Kos­ten­an­satz bei Ver­fah­ren­s­tren­nung

Kommt es zu einer Abtren­nung von Ver­fah­rens­tei­len, ist für jeden Ver­fah­rens­teil rück­wir­kend auf den Zeit­punkt der Ver­fah­rens­ein­lei­tung (§ 40 GKG) ein Ein­zel­streit­wert anzu­set­zen 1.

Kos­ten­an­satz bei Ver­fah­ren­s­tren­nung

Die­ser ent­spricht bei der hier zu beur­tei­len­den Kla­ge eines Haf­tungs­schuld­ners gegen das Leis­tungs­ge­bot grund­sätz­lich dem vol­len im Leis­tungs­ge­bot ange­for­der­ten Betrag 2.

Nach 21 Abs. 1 Satz 1 GKG wer­den Kos­ten, die bei rich­ti­ger Behand­lung der Sache nicht ent­stan­den wären, nicht erho­ben. Dies bewirkt nach stän­di­ger Recht­spre­chung jedoch nicht, dass unan­fecht­ba­re (§ 128 Abs. 2 FGO) oder rechts­kräf­ti­ge (§ 116 Abs. 5 Satz 3 FGO) Gerichts­ent­schei­dun­gen, die dem Kos­ten­an­satz vor­aus­ge­gan­gen sind bzw. zugrun­de lie­gen, im Ver­fah­ren der Erin­ne­rung inzi­dent auf ihre Recht­mä­ßig­keit hin über­prüft wer­den könn­ten. Aus­nah­men hier­von kom­men nur bei erkenn­ba­ren Ver­se­hen des Gerichts oder offen­sicht­li­chen Ver­stö­ßen gegen ein­deu­ti­ge gesetz­li­che Vor­schrif­ten in Betracht 3. Dafür ist im Streit­fall jedoch nichts ersicht­lich.

Der Beschluss des Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in EFG 2007, 221 ist vor­lie­gend nicht ein­schlä­gig. Dies ergibt sich dar­aus, dass der Streit­wert­be­mes­sung in jenem Fall kei­ne Abtren­nung des Ver­fah­rens wegen des Leis­tungs­ge­bots vor­aus­ging, son­dern eine ein­heit­li­che Streit­wert­be­mes­sung vor­zu­neh­men war 4. Es kann daher dahin­ste­hen, ob den vom Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen zur Streit­wert­be­mes­sung in der dort behan­del­ten Kon­stel­la­ti­on der Sache nach zuge­stimmt wer­den könn­te.

Die vom Kos­ten­schuld­ner begehr­te Über­tra­gung der in dem genann­ten Finanz­ge­richt, Beschluss auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze kann auch nicht mit­tel­bar über eine ver­meint­lich unrich­ti­ge Sach­be­hand­lung bei der Abtren­nung des Ver­fah­rens wegen der Leis­tungs­ge­bo­te bewirkt wer­den (§ 21 Abs. 1 Satz 1 GKG). Der Abtren­nungs­be­schluss des Bun­des­fi­nanz­hofs beruht weder auf einem erkenn­ba­ren Ver­se­hen noch auf einem offen­sicht­li­chen Ver­stoß gegen ein­deu­ti­ge gesetz­li­che Vor­schrif­ten. Viel­mehr beweg­te er sich inner­halb des von § 73 Abs. 1 Satz 2 FGO eröff­ne­ten rich­ter­li­chen Ermes­sens­spiel­raums, da das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren hin­sicht­lich der Spen­den­haf­tungs­be­schei­de nicht gleich­falls been­det, son­dern ‑mit offe­nem Aus­gang- als Revi­si­ons­ver­fah­ren fort­zu­set­zen war (§ 116 Abs. 7 Satz 1 FGO). Damit war das im Zwei­ten Teil, Abschnitt V., der FGO gere­gel­te Rechts­mit­tel­ver­fah­ren, zu dem im hie­si­gen Kon­text auch das Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren zu zäh­len ist, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Kos­ten­schuld­ners ins­ge­samt noch nicht "ent­schei­dungs­reif" 5. Der von ihm bean­stan­de­te offen­sicht­li­che Rechts­an­wen­dungs- bzw. Ermes­sens­feh­ler bei der Anwen­dung von § 73 Abs. 1 Satz 2 FGO (i.V.m. § 121 FGO ana­log) schei­det schon des­halb aus, weil durch die Ver­fah­ren­s­tren­nung eine über­sicht­li­che­re Ord­nung der ver­schie­de­nen ‑vom Kos­ten­schuld­ner unein­ge­schränkt zum Gegen­stand der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gemach­ten- Streit­ge­gen­stän­de ermög­licht wur­de. Dabei han­delt es sich um einen sach­li­chen Grund zur Vor­nah­me einer Ver­fah­ren­s­tren­nung 6.

Die dage­gen vor­ge­brach­ten kos­ten­recht­li­chen Ein­wän­de kön­nen bereits im Aus­gangs­punkt nicht durch­drin­gen, weil Kos­ten­ge­sichts­punk­te für sich betrach­tet sach­frem­de Erwä­gun­gen bei der Aus­übung des dem Gericht nach § 73 Abs. 1 FGO zuste­hen­den Ermes­sens dar­stel­len 7.

Soweit der Kos­ten­schuld­ner sei­ner Erin­ne­rungs­schrift "vor­sorg­lich für den Fall der Zurück­wei­sung der Erin­ne­rung" einen an die Kos­ten­stel­le des BFH adres­sier­ten Antrag auf Erlass bzw. Stun­dung der Gerichts­kos­ten "bis auf einen zu zah­len­den Betrag von 480, 18 EUR" bei­gefügt und hilfs­wei­se um Wei­ter­lei­tung des­sel­ben gebe­ten hat, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein sol­cher, sich auf das Sta­di­um der Bei­trei­bung der Gerichts­kos­ten bezie­hen­der Bil­lig­keits­an­trag (so ver­steht der Bun­des­fi­nanz­hof das dies­be­züg­li­che Vor­brin­gen) unmit­tel­bar bei dem hier­für gemäß § 2 Abs. 2, § 6 Abs. 2 Satz 1 Jus­tiz­bei­trei­bungs­ord­nung zustän­di­gen Bun­des­amt für Jus­tiz anzu­brin­gen ist 8.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. April 2016 – X E 5/​16

  1. BFH, Beschluss vom 22.09.2008 – II E 14/​07, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 15.06.2015 – VII E 18/​14, BFH/​NV 2015, 1417[]
  3. s. dazu z.B. BFH, Beschluss vom 12.10.2005 – X E 2/​05, BFH/​NV 2006, 326; Gräber/​Ratschow, a.a.O., Vor § 135 Rz 70, 87 ff., jeweils m.w.N[]
  4. vgl. zu einer ähn­li­chen Abgren­zung BFH, Beschluss in BFH/​NV 2015, 1417[]
  5. s. hier­zu auch BFH, Beschluss vom 23.06.2004 – VI B 28/​04, BFH/​NV 2004, 1420, unter 1., und BGH, Beschluss vom 25.11.2015 – II ZR 384/​13, NJW-Recht­spre­chungs­re­port Zivil­recht 2016, 189, unter II.[]
  6. vgl. Schles­wig-Hol­stei­ni­sches FG, Beschluss vom 03.08.2011 – 5 KO 101/​11, EFG 2011, 1924, 1925, m. Anm. Lemai­re, zum Fall der Ver­fah­ren­s­tren­nung nach Teil­rück­nah­me der Kla­ge[]
  7. vgl. BFH, Beschluss vom 24.11.1994 – VII E 7/​94, BFH/​NV 1995, 720, für den umge­kehr­ten Fall der Rüge einer unter­las­se­nen Ver­fah­rens­ver­bin­dung[]
  8. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 17.04.2012 – X E 1/​12, BFH/​NV 2012, 1459, unter II. 3.[]