Steu­er­li­cher Hun­de­hal­ter für 3 Mona­te

Für eine Per­son, die über einen län­ge­ren Zeit­raum einen Hund bei sich auf­nimmt und über die­sen bestim­men kann, besteht die Ver­mu­tung, dass er auch die mit der Hun­de­hal­tung ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen trägt.

Steu­er­li­cher Hun­de­hal­ter für 3 Mona­te

Selbst wenn man von einer zuläs­si­gen Zwin­gerer­mä­ßi­gung aus­geht, gilt sie jeden­falls nicht für Hun­de, die außer­halb der von der jewei­li­gen Hun­de­züch­ter­ver­ei­ni­gung geneh­mig­ten Zucht­stät­te – näm­lich auf dem Pri­vat­grund­stück eines Mit­glieds der Zucht­ge­mein­schaft – gehal­ten wer­den.

So hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, in dem sich der Klä­ger gegen Hun­de­steu­er­be­schei­de gewandt hat. Die Beklag­te erhebt nach ihrer Hun­de­steu­er­sat­zung eine Hun­de­steu­er. Mit fünf Beschei­den ver­an­lag­te die Beklag­te den Klä­ger für die Jah­re 2005 bis 2009 zur Hun­de­steu­er für zwei Hun­de in Höhe von jeweils 198 EUR pro Jahr. Hier­ge­gen erhob der Klä­ger Wider­spruch. Zur Begrün­dung trug er vor: Eigen­tü­mer und Hal­ter der Hun­de sei sein Schwie­ger­va­ter. Für alle Hun­de wer­de seit Jahr­zehn­ten regel­mä­ßig Zwin­ger­steu­er ent­rich­tet. Sein Schwie­ger­va­ter kom­me für sämt­li­che Kos­ten auf. Er – der Klä­ger – bil­de die Hun­de ledig­lich aus und berei­te sie für Hun­de­aus­stel­lun­gen vor. Sie wür­den bei ent­spre­chen­der Geeig­net­heit durch sei­nen Schwie­ger­va­ter in die Zucht über­nom­men oder ver­kauft. Mit Bescheid vom 23.2.2010 „kor­ri­gier­te“ die Beklag­te die ursprüng­li­chen Hun­de­steu­er­be­schei­de und setz­te für die Jah­re 2005 bis 2009 eine Hun­de­steu­er in Höhe von ins­ge­samt 418,– EUR fest, woge­gen eben­falls erfolg­los Wider­spruch ein­ge­legt wor­den ist mit der Begrün­dung, dass die von ihm gehal­te­nen Hun­de aus­schließ­lich Hun­de des Rott­wei­ler­zwin­gers von B… sei­en. Die­ser wer­de in Form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts von ihm gemein­sam mit sei­nem Schwie­ger­va­ter geführt. Sämt­li­che Kos­ten wür­den von der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts getra­gen. Dass er die Hun­de für einen gewis­sen Zeit­raum aus­bil­de, füh­re nicht dazu, dass er deren Hal­ter sei.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he 1 hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und den ange­foch­te­nen Bescheid der Beklag­ten sowie den Wider­spruchs­be­scheid des Land­rats­amts Ras­tatt auf­ge­ho­ben. Hier­ge­gen hat die Beklag­te Beru­fung ein­gelgt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg ist der ange­foch­te­ne Hun­de­steu­er­be­scheid der Beklag­ten weit­ge­hend recht­mä­ßig und ver­letzt den Klä­ger nicht in sei­nen Rech­ten. Der Klä­ger ist – mit Aus­nah­me des Hun­des „Des­sy von B…“ im Juni 2006 – als Hal­ter der Hun­de anzu­se­hen, für die ihn die Beklag­te zur Hun­de­steu­er her­an­ge­zo­gen hat.

Nach § 9 Abs. 3 KAG erhe­ben die Gemein­den eine Hun­de­steu­er. Gestützt auf die­se gesetz­li­che Ermäch­ti­gung hat die Beklag­te die Sat­zung über die Erhe­bung einer Hun­de­steu­er (HStS) vom 23.10.1996, geän­dert am 5.12.2001 erlas­sen, gegen deren Recht­mä­ßig­keit der Klä­ger kei­ne Beden­ken gel­tend gemacht hat. Gemäß § 1 Abs. 2 HStS unter­liegt das Hal­ten von Hun­den durch natür­li­che Per­so­nen der Steu­er, soweit es nicht aus­schließ­lich der Erzie­lung von Ein­nah­men dient. Der Begriff der Hun­de­hal­tung wird in § 2 Abs. 2 HStS defi­niert. Danach ist Hal­ter eines Hun­des, wer u.a. einen Hund in sei­nem Haus­halt für Zwe­cke der per­sön­li­chen Lebens­füh­rung auf­ge­nom­men hat (Satz 1). Kann der Hal­ter eines Hun­des nicht ermit­telt wer­den, so gilt als Hal­ter, wer den Hund wenigs­tens drei Mona­te lang gepflegt, unter­ge­bracht oder auf Pro­be oder zum Anler­nen gehal­ten hat (Satz 2).

Wie in die­sen Sat­zungs­be­stim­mun­gen zum Aus­druck kommt, han­delt es sich bei der Hun­de­steu­er um eine Auf­wand­steu­er im Sin­ne des Art. 105 Abs. 2a GG. Mit ihr wird der beson­de­re, über die Befrie­di­gung des all­ge­mei­nen Lebens­be­darfs hin­aus­ge­hen­de Auf­wand für die per­sön­li­che Lebens­füh­rung und damit die in der Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf zum Aus­druck kom­men­de wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit besteu­ert 2. Des­halb setzt die Erhe­bung der Hun­de­steu­er grund­sätz­lich vor­aus, dass mit der Hun­de­hal­tung ein gewis­ser – wenn auch unter Umstän­den nur gering­fü­gi­ger – zusätz­li­cher Ver­mö­gens­auf­wand ver­bun­den ist 3.

Der Klä­ger meint, er dür­fe nicht zur Hun­de­steu­er her­an­ge­zo­gen wer­den, weil er nicht Hal­ter der Hun­de sei, die er in sei­nem Haus­halt auf­ge­nom­men habe. Die Hun­de sei­en viel­mehr der – gemein­sam mit sei­nem Schwie­ger­va­ter in Form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) betrie­be­nen – Zucht­ge­mein­schaft bzw. sei­nem Schwie­ger­va­ter per­sön­lich zuzu­ord­nen. Er selbst wen­de kein Ver­mö­gen für die Hun­de­hal­tung auf, denn die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts bzw. sein Schwie­ger­va­ter trü­gen alle mit der Hun­de­hal­tung ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Las­ten. Die­ser Ein­wand greift nicht durch. Der Klä­ger gilt gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 HStS als Hal­ter der von der Beklag­ten in ihrem Bescheid bezeich­ne­ten Hun­de, soweit er die­se wenigs­tens drei Mona­te lang gepflegt, unter­ge­bracht oder auf Pro­be oder zum Anler­nen gehal­ten hat. Mit Aus­nah­me des Monats Juni 2006 hat die Beklag­te den Klä­ger danach zu Recht zur Hun­de­steu­er für die Jah­re 2005 bis 2009 her­an­ge­zo­gen.

Die Rege­lung in § 2 Abs. 2 Satz 2 HStS ver­stößt nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht und wider­spricht ins­be­son­de­re nicht dem Cha­rak­ter der Hun­de­steu­er als Auf­wand­steu­er im Sin­ne des Art. 105 Abs. 2a GG. Der Sat­zungs­ge­ber kann sich im Rah­men der ihm zuste­hen­den Gestal­tungs­frei­heit für eine gene­ra­li­sie­ren­de Sat­zungs­re­ge­lung ent­schei­den. Da es sich bei der Erhe­bung von Steu­ern um einen Mas­sen­ge­schäft han­delt, sind typi­sie­ren­de und gene­ra­li­sie­ren­de Rege­lun­gen grund­sätz­lich zuläs­sig, solan­ge die steu­er­li­chen Vor­tei­le der Typi­sie­rung in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zu den mit ihr not­wen­dig ver­bun­de­nen Nach­tei­len ste­hen 4.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier gege­ben. Wer einen Hund wenigs­tens drei Mona­te lang gepflegt, unter­ge­bracht oder auf Pro­be oder zum Anler­nen gehal­ten hat, ist nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung regel­mä­ßig Hal­ter die­ses Hun­des im steu­er­recht­li­chen Sinn. Denn es besteht die Ver­mu­tung, dass jemand, der einen Hund für einen län­ge­ren Zeit­raum bei sich auf­nimmt und über die­sen bestim­men kann, auch die mit der Hun­de­hal­tung ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen trägt. Da es sich – wie bereits erwähnt – bei der Erhe­bung der Hun­de­steu­er um ein Mas­sen­ge­schäft han­delt, ist dem­zu­fol­ge eine an die­se Ver­mu­tung anknüp­fen­de typi­sie­ren­de und gene­ra­li­sie­ren­de Rege­lung in einer Hun­de­steu­er­sat­zung nicht zu bean­stan­den. Denn regel­mä­ßig wird es der Behör­de nicht oder nur mit unver­hält­nis­mä­ßi­gem Auf­wand mög­lich sein, den Nach­weis zu erbrin­gen, wer tat­säch­lich die finan­zi­el­len Las­ten der Hun­de­hal­tung trägt. Eine Sat­zungs­be­stim­mung, nach der wie hier die Hal­ter­ei­gen­schaft ver­mu­tet wird, wenn jemand einen Hund tat­säch­lich für einen län­ge­ren Zeit­raum als drei Mona­te bei sich auf­nimmt, ist daher zuläs­sig.

Die Rich­tig­keit die­ses Ergeb­nis­ses wird durch den Ver­gleich mit einer ande­ren Fall­grup­pe bestä­tigt. Es wird es ohne Wei­te­res gebil­ligt, wenn eine Rege­lung bestimmt, dass im Fal­le eines gemein­sa­men Haus­halts alle Haus­halts­mit­glie­der als Hun­de­hal­ter gel­ten. Ent­schei­dend ist inso­weit die Erwä­gung, dass die Hun­de­hal­tung in einem gemein­sa­men Haus­halt typi­scher­wei­se die Dul­dung oder das Ein­ver­neh­men aller Haus­halts­mit­glie­der vor­aus­setzt, deren Betei­li­gung erfor­dert und des­halb typi­scher­wei­se jedem Haus­halts­mit­glied zuge­rech­net wer­den kann. Dem­zu­fol­ge ist es im Rah­men der danach zuläs­si­gen Typi­sie­rung uner­heb­lich, wel­cher Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge ein Tier tat­säch­lich pflegt und ver­sorgt oder die finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen der Hun­de­hal­tung trägt 4. Erst recht muss dies dann gel­ten, wenn jemand wie hier frei­wil­lig allein einen Hund bei sich auf­nimmt.

Die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 2 Abs. 2 Satz 2 HStS sind hier erfüllt. Es liegt ein Fall vor, in dem der Hal­ter eines Hun­des nicht ermit­telt wer­den kann. Sowohl nach dem Wort­laut als auch nach dem Sinn und Zweck der Rege­lung kommt sie nicht nur im Fal­le her­ren­lo­ser Hun­de, son­dern gera­de auch dann zur Anwen­dung, wenn wie hier unklar oder umstrit­ten ist, wel­che von meh­re­ren in Betracht kom­men­den Per­so­nen im hun­de­steu­er­recht­li­chen Sin­ne als Hal­ter anzu­se­hen ist. Für die­se Streit­fäl­le schafft § 2 Abs. 2 Satz 2 HStS eine Ver­mu­tungs­re­gel, wonach der­je­ni­ge als Hun­de­hal­ter gilt, der einen Hund län­ger als drei Mona­te bei sich auf­ge­nom­men hat. Der Klä­ger hat die streit­be­fan­ge­nen Hun­de – mit Aus­nah­me des letz­ten Auf­ent­halts der Hün­din „Des­sy von B…“ vom 8.5.2006 bis zum 16.6.2006 – jeweils für mehr als drei Mona­te in sei­nen Haus­halt tat­säch­lich auf­ge­nom­men und nach sei­nem Vor­trag auch aus­ge­bil­det. Damit gilt er als Hal­ter i.S.v. § 2 Abs. 2 Satz 2 HStS.

Dem Klä­ger ist es nicht gelun­gen, die sat­zungs­recht­li­che Ver­mu­tung sei­ner Hal­ter­ei­gen­schaft zu wider­le­gen. Für die Wider­le­gung einer Ver­mu­tung reicht es weder, dass der Rich­ter in sei­ner Über­zeu­gung unsi­cher gewor­den ist, noch dass eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit für das Gegen­teil der Ver­mu­tung spricht. Erst wenn der Rich­ter vom Gegen­teil der ver­mu­te­ten Tat­sa­che voll über­zeugt ist, ist die Ver­mu­tung wider­legt 5.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof kann nicht die vol­le Über­zeu­gung gewin­nen, dass die die Zucht­ge­mein­schaft bzw. der Schwie­ger­va­ter des Klä­gers alle mit der Hun­de­hal­tung ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen trägt. Nur dann wäre aber die sat­zungs­recht­li­che Ver­mu­tung des § 2 Abs. 2 Satz 2 HStS wider­legt. Zwar haben der Klä­ger und sein als Zeu­ge ver­nom­me­ner Schwie­ger­va­ter über­ein­stim­mend ange­ge­ben, der Schwie­ger­va­ter des Klä­gers tra­ge aus­nahms­los alle mit der Hun­de­hal­tung ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Las­ten. Die­ser Vor­trag war teil­wei­se auch durch­aus anschau­lich und detail­ge­treu, bei­spiels­wei­se als der Zeu­ge im Ein­zel­nen erläu­tert hat, wie er selbst das Spe­zi­al­fut­ter der Hun­de her­stellt. Des­sen unge­ach­tet blei­ben jedoch erheb­li­che Zwei­fel an dem Vor­trag des Klä­gers ins­ge­samt.

Zu berück­sich­ti­gen ist zunächst, dass der Vor­trag nicht nur der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung wider­spricht, son­dern auch erheb­lich von dem gesetz­li­chen Leit­bild der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts abweicht. Hier­nach haben die Gesell­schaf­ter grund­sätz­lich glei­che Rech­te und glei­che Pflich­ten. Sie leis­ten für gewöhn­lich glei­che Bei­trä­ge (§ 706 Abs. 1 BGB) und par­ti­zi­pie­ren zu glei­chen Tei­len an Gewinn und Ver­lust der Gesell­schaft (§ 722 Abs. 1 BGB). Mit­hin tra­gen sie letzt­lich gemein­sam die wirt­schaft­li­chen Las­ten der Gesell­schaft. Die Behaup­tung einer aty­pi­schen Ver­trags­ge­stal­tung, wonach ein Gesell­schaf­ter alle Las­ten allei­ne zu tra­gen hat, setzt daher regel­mä­ßig die Vor­la­ge einer ent­spre­chen­den schrift­li­chen Abre­de vor­aus. Allei­ne die hier behaup­te­te fak­ti­sche Kos­ten­über­nah­me durch den Schwie­ger­va­ter des Klä­gers genügt hin­ge­gen grund­sätz­lich nicht, da der Klä­ger auch schon dann als Hal­ter anzu­se­hen ist, wenn nur das wirt­schaft­li­che Risi­ko besteht, dass er auf den Kos­ten „sit­zen bleibt“ 6. Auch der Klä­ger hat im Beru­fungs­ver­fah­ren zutref­fend auf die gesamt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung bei­der Gesell­schaf­ter im Außen­ver­hält­nis nach den §§ 421 BGB ff. ver­wie­sen. Selbst wenn im Innen­ver­hält­nis aus­schließ­lich sein Schwie­ger­va­ter alle Kos­ten über­neh­men soll­te, bleibt daher zumin­dest das Risi­ko bestehen, dass der Klä­ger bei­spiels­wei­se für einen Scha­den von einem Geschä­dig­ten in Anspruch genom­men wird und auf die­sen Kos­ten „sit­zen bleibt“.

Auch die Tat­sa­che, dass der Klä­ger und sein Schwie­ger­va­ter – wie sie mehr­fach vor­ge­tra­gen haben – Mit­ei­gen­tü­mer der Hun­de sind, spricht nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung dafür, dass bei­de die damit ver­bun­de­nen Kos­ten zu tra­gen haben.

Wei­ter ist zu Las­ten des Klä­gers ein­zu­stel­len, dass sein Vor­trag wäh­rend des Ver­wal­tungs- und des Gerichts­ver­fah­rens nicht durch­gän­gig kon­stant ist. Zunächst hat er bei sei­ner Vor­spra­che bei der Beklag­ten am 28.5.2009 (aus­weis­lich des dar­über gefer­tig­ten Akten­ver­merks) und ins­be­son­de­re auch in sei­ner schrift­li­chen Stel­lung­nah­me vom 3.6.2009 in ers­ter Linie dar­auf abge­ho­ben, es hand­le sich um Hun­de des gemein­sam mit sei­nem Schwie­ger­va­ter betrie­be­nen Rott­wei­ler­zwin­gers von B…, also letzt­lich der mit die­sem gemein­sam betrie­be­nen Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts. Nach­dem ihn die Beklag­te erst­mals zur Hun­de­steu­er ver­an­lagt hat­te, hat er dem­ge­gen­über in der Wider­spruchs­be­grün­dung vom 8.7.2009 vor­ge­tra­gen, Eigen­tü­mer und Hal­ter der Hun­de sei sein Schwie­ger­va­ter; die­ser kom­me für sämt­li­che Kos­ten auf. Im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren hat er wie­der­um pri­mär dar­auf abge­stellt, die Hun­de hät­ten sich aus­schließ­lich im Rah­men der Aus­bil­dung für die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts bei ihm auf­ge­hal­ten; auch wenn ein Hund für einen gewis­sen Zeit­raum in sei­nem Haus­halt lebe, tra­ge die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts die kom­plet­ten Kos­ten für das Tier. Erst nach­dem der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in sei­nem Zulas­sungs­be­schluss vom 4. Okto­ber 2011 dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass die Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts gewöhn­lich gemein­sam die wirt­schaft­li­chen Las­ten der Gesell­schaft trü­gen, hat er sei­nen Vor­trag erneut geän­dert und behaup­tet seit­her (wie­der), nicht die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, son­dern sein Schwie­ger­va­ter sei als Hun­de­hal­ter anzu­se­hen und tra­ge alle Kos­ten der Hun­de­hal­tung.

Zu Guns­ten des Klä­gers greift kei­ne Aus­nah­me oder Ermä­ßi­gung ein: Es liegt kei­ne erwerbs­wirt­schaft­li­che oder gewerb­li­che Betä­ti­gung vor, die einer Besteue­rung ent­ge­gen­stün­de 7. Nach dem unbe­strit­te­nen Vor­trag des Klä­gers wird die Hun­de­zucht von ihm und sei­nem Schwie­ger­va­ter aus­schließ­lich aus Grün­den der „Lieb­ha­be­rei“ betrie­ben. Dies steht auch in Ein­klang mit den Sta­tu­ten des All­ge­mei­nen Deut­schen Rott­wei­ler-Klubs e.V. (ADRK), bei dem der Klä­ger und sein Schwie­ger­va­ter ihren Zwin­ger ange­mel­det haben. Hier­nach sind gewerbs­mä­ßi­ge Hun­de­händ­ler und Züch­ter aus­drück­lich vom Erwerb der Mit­glied­schaft aus­ge­schlos­sen (§ 4 Nr. 1 der Sat­zung des ADRK).

Der Klä­ger kann sich nicht auf das „Zwin­ger­pri­vi­leg“ (Zwin­ger­steu­er) des § 7 Abs. 1 HStS beru­fen. Nach § 7 Abs. 1 HStS wird von Hun­de­züch­tern, die min­des­tens zwei ras­ser­ei­ne Hun­de der glei­chen Ras­se, dar­un­ter eine Hün­din im zucht­fä­hi­gen Alter, zu Zucht­zwe­cken hal­ten, die Steu­er auf Antrag nach § 5 Abs. 3 HStS erho­ben, wenn der Zwin­ger, die Zucht­tie­re und die gezüch­te­ten Hun­de in das Zucht­buch einer von der Gemein­de aner­kann­ten Hun­de­züch­ter­ver­ei­ni­gung ein­ge­tra­gen sind. Nach § 5 Abs. 3 HStS beträgt die Zwin­ger­steu­er gemäß § 7 Abs. 1 HStS 150,00 EUR für bis zu fünf Hun­de.

Gegen Sat­zungs­be­stim­mun­gen die­ser Art wer­den in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken erho­ben. Pro­ble­ma­tisch erscheint neben der Fra­ge, ob das Ziel der För­de­rung der Ras­se­hun­de­zucht eine Recht­fer­ti­gung bie­tet, inso­weit eine Steu­er­ermä­ßi­gung vor­zu­se­hen, ins­be­son­de­re der Umstand, dass die Steu­er­ermä­ßi­gung von Hand­lun­gen pri­va­ter Hun­de­zucht­ver­ei­ni­gun­gen abhän­gig gemacht wird, ohne dass inso­weit eine öffent­li­che Kon­trol­le zum Schutz der Steu­er­pflich­ti­gen gegen ein will­kür­li­ches Han­deln die­ser pri­va­ten Ver­ei­ni­gun­gen besteht. Dar­über hin­aus feh­len Rege­lun­gen dar­über, von wel­chen Kri­te­ri­en es abhängt, ob eine Hun­de­zucht­ver­ei­ni­gung von einer Gemein­de aner­kannt wird. Dar­aus wird gefol­gert, dass eine will­kür­li­che Aner­ken­nungs­pra­xis und damit im Ergeb­nis eine will­kür­li­che Ent­schei­dung über die Gewäh­rung oder Nicht­ge­wäh­rung von Zwin­ger­steu­er mög­li­cher­wei­se nicht aus­ge­schlos­sen sei 8. Wei­ter wird ein­ge­wandt, schon der Begriff des Hun­de­züch­ters sei unklar und kaum zu defi­nie­ren; auch hier­durch wer­de eine will­kür­li­che Anwen­dung der ent­spre­chen­den Vor­schrif­ten ermög­licht 9.

Die­sen Beden­ken braucht der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof jedoch nicht wei­ter nach­zu­ge­hen. Die Steu­er­ermä­ßi­gung für Hun­de­züch­ter greift im vor­lie­gen­den Fall schon tat­be­stand­lich nicht ein.

Die Erhe­bung öffent­li­cher Abga­ben, zu denen auch die Hun­de­steu­er zu zäh­len ist, unter­liegt dem Bestimmt­heits­ge­bot eben­so wie dem Grund­satz der gleich­mä­ßi­gen Erhe­bung der Abga­be. Wird durch Befrei­ungs- oder (wie hier) Ermä­ßi­gungs­vor­schrif­ten die gleich­mä­ßi­ge Erhe­bung ein­ge­schränkt, müs­sen die­se den Kreis der Begüns­tig­ten ein­deu­tig und unzwei­fel­haft bestim­men, um die Anfor­de­run­gen der abga­ben­recht­li­chen Gleich­be­hand­lung und Bestimmt­heit zu gewähr­leis­ten. Die Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts und des Klä­gers, unter das „Züch­ter­pri­vi­leg“ fie­len auch Hun­de, die ein Mit­glied einer Zucht­ge­mein­schaft außer­halb der vom Hun­de­zucht­ver­band geneh­mig­ten Zucht­stät­te auf sei­nem Pri­vat­grund­stück hält, wider­spricht die­sen Grund­sät­zen. Denn die Gewäh­rung der Steu­er­ermä­ßi­gung wäre in die­sem Fall allein von der Aner­ken­nung einer Hun­de­züch­ter­ver­ei­ni­gung durch die Gemein­de, inter­nen Ent­schei­dun­gen der Hun­de­züch­ter­ver­ei­ni­gung und des Züch­ters (Aner­ken­nung des Zwin­gers und Ein­tra­gung der Hun­de ins Zucht­buch) sowie der blo­ßen Wil­lens­be­kun­dung des Steu­er­pflich­ti­gen, Hun­de auf sei­nem Pri­vat­grund­stück im Inter­es­se einer Zucht­ge­mein­schaft zu hal­ten, abhän­gig. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung der Steu­er­ermä­ßi­gung könn­ten damit nicht mehr ver­läss­lich bestimmt wer­den. Um einem Miss­brauch des Züch­ter­pri­vi­legs zu begeg­nen, wäre die Behör­de in vie­len Fäl­len zu auf­wän­di­gen Ermitt­lun­gen gezwun­gen, um fest­zu­stel­len, ob – vom äuße­ren Anschein her – pri­vat gehal­te­ne Hun­de einer räum­lich ent­fernt gele­ge­nen Zucht­stät­te zuzu­ord­nen sind. Dies kann im Bereich einer Mas­sen­ver­wal­tung, wie sie die Erhe­bung der Hun­de­steu­er dar­stellt, unter Prak­ti­ka­bi­li­täts­ge­sichts­punk­ten 10 nicht hin­ge­nom­men wer­den. Unter­stellt man die Zuläs­sig­keit der in den §§ 7 Abs. 1, 5 Abs. 3 HStS gere­gel­ten Zwin­gerer­mä­ßi­gung, muss die­se jeden­falls in der Wei­se restrik­tiv aus­ge­legt wer­den, dass sie nicht für Hun­de gilt, die von einem Mit­glied einer Zucht­ge­mein­schaft außer­halb der von der jewei­li­gen Hun­de­züch­ter­ver­ei­ni­gung geneh­mig­ten Zucht­stät­te auf sei­nem Pri­vat­grund­stück gehal­ten wer­den.

Die Fra­ge, wel­che der auf dem Grund­stück des Klä­gers gehal­te­nen Hun­de über­haupt den Zwe­cken der Hun­de­zucht gedient haben 11, kann danach dahin­ste­hen.

Die Beru­fung der Beklag­ten hat ledig­lich inso­weit kei­nen Erfolg, als es um die Fest­set­zung der Hun­de­steu­er für den Hund „Des­sy von B… für den Monat Juni 2006 in Höhe von 5,50 EUR geht. Da sich die­ser Hund nur kurz beim Klä­ger auf­ge­hal­ten hat, nach­dem er zuvor vom 8. Janu­ar bis zum 8. Mai 2006 – und damit deut­lich mehr als drei Mona­te – auf dem Anwe­sen sei­nes Schwie­ger­va­ters gehal­ten wor­den ist, spricht die all­ge­mei­ne Lebens­er­fah­rung in die­sem Fall für des­sen Hal­ter­ei­gen­schaft. Da der nach­fol­gen­de Zeit­raum im Haus­halt des Klä­gers bis zur end­gül­ti­gen Abgabe/​Ver­äu­ße­rung nur sehr kurz war, ist die­ser auch nicht (wie­der) zum Hun­de­hal­ter gewor­den. Für die­sen Zeit­raum von etwas mehr als einen Monat kann es auch noch als glaub­haft ange­se­hen wer­den, dass der Schwie­ger­va­ter des Klä­gers alle Auf­wen­dun­gen getra­gen hat.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 6. März 2012 – 2 S 2738/​11

  1. VG Karls­ru­he, Urteil vom 08.06.2011 – 6 K 1770/​10[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 06.12.1983 – 2 BvR 1275/​79, BVerfGE 65, 325; BVerwG, Urtei­le vom 10.10.1995 – 8 C 40.93, BVerw­GE 99, 303 und vom 06.12.1996 – 8 C 49.95, Buch­holz 401.61 Zweit­woh­nungs­steu­er Nr. 12 S. 15[]
  3. vgl. hier­zu: VGH Baden-Württ., Urteil vom 26.05.2008 – 2 S 1025/​06, BWGZ 2008, 606[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 28.11.1997 – 8 B 224.97, Buch­holz 401.65 Hun­de­steu­er Nr. 5; Bay. VGH, Beschluss vom 20.05.2008 – 4 ZB 07.2376; VGH Baden-Württ., Beschluss vom 27.02.2008 – 2 S 1083/​07[][]
  5. Prüt­ting, Mün­che­ner Kom­men­tar zur Zivil­pro­zess­ord­nung, 3. Auf­la­ge 2008, § 292 Rn. 23[]
  6. vgl. VGH Baden-Württ., Urteil vom 26.05.2008 – 2 S 1025/​06, BWGZ 2008, 606[]
  7. hier­zu: VG Trier, Urteil vom 15.05.2008 – 2 K 976/​07.TR; s. auch VGH Baden-Württ., Urteil vom 15.09.2010 – 2 S 811/​10, BWGZ 2011, 206[]
  8. vgl. OVG Nordrh.-Westf., Urteil vom 05.07.1995 – 22 A 2104/​94, NWVBl 1996, 15[]
  9. vgl. Hebrank, NVwZ 1999, 268 unter VII.[]
  10. hier­zu allg.: VGH Baden-Württ., Urteil vom 30.06.2005 – 2 S 395/​04[]
  11. vgl. hier­zu: OVG Nordrh.-Westf., Urteil vom 05.07.1995 – 22 A 2104/​94, NWVBl 1996, 15[]