Kein Aus­kunfts­an­spruch des Insol­venz­ver­wal­ters

Nach einer Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf hat der Insol­venz­ver­wal­ter auf­grund des Grund­rechts der Berufs­frei­heit nach Arti­kel 12 GG und des Pro­zess­grund­rechts nach Arti­kel 19 Abs. 4 GG einen Anspruch auf ermes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung über ein von ihm gestell­tes Aus­kunfts­be­geh­ren. Eine Aus­kunfts­ver­pflich­tung der Finanz­ver­wal­tung bestehe aber, so die Düs­sel­dor­fer Finanz­rich­ter, nicht schon dann, wenn ledig­lich ein Ver­dacht besteht, die Finanz­ver­wal­tung habe in anfecht­ba­rer Wei­se Zah­lun­gen vom Schuld­ner erhal­ten. Der Insol­venz­ver­wal­ter kön­ne von der Finanz­ver­wal­tung nicht die Aus­for­schung von Sach­ver­hal­ten ver­lan­gen, für deren Vor­lie­gen er selbst dem Grun­de nach kei­nen eige­nen Auf­wand betrei­ben wol­le.

Kein Aus­kunfts­an­spruch des Insol­venz­ver­wal­ters

Grund­la­ge des vom Insol­venz­ver­wal­ter gel­tend gemach­ten Aus­kunfts­be­geh­rens, das im Wege einer all­ge­mei­nen Leis­tungs­kla­ge gel­tend gemacht wer­den kann, ist nicht die Abga­ben­ord­nung, die einen dies­be­züg­li­chen Anspruch nicht regelt, son­dern das Rechts­staats­prin­zip in Ver­bin­dung mit dem Grund­recht der Berufs­frei­heit des Art. 12 Abs. 1 GG sowie dem Pro­zess­grund­recht des Art. 19 Abs. 4 GG. Die­ses ver­pflich­tet das Finanz­amt, einem Steu­er­pflich­ti­gen – vor­be­halt­lich des Steu­er­ge­heim­nis­ses – eine Aus­kunft zu ertei­len, wenn die­se für ihn uner­läss­lich ist, will er sei­ne steu­er­li­chen Rech­te unter zumut­ba­ren Bedin­gun­gen effek­tiv wahr­neh­men. Inso­weit hat der Klä­ger aber kei­nen Anspruch auf Aus­kunft schlecht­hin in der von ihm gewünsch­ten Form eines Kon­to­aus­zugs über einen bestimm­ten Zeit­raum, son­dern nur auf ermes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung über sein Aus­kunfts­be­geh­ren 1.

Begehrt der Insol­venz­ver­wal­ter die Aus­kunft aber nicht, um steu­er­li­che Pflich­ten des Schuld­ners erfül­len zu kön­nen, son­dern geht es ihm aus­schließ­lich um die Gel­tend­ma­chung von Anfech­tungs­rech­ten und die Abrech­nung von Säum­nis­zu­schlä­gen, so besteht ein der­ar­ti­ger Anspruch nach Ansicht des FG nicht.

Inso­weit kann nach Ansicht des Finanz­ge­richts dahin­ge­stellt blei­ben, ob einer Aus­kunft das Steu­er­ge­heim­nis nach § 30 AO ent­ge­gen­ste­hen könn­te. Selbst wenn auf den Insol­venz­ver­wal­ter als Betrof­fe­nem im Sin­ne des § 30 Abs. 4 Nr.3 AO inso­weit die Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis (§ 80 Abs. 1 InsO) über­ge­gan­gen sein soll­te, wofür die vom BGH im Urteil vom 30.11.1989 2, auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze und die umfas­sen­den Aus­kunfts­pflich­ten des Schuld­ners nach § 97 Abs. 1 InsO spre­chen könn­ten, ver­langt der Klä­ger vom Beklag­ten Aus­künf­te wie von jedem ande­ren Gläu­bi­ger über Umstän­de, die das Bestehen eige­ner Ansprü­che des Klä­gers für die Insol­venz­mas­se recht­fer­ti­gen könn­ten.

Danach kön­nen dem Klä­ger aber kei­ne wei­ter­ge­hen­den Rech­te als den übri­gen Gläu­bi­gern des Schuld­ners zuste­hen. Eine Aus­kunfts­ver­pflich­tung ist unter Berück­sich­ti­gung der Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) erst anzu­neh­men, wenn der Anfech­tungs­grund oder der sonst gel­tend gemach­te Anspruch dem Grun­de nach fest­ste­hen und es nur noch um die nähe­re Bestim­mung von Art und Umfang des Anspruchs geht. Die­se Pflicht besteht aber nicht schon dann, wenn ledig­lich ein begrün­de­ter Ver­dacht besteht, der Drit­te habe vom Schuld­ner in anfecht­ba­rer Wei­se etwas erhal­ten 3.

Der­ar­ti­ge Rech­te aber hat der Insol­venz­ver­wal­ter in dem Düs­sel­dor­fer Ver­fah­ren sub­stan­ti­iert nicht vor­ge­tra­gen, son­dern nur auf­grund von ihm ange­stell­ter all­ge­mei­ner Ver­mu­tun­gen behaup­tet. Er gab nur – ohne nähe­re Ein­zel­hei­ten zu nen­nen – an, die Aus­künf­te des Beklag­ten benö­ti­ge er, um die Ver­bind­lich­kei­ten des Schuld­ners fest­zu­stel­len. Die­ser habe auf Voll­stre­ckungs­maß­nah­men geleis­tet, ohne dass dies nach­voll­zieh­bar doku­men­tiert wor­den sei. Die Ver­rech­nung ein­ge­zo­ge­ner For­de­run­gen sei unbe­kannt.

Soweit in der Recht­spre­chung des BGH aner­kannt ist, dass im Rah­men schon begrün­de­ter Rechts­be­zie­hun­gen der eine Teil in ent­schuld­ba­rer Wei­se über Bestehen und Umfang sei­nes Rechts im Unge­wis­sen ist und der ande­re Teil die benö­tig­ten Aus­künf­te unschwer zu geben ver­mag 4, folgt dar­aus eben­falls im Streit­fall kein Aus­kunfts­an­spruch. Auch in die­ser Hin­sicht hat der Klä­ger nicht dar­ge­tan, dass sei­ne Unge­wiss­heit ent­schuld­bar ist. Erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung hat er behaup­tet, der Schuld­ner sei zu nach­voll­zieh­ba­ren Anga­ben nicht in der Lage gewe­sen. Allein die­se Behaup­tung genügt nicht, denn der Klä­ger hat nicht vor­ge­tra­gen, dass er auch nach Aus­wer­tung der Buch­hal­tung des Schuld­ners und der dabei vor­ge­fun­de­nen Bele­ge sich ein Bild über das mög­li­che Bestehen der von ihm behaup­te­ten Ansprü­che nicht hat ver­schaf­fen kön­nen.

Zudem stellt die Erstel­lung eines Kon­to­aus­zugs in einer für Drit­te les­ba­ren Form mit den dazu erfor­der­li­chen zusätz­li­chen Erläu­te­run­gen auch einen nicht uner­heb­li­chen Auf­wand dar, der – ohne nähe­re Anga­ben – nicht erken­nen lässt, dass der gewünsch­te Aus­zug vom Beklag­ten unschwer zu erstel­len sein dürf­te.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 14. Mai 2008 – 4 K 242/​07 AO

  1. BFH Urteil v. 05.10.2006 VII R 24/​03, BSt­Bl. II 2007, 243 mwN.[]
  2. III ZR 112/​88, NJW 1990, 510-513[]
  3. BGH Urtei­le v. 15.01.1987, IX ZR 4/​86, NJW 1987, 1812 f., 1812; v. 06.06.1979, VIII ZR 255/​78, NJW 1979, 1832 f., 1832[]
  4. BGH Urteil v. 21.01.1999, IX ZR 429/​97, NJW 1999, 1033 ff., 1034[]