen­den Num­mern der Lis­te erfolgt, und auf die Abfol­ge der Sit­zungs­ta­ge oder ‑nach der wohl über­wie­gen­den Übung- auf die zeit­li­che Fol­ge der Ladun­gen abstel­len 4. Eine mit dem Anspruch der Betei­lig­ten auf eine Ent­schei­dung durch den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) unver­ein­ba­re Mani­pu­la­ti­ons­mög­lich­keit der Rich­ter­bank durch den Bun­des­fi­nanz­hofs­vor­sit­zen­den liegt dar­in nicht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Janu­ar 2016 – IX B 94/​15

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Beschluss vom 19.05.2008 – V B 29/​07, BFH/​NV 2008, 1501, unter II. 2.a; und vom 12.09.2005 – VII B 1/​05, BFH/​NV 2006, 146, unter II. 1.; Gräber/​Herbert, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 4 Rz 27, m.w.N.[]
  2. vgl. Kissel/​Mayer, Gerichts­ver­fas­sungs­ge­setz, § 21e GVG Rz 73; Zim­mer­mann in: Mün­che­ner Kom­men­tar zur ZPO, § 21e GVG Rz 58[]
  3. vgl. Kissel/​Mayer, a.a.O., § 21e GVG Rz 75 f.; Zim­mer­mann in: Münch­Komm-ZPO, § 21e GVG Rz 59[]
  4. vgl. u.a. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2008, 1501, unter III.A.03.a, m.w.N.[]