Kla­ge gegen einen Fol­ge­bech­eid – und die Ein­wen­dun­gen gegen den Grund­la­gen­be­scheid

Die Kla­ge gegen einen Fol­ge­be­scheid ist nicht allein des­we­gen unzu­läs­sig, weil sie aus­schließ­lich mit Ein­wen­dun­gen begrün­det wird, die den Grund­la­gen­be­scheid betref­fen. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof unter Auf­ga­be sei­ner bis­he­ri­gen ‑ent­ge­gen­ste­hen­den- Recht­spre­chung.

Kla­ge gegen einen Fol­ge­bech­eid – und die Ein­wen­dun­gen gegen den Grund­la­gen­be­scheid

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall wand­te sich die Klä­ge­rin gegen die vom Finanz­amt in den Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­den zum 31.12 2006 vor­ge­nom­me­ne Anwen­dung des § 8 Abs. 4 Satz 1 KStG 2002 a.F. auf bestimm­te Ver­lust­ab­zü­ge bzw. Ver­lust­vor­trä­ge, wor­aus im Ergeb­nis auch für den Fest­stel­lungs­zeit­punkt 31.12 2007 nied­ri­ge­re Fest­stel­lungs­be­trä­ge resul­tie­ren. Da nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen jedoch die Vor­jah­res-Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­de inso­weit Grund­la­gen­be­schei­de für die Ver­lust­fest­stel­lungs­be­schei­de des Fol­ge­jahrs sind, kann die Klä­ge­rin mit ihren dies­be­züg­li­chen Ein­wen­dun­gen nur in den Rechts­be­helfs­ver­fah­ren gegen jene Grund­la­gen­be­schei­de, nicht aber auch in den Rechts­be­helfs­ver­fah­ren gegen die Fol­ge­be­schei­de gehört wer­den (§ 351 Abs. 2 AO).

Der vor­ge­nann­te Umstand führt indes­sen nicht dazu, dass die Kla­ge gegen den Fol­ge­be­scheid als unzu­läs­sig anzu­se­hen ist. Der Bun­des­fi­nanz­hof hält in die­sem Punkt nicht an sei­ner in jün­ge­rer Zeit ver­tre­te­nen gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung 1 fest. Viel­mehr kehrt er zu sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung 2 zurück, die im Ein­klang mit der Spruch­pra­xis ande­rer Bun­des­fi­nanz­ho­fe des BFH steht 3 und der zufol­ge es in einem sol­chen Fall nicht an der gemäß § 40 Abs. 2 FGO für die Erhe­bung der Anfech­tungs­kla­ge erfor­der­li­chen Gel­tend­ma­chung einer Rechts­ver­let­zung durch den Erlass des ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akts fehlt 4.

Jedoch ist die Kla­ge inso­weit unbe­grün­det, weil die Ver­lust­fest­stel­lun­gen zum 31.12 2005 aus den genann­ten Grün­den Bin­dungs­wir­kung für die ange­foch­te­nen Fol­ge­be­schei­de haben und daher im Kla­ge­ver­fah­ren gegen die Fol­ge­be­schei­de nicht mehr auf ihre mate­ri­el­le Rich­tig­keit hin geprüft wer­den kön­nen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Juni 2018 – I R 13/​16

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 12.07.2012 – I R 23/​11, BFHE 238, 344; vom 11.09.2013 – I R 26/​12, BFH/​NV 2014, 728; vom 26.04.2017 – I R 76/​15, BFHE 258, 210, BSt­Bl II 2017, 1159 ‑jeweils Kla­gen gegen die Fest­set­zung des Solidaritätszuschlags‑, sowie BFH, Urteil vom 18.12 2013 – I R 25/​12, BFH/​NV 2014, 904 ‑Kla­ge gegen Ver­lust­fest­stel­lungs- und ande­re Fol­ge­be­schei­de-[]
  2. z.B. BFH, Urtei­le vom 02.09.1987 – I R 162/​84, BFHE 151, 104, BSt­Bl II 1988, 142; vom 09.11.2005 – I R 10/​05, BFH/​NV 2006, 750[]
  3. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 05.11.2015 – III R 12/​13, BFHE 252, 304, BSt­Bl II 2016, 420; vom 12.10.2011 – VIII R 2/​10, BFH/​NV 2012, 776; vom 01.07.2010 – IV R 100/​06, BFH/​NV 2010, 2056; vom 15.10.2003 – X R 48/​01, BFHE 204, 1, BSt­Bl II 2004, 169[]
  4. vgl. zur Begrün­dung und zur Aus­ein­an­der­set­zung mit der Gegen­auf­fas­sung ins­be­son­de­re BFH, Urteil in BFHE 151, 104, BSt­Bl II 1988, 142, sowie Gräber/​Levedag, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 42 Rz 38[]