Kein pres­se­recht­li­cher Anspruch auf Aus­kunft zu steu­er­li­chen Daten

Die Offen­ba­rung von Daten, die dem Steu­er­ge­heim­nis unter­lie­gen, ist auch bei pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­an­sprü­chen nur zuläs­sig, soweit hier­für ein zwin­gen­des öffent­li­ches Inter­es­se besteht.

Kein pres­se­recht­li­cher Anspruch auf Aus­kunft zu steu­er­li­chen Daten

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehr­te ein Jour­na­list vom Finanz­mi­nis­te­ri­um des beklag­ten Lan­des nähe­re Aus­künf­te zu einem Ein­satz von Poli­zei und Steu­er­fahn­dung in einem Swin­ger-Club im Sep­tem­ber 2011, über den er sei­ner­zeit in einer über­re­gio­na­len Tages­zei­tung berich­tet hat. Sein Aus­kunfts­be­geh­ren rich­tet sich u.a. dar­auf, wie lan­ge der Ein­satz gedau­ert hat, wer bei dem Ein­satz feder­füh­rend war und ihn ver­an­lasst hat, ob Beweis­ma­te­ri­al gesi­chert wor­den ist und ob es Fest­nah­men gege­ben hat oder Haft­be­feh­le erlas­sen wor­den sind. Das Finanz­amt ver­wei­ger­te die erbe­te­nen Aus­künf­te unter Hin­weis auf das Steu­er­ge­heim­nis.

Kla­ge und Beru­fung des Jour­na­lis­ten blie­ben vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf 1 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter 2 ohne Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te nun die­se Rechts­auf­fas­sung und wies auch die Revi­si­on des Jour­na­lis­ten zurück:

Die Aus­le­gung der Vor­schrift zum Steu­er­ge­heim­nis – § 30 der Abga­ben­ord­nung (AO) – durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter ist mit revi­si­blem Recht ver­ein­bar. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat zu Recht ange­nom­men, dass die ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Pres­se­frei­heit nicht gebie­tet, § 30 AO ein­schrän­kend dahin aus­zu­le­gen, dass bei pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­an­sprü­chen stets eine „offe­ne“ Ein­zel­fall­ab­wä­gung vor­zu­neh­men bzw. eine Ermes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen ist. Der unbe­stimm­te Rechts­be­griff des „zwin­gen­den öffent­li­chen Inter­es­ses“ in § 30 Abs. 4 Nr. 5 AO bie­tet aus­rei­chend Raum, um der Pres­se­frei­heit Rech­nung zu tra­gen und die spe­zi­fi­schen Ein­zel­fall­um­stän­de abzu­wä­gen. Die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Abwä­gung begeg­net für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Beden­ken.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 29. August 2019 – 7 C 33.17

  1. VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 21.02.2014 – 26 K 5622/​12[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 18.102.2017 – 15 A 651/​14[]