Haf­tung des Bank­mit­ar­bei­ters für die Steu­er­hin­ter­zie­hung sei­ner Kun­den

Haf­tet der Lei­ter der Wert­pa­pier­ab­tei­lung einer Bank für die hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern der Wert­pa­pier­kun­den der Bank? Nach einem aktu­el­len Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs ist dies zumin­dest dann zwei­fel­haft, wenn die Steu­er­hin­ter­zie­hung der Bank­kun­den nicht indi­vi­du­ell fest­ge­stellt wer­den kann.

Haf­tung des Bank­mit­ar­bei­ters für die Steu­er­hin­ter­zie­hung sei­ner Kun­den

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­fi­nanz­hof hat in einem aktu­el­len Beschluss die Voll­zie­hung eines Haf­tungs­be­schei­des bis zum Ende des noch anhän­gi­gen finanz­ge­richt­li­chen Kla­ge­ver­fah­rens aus­ge­setzt. Mit dem ange­foch­te­nen Bescheid hat­te das Finanz­amt den Lei­ter der Wert­pa­pier­ab­tei­lung eines Kre­dit­in­sti­tuts wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung nach § 71 AO in Haf­tung genom­men, weil auf des­sen Initia­ti­ve und mit des­sen Bil­li­gung in zahl­rei­chen Fäl­len Wert­pa­pie­re anonym ins Aus­land über­tra­gen wor­den waren. Das Finanz­amt hat­te trotz Koope­ra­ti­on des Kre­dit­in­sti­tuts die betref­fen­den Steu­er­pflich­ti­gen zwar nicht ermit­teln kön­nen; es hat­te aber auf­grund von sta­tis­ti­schen Aus­wer­tun­gen sei­ner bei ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen die Höhe der hin­ter­zo­ge­nen Ein­kom­men­steu­er geschätzt und, ver­min­dert um einen Abschlag von 25%, zur Grund­la­ge des ange­foch­te­nen Haf­tungs­be­schei­des gemacht.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te bei der im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung ernst­li­che Zwei­fel, ob der Haf­tungs­be­scheid recht­mä­ßig ist. Es sei bis­her höchst­rich­ter­lich nicht geklärt, wel­che Aus­wir­kun­gen es für die Haf­tung wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung gemäß § 71 AO hat, wenn die mut­maß­li­chen Haupt­tä­ter einer Steu­er­hin­ter­zie­hung nicht ermit­telt wer­den kön­nen und folg­lich nicht indi­vi­du­ell fest­ge­stellt wer­den kann, ob eine Steu­er­hin­ter­zie­hung über­haupt began­gen und wel­che Steu­er dadurch kon­kret hin­ter­zo­gen wor­den ist. Es sei zwei­fel­haft, so der BFH wei­ter, ob sich das Vor­lie­gen einer Steu­er­hin­ter­zie­hung im Ein­zel­fall mit Hil­fe von Wahr­schein­lich­keits­aus­sa­gen begrün­den las­se und ob eine sta­tis­tisch belast­ba­re Aus­sa­ge über das Ver­hal­ten von Wert­pa­pier­in­ha­bern getrof­fen wer­den kön­ne.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16.07.09 – VIII B 64/​09