Gleich­zei­ti­ge Ent­schei­dung über PKH-Antrag und Haupt­sa­che

Zwar darf der Beschluss über einen bereits ent­schei­dungs­rei­fen PKH-Antrag nicht bis zur noch aus­ste­hen­den Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che hin­aus­ge­zö­gert wer­den, wenn im Haupt­sa­che­ver­fah­ren eine münd­li­che Ver­hand­lung mit einer Beweis­auf­nah­me oder zumin­dest einer per­sön­li­chen Anhö­rung der Betei­lig­ten durch­zu­füh­ren sein wird, deren Ergeb­nis­se nicht von vorn­her­ein fest­ste­hen 1.

Gleich­zei­ti­ge Ent­schei­dung über PKH-Antrag und Haupt­sa­che

Im vor­lie­gend vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall stand jedoch im Zeit­punkt der Ent­schei­dungs­rei­fe des PKH-Antrags fest, dass die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de des Antrag­stel­lers kei­nen Erfolg haben konn­te, weil ihre –bereits durch einen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erstell­te– Begrün­dung nicht die Min­dest­an­for­de­run­gen des § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO an die Dar­le­gung der gesetz­li­chen Zulas­sungs­grün­de erfüll­te. Eine früh­zei­ti­ge Ent­schei­dung über den PKH-Antrag hät­te damit kei­nen Ein­fluss auf das Ergeb­nis der Haupt­sa­che mehr haben kön­nen. In der­ar­ti­gen Fall­kon­stel­la­tio­nen ver­langt aber weder das Gebot der weit­ge­hen­den Anglei­chung der Situa­ti­on von Bemit­tel­ten und Unbe­mit­tel­ten (Art. 3 Abs. 1 GG) noch der Anspruch auf Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes (Art. 19 Abs. 4, Art. 20 Abs. 3 GG) einen zeit­li­chen Abstand zwi­schen den bei­den Ent­schei­dun­gen 2.

Zwar kann eine zeit­lich vor­ge­zo­ge­ne Ableh­nung des PKH-Antrags, die auf die feh­len­den Erfolgs­aus­sich­ten im Haupt­sa­che­ver­fah­ren gestützt wird, den Rechts­mit­tel­füh­rer mög­li­cher­wei­se zu einer Rück­nah­me des Rechts­mit­tels bewe­gen und ihm dadurch einen Teil der anfal­len­den Gerichts­kos­ten erspa­ren. Die­ser Gesichts­punkt kommt aber nur dann zum Tra­gen, wenn der ableh­nen­de PKH-Beschluss mate­ri­ell-recht­li­che Aus­füh­run­gen unter Berück­sich­ti­gung höchst­rich­ter­li­cher Ent­schei­dun­gen ent­hält, die für das bereits ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel maß­geb­lich und für den Rechts­mit­tel­füh­rer ersicht­lich neu sind ((vgl. auch hier­zu BFH, Beschluss vom 03.03.2010 – VIII B 173/​09, m.w.N.). Bei einem man­gels hin­rei­chen­der Begrün­dung unzu­läs­si­gen Rechts­mit­tel sind die­se Erwä­gun­gen hin­ge­gen nicht von Bedeu­tung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Febru­ar 2011 – X S 29/​10 (PKH)

  1. BVerfG, Beschlüs­se vom 26.06.2003 – 1 BvR 1152/​02, NJW 2003, 3190; und vom 13.07.2005 – 1 BvR 175/​05, NJW 2005, 3489[]
  2. vgl. auch BFH, Beschluss vom 03.03.2010 – VIII B 173/​09, m.w.N., Ver­fas­sungs­be­schwer­de hier­ge­gen nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men durch BVerfG, Beschluss vom 02.09.2010 – 1 BvR 1272/​10; BFH, Beschluss vom 26.08.2010 – X B 210/​09, BFH/​NV 2010, 2287[]