Kor­rek­tur von Steu­er­be­schei­den wegen neu­er Tat­sa­chen

Ein Steu­er­be­scheid darf wegen nach­träg­lich bekannt­ge­wor­de­ner Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel zuguns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen nicht auf­ge­ho­ben oder geän­dert wer­den, wenn das Finanz­amt bei ursprüng­li­cher Kennt­nis der Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit nicht anders ent­schie­den hät­te. Maß­ge­bend für die­se Kau­sa­li­täts­prü­fung ist grund­sätz­lich der Zeit­punkt, in dem die Wil­lens­bil­dung des Finanz­am­tes über die Steu­er­fest­set­zung abge­schlos­sen wird.

Kor­rek­tur von Steu­er­be­schei­den wegen neu­er Tat­sa­chen

Wie das Finanz­amt bei Kennt­nis bestimm­ter Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel einen Sach­ver­halt in sei­nem ursprüng­li­chen Bescheid gewür­digt hät­te, ist im Ein­zel­fall auf­grund des Geset­zes, wie es nach der dama­li­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs aus­ge­legt wur­de, und den die Finanz­äm­ter bin­den­den Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen zu beur­tei­len .

Lie­gen unmit­tel­bar zu der umstrit­te­nen Rechts­la­ge weder Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs noch bin­den­de Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen vor, so ist auf­grund ande­rer objek­ti­ver Umstän­de abzu­schät­zen, wie das Finanz­amt in Kennt­nis des voll­stän­di­gen Sach­ver­halts ent­schie­den hät­te. Dabei sind das mut­maß­li­che Ver­hal­ten des ein­zel­nen Sach­be­ar­bei­ters und sei­ne indi­vi­du­el­len Rechts­kennt­nis­se ohne Bedeu­tung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. April 2010 – VI R 40/​08