Kein Vor­be­halt auf Wunsch

Das Finanz­amt ist nach Ansicht des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz nicht ver­pflich­tet, einen Steu­er­be­scheid auf Wunsch des Steu­er­pflich­ti­gen unter dem Vor­be­halt der Nach­prü­fung erge­hen zu las­sen.

Kein Vor­be­halt auf Wunsch

In dem jetzt vom FG ent­schie­de­nen Fall setz­te das Finanz­amt im jahr 2005 mit dem Ein­kom­men­steu­er­be­scheid für das Jahr 2003 die Ein­kom­men­steu­er – mit Aus­nah­me der Ver­mie­tungs­ein­künf­te – ent­spre­chend der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung der Klä­ge­rin fest. Die Ver­mie­tungs­ein­künf­te wur­den statt des erklär­ten Ver­lus­tes in Höhe von rd. 1.100.- € mit einem Gewinn in die­ser Höhe berück­sich­tigt.

Gegen die­sen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid leg­te die Klä­ge­rin Ein­spruch ein und bean­trag­te die Berück­sich­ti­gung des erklär­ten Ver­lus­tes bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung. Zudem bean­trag­te sie die Auf­nah­me eines Vor­be­halts der Nach­prü­fung in ihren Steu­er­be­scheid. Dazu führ­te sie u.a. aus, die stän­dig kom­pli­zier­ter, län­ger und immer unsys­te­ma­ti­scher wer­den­den Steu­er­ge­set­ze wür­den per­ma­nent geän­dert, so dass nur müh­sam her­aus­zu­fin­den sei, wel­che Geset­zes­fas­sung für wel­ches Jahr gel­te. Neben die­ser immer stär­ker wer­den­den Gesetz­ge­bungs­flut wir­ke nun auch die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung einer gleich­mä­ßi­gen Besteue­rung ent­ge­gen. In – von der Klä­ge­rin im Ein­zel­nen auf­ge­führ­ten – ver­schie­de­nen Fäl­len sei­en Steu­er­bür­ger, die ihrer Steu­er­erklä­rungs­pflicht auf­grund der gel­ten­den Geset­zes­la­ge zei­tig nach­kä­men und end­gül­tig ver­an­lagt wür­den, schlech­ter gestellt als die­je­ni­gen, die die­ser Ver­pflich­tung ver­spä­tet nach­kä­men. Von einer gleich­mä­ßi­gen Besteue­rung und einer Rechts­si­cher­heit kön­ne nicht mehr aus­ge­gan­gen wer­den. Um sich einem Gleich­ge­wicht zwi­schen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch und Rea­li­tät wie­der anzu­nä­hern, sei eine grund­sätz­li­che Beschei­der­tei­lung gebo­ten, wel­che die mate­ri­el­le Bestands­kraft ver­hin­de­re.

Das Finanz­amt änder­te dar­auf hin zwar den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid in der Wei­se, dass die Ein­künf­te aus V+V mit einem Ver­lust in Höhe von 1.100.- € ange­setzt wur­den, lehn­te es aber ab, den Steu­er­be­scheid unter den Vor­be­halt der Nach­prü­fung zu stel­len. Die ent­spre­chen­de Vor­schrift der AO (§ 164) sol­le der Finanz­be­hör­de die Möglichkeit geben, die Steu­ern zunächst ohne beson­de­re Prü­fung allein auf­grund der Anga­ben des Steu­er­pflich­ti­gen in der Steu­er­erklä­rung oder auf­grund einer kur­so­ri­schen oder punk­tu­el­len Prü­fung des Fal­les fest­zu­set­zen und die umfas­sen­de Über­prü­fung bis zum Ein­tritt der Ver­jäh­rung nach­zu­ho­len. Es lie­ge dem­ge­gen­über ein Ermes­sens­fehl­ge­brauch vor, wenn eine Steu­er unter dem Vor­be­halt der Nach­prü­fung fest­ge­setzt wer­de, obwohl schon zu die­sem Zeit­punkt fest­ste­he, dass kei­ne abschlie­ßen­de Prü­fung mehr vor­ge­nom­men wer­de.

Die gegen die­se Ent­schei­dung ange­streng­te Kla­ge hat­te kei­nen Erfolg.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, nach der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers die­ne die Möglichkeit der Auf­nah­me eines Vor­be­halts der Nach­prü­fung aus­schließ­lich der Beschleu­ni­gung der ers­ten Steu­er­fest­set­zung. Sie sol­le eine rasche ers­te Steu­er­fest­set­zung dadurch ermög­li­chen, dass die Steu­er ohne beson­de­re Prü­fung, allein auf­grund der Anga­ben des Steu­er­pflich­ti­gen fest­ge­setzt wer­de, wobei die spä­te­re Über­prü­fung vor­be­hal­ten blei­be. Es han­de­le sich ganz allein um ein Instru­ment der Steu­er­be­hör­de, um schnell und effek­ti­ver arbei­ten zu kön­nen. Vor­lie­gend sei die Steu­er­erklä­rung 2003 der Klä­ge­rin abschlie­ßend geprüft wor­den, daher lägen die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­nah­me des Vor­be­halts der Nach­prü­fung in den Bescheid eben nicht vor, auf die Aus­übung eines (Ent­schlie­ßungs-) Ermes­sens kom­me es daher nicht an. Abge­se­hen von hier nicht gege­ben Son­der­fäl­len (z.B. bei Umsatz­steu­er­vor­anmel­dun­gen) habe der Gesetz­ge­ber kei­ne Möglichkeit vor­ge­se­hen, den Steu­er­fall im Gan­zen offen zu hal­ten, auch nicht in den Fäl­len, in denen bei einer ex-post Betrach­tung eine Ungleich­be­hand­lung zwi­schen noch offe­nen und bereits bestands­kräf­ti­gen Steu­er­fest­set­zun­gen des­halb bestehe, weil nur noch die Steu­er­pflich­ti­gen mit noch offe­nen Ver­an­la­gun­gen auf eine geän­der­te Recht­spre­chung reagie­ren könn­ten. Dies stel­le frei­lich kei­nen Ver­stoß gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des Art. 3 GG dar. Denn der Gesetz­ge­ber habe sich in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se zwi­schen den im Rechts­staats­prin­zip begrün­de­ten Ver­fas­sungs­grund­sät­zen der Bestands­kraft von Ver­wal­tungs­ak­ten einer­seits und der Gerech­tig­keit im Ein­zel­fall ande­rer­seits zu Guns­ten der Rechts­si­cher­heit ent­schie­den. Dabei ent­ste­hen­de Vor – oder Nach­tei­le der Betrof­fe­nen habe der Gesetz­ge­ber in Kauf genom­men. Da bei einer Ände­rung der Recht­spre­chung zu Unguns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen ein bereits bestands­kräf­ti­ger Steu­er­be­scheid sei­ne Bestands­kraft behal­te, gli­chen sich Vor – und Nach­tei­le einer ein­ge­tre­te­nen Bestand­kraft aus.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on zum BFH wur­de vom FG nicht zuge­las­sen.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 18. Dezem­ber 2007 – 2 K 2211/​06