Haus­ver­bot im Finanz­amt

Für die Kla­ge gegen ein Haus­ver­bot, das der Vor­ste­her eines Finanz­amts gegen­über einem Steu­er­pflich­ti­gen aus­spricht, ist nach einer Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Müns­ter regel­mä­ßig nicht das Finanz­ge­richt, son­dern das Ver­wal­tungs­ge­richt zustän­dig.

Haus­ver­bot im Finanz­amt

Das steu­er­li­che Ver­wal­tungs­ver­fah­ren wer­de, so das Finanz­ge­richt Müns­ter, anders als etwa im Bereich des Sozi­al­rechts, in der Regel ohne per­sön­li­chen Kon­takt zwi­schen dem Steu­er­pflich­ti­gen und der Finanz­be­hör­de auf schrift­li­chem Wege durch­ge­führt wer­de, so dass die Ertei­lung eines Haus­ver­bots kei­ne Abga­ben­an­ge­le­gen­heit im Sin­ne des § 33 FGO sei. Zustän­dig sei­en damit nicht die Finanz­ge­rich­te, son­dern die Ver­wal­tungs­ge­rich­te.

Die gegen das Haus­ver­bot gerich­te­te Kla­ge ist eine öffent­lich-recht­li­che Strei­tig­keit nicht ver­fas­sungs­recht­li­cher Art, die nicht durch Bun­des­ge­setz einem ande­ren Gericht aus­drück­lich zuge­wie­sen ist. Strei­tig­kei­ten über Haus­ver­bo­te, die Vor­ste­her von Finanz­be­hör­den aus­ge­spro­chen haben, sind nicht den Finanz­ge­rich­ten zuge­wie­sen 1. Die Ertei­lung eines Haus­ver­bots ist jeden­falls dann kei­ne Abga­ben­an­ge­le­gen­heit im Sin­ne des § 33 Abs. 1 Nr.1, Abs. 2 FGO, wenn es – wie im Streit­fall – all­ge­mein, d.h. ohne Beschrän­kung auf ein kon­kre­tes steu­er­li­ches Ver­wal­tungs­ver­fah­ren aus­ge­spro­chen wur­de. Der­ar­ti­ge Haus­ver­bo­te sind viel­mehr Ange­le­gen­hei­ten des all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­rechts 2.

Für die­se Beur­tei­lung spricht auch, dass die Grund­sät­ze, die jeder Trä­ger öffent­li­cher Ver­wal­tung bei der Durch­set­zung sei­nes Haus­rechts zu beach­ten hat, iden­tisch sind, unab­hän­gig davon, ob die Recht­mä­ßig­keit der jeweils öffent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben­er­le­di­gung im Verwaltungs‑, Sozi­al- oder Finanz­rechts­weg zu über­prü­fen ist 3.

Die­ser Auf­fas­sung steht, so das Finanz­ge­richt Müns­ter, auch der Beschluss des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 1. April 2009 4 nicht ent­ge­gen. Zwar ist hier­nach der Sozi­al­rechts­weg für Strei­tig­kei­ten über Haus­ver­bo­te eröff­net, die im Rah­men oder aus Anlass eines Ver­wal­tungs­ver­fah­rens erteilt wer­den, denen mate­ri­ell-recht­lich die Vor­schrif­ten des SGB II ("Hartz IV") zugrun­de lie­gen. Dies aber, so das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, nur des­halb, weil in den Ange­le­gen­hei­ten der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de ein enger Sach­zu­sam­men­hang zwi­schen der Ord­nungs­ge­walt eines Lei­ters eines Sozi­al­trä­gers und den von dem Sozi­al­trä­ger wahr­zu­neh­men­den Sach­auf­ga­ben gege­ben ist. Letz­te­re sind, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt aus­führt, nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers von einem per­sön­li­chen Kon­takt des Hil­fe­su­chen­den mit den Mit­ar­bei­tern des Trä­gers der Grund­si­che­rung geprägt.

Die­se allein in den mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­schrif­ten des SGB II begrün­de­ten spe­zi­fi­schen Beson­der­hei­ten bestehen in steu­er­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren jedoch grund­sätz­lich nicht. Ins­be­son­de­re kön­nen steu­er­li­che Ver­wal­tungs­ver­fah­ren – wie auch die Bear­bei­tung des Antrags der Klä­ge­rin auf Ertei­lung einer Nicht­ver­an­la­gungs-Beschei­ni­gung – in der Regel ohne per­sön­li­chen Kon­takt zwi­schen dem Steu­er­pflich­ti­gen und dem zustän­di­gen Amts­trä­ger der Finanz­be­hör­de, näm­lich schrift­lich durch­ge­führt wer­den.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 30. August 2010 -14 K 3004/​10

  1. so auch zur Abgren­zung zwi­schen dem all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­rechts­weg und dem Sozi­al­rechts­weg: OVG NRW, Beschluss vom 11.02.1998 – 25 E 960/​97, NVwZ-RR 1998, 595; LSG NRW, Beschluss vom 05.03.2007 – L 16 B 3/​07 F[]
  2. LSG NRW, a.a.O[]
  3. OVG NRW, a.a.O.[]
  4. BSG, Beschluss vom 01.04.2009 – B 14 SF 1/​08 R[]

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.