Klagebefugnis einer aufgelösten GbR

Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts bleibt hinsichtlich der von ihr erhobenen Klagen gegen Umsatzsteuerbescheide auch nach ihrer Vollbeendigung noch beteiligtenfähig und prozessfähig.

Klagebefugnis einer aufgelösten GbR

Grundsätzlich für derartige Anfechtungsklagen vor dem Finanzgericht nur die GbR gemäß § 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO zur Klage befugt1. In dem hier vom Bundesfinanz entschiedenen Fall hatte sich jedoch während des Revisionsverfahrens herausgestellt, dass die GbR nicht mehr existiert und bereits seit dem Jahr 2006 aufgelöst ist. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die GbR vollbeendigt ist.

Damit verliert sie sowohl ihre Beteiligtenfähigkeit als auch ihre Prozessfähigkeit2.

Die Klagebefugnis gegenüber Bescheiden über die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen steht damit wieder den im Sinne von § 48 Abs. 2 FGO betroffenen Gesellschaftern zu, d.h. den Revisionsbeklagten als ehemaligen Gesellschaftern der AB GbR3.

Das gilt indes nur für Verfahren betreffend die einheitliche und gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen. Im Übrigen besteht eine Personengesellschaft auch bei deren Auflösung so lange fort, bis alle das Gesellschaftsverhältnis betreffenden Ansprüche und Verpflichtungen, zu denen auch die Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis (§§ 33, 37 AO) zwischen der Gesellschaft und der Finanzbehörde gehören, abgewickelt sind4.

Insoweit gilt die GbR trotz ihrer Auflösung als fortbestehend.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 4. Dezember 2012 – VIII R 42/09

  1. zur Beteiligtenfähigkeit der GbR vgl. BFH, Urteil vom 18.05.2004 – IX R 83/00, BFHE 206, 162, BStBl II 2004, 898[]
  2. vgl. BFH, Beschlüsse vom 29.03.2001 – VIII B 11/01, BFH/NV 2001, 1280; vom 16.01.1996 – VIII B 128/95, BFHE 179, 239, BStBl II 1996, 426[]
  3. BFH, Urteile vom 06.03.1990 – VIII R 28/84, BFHE 160, 140, BStBl II 1990, 558; vom 28.03.2000 – VIII R 6/99, BFH/NV 2000, 1074; vom 23.02.2000 – VIII R 66/98, BFH/NV 2000, 977; vom 25.04.2006 – VIII R 52/04, BFHE 214, 40, BStBl II 2006, 847; Steinhauff in Hübschmann/Hepp/Spitaler –HHSp–, § 48 FGO Rz 101, m.w.N.[]
  4. ständige Rechtsprechung, BFH, Beschluss vom 09.12.1987 – V B 61/85, BFH/NV 1988, 576; BFH, Urteil vom 21.05.1971 – V R 117/67, BFHE 102, 174, BStBl II 1971, 540; FG München, Urteil vom 24.02.2011 – 14 K 1715/08; Steinhauff in HHSp, § 48 FGO Rz 108; Spindler in HHSp, § 57 FGO Rz 37[]

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