Kos­te­ner­in­ne­rung per E‑Mail – ohne qua­li­fi­zier­te Signa­tur

Eine Erin­ne­rung gegen den Kos­ten­an­satz per E‑Mail ist form­un­wirk­sam, wenn sie kei­ne qua­li­fi­zier­te Signa­tur ent­hält.

Kos­te­ner­in­ne­rung per E‑Mail – ohne qua­li­fi­zier­te Signa­tur

Anträ­ge und Erklä­run­gen kön­nen im Erin­ne­rungs­ver­fah­ren nach § 66 Abs. 5 Satz 1 GKG ohne Mit­wir­kung eines Bevoll­mäch­tig­ten (schrift­lich) ein­ge­reicht wer­den; dem­ge­mäß besteht auch vor dem BFH kein Ver­tre­tungs­zwang [1].

Die Erin­ne­rung ist jedoch unzu­läs­sig, wenn sie nicht dem Schrift­form­erfor­der­nis genügt.

Grund­sätz­lich ist nach § 66 Abs. 5 Satz 1 GKG eine Erin­ne­rung gegen den Kos­ten­an­satz schrift­lich oder zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le zu stel­len. Dem wird regel­mä­ßig nur ent­spro­chen, wenn der (bestim­men­de) Schrift­satz unter­schrie­ben, d.h. hand­schrift­lich unter­zeich­net ist [2].

§ 52a Abs. 1 FGO lässt aber ‑anstel­le der Schrift­form- die Über­mitt­lung von elek­tro­ni­schen Doku­men­ten nach Maß­ga­be von Rechts­ver­ord­nun­gen des Bun­des oder des jewei­li­gen Lan­des zu. Nach § 52a Abs. 1 Satz 3 FGO ist dabei für Doku­men­te, die einem schrift­lich zu unter­zeich­nen­den Schrift­stück gleich­ste­hen, eine qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur nach § 2 Nr. 3 des Geset­zes über Rah­men­be­din­gun­gen für elek­tro­ni­sche Signa­tu­ren (Signa­tur­ge­setz ‑SigG-) vor­ge­schrie­ben. Für den Bun­des­fi­nanz­hof hat die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und beim Bun­des­fi­nanz­hof vom 26.11.2004 [3] die Über­mitt­lung elek­tro­ni­scher Doku­men­te zuge­las­sen. Seit 1.01.2016 (vgl. Art. 2 VO) bestimmt § 2 Abs. 2a VO aus­drück­lich, dass ein elek­tro­ni­sches Doku­ment einem schrift­lich zu unter­zeich­nen­den Schrift­stück nur dann gleich­steht, wenn es mit einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur nach § 2 Nr. 3 SigG ver­se­hen ist.

Seit­dem kön­nen mit­hin Rechts­mit­tel und bestim­men­de Schrift­sät­ze an den Bun­des­fi­nanz­hof elek­tro­nisch über­mit­telt wer­den, sie müs­sen aber eine elek­tro­ni­sche Signa­tur ent­hal­ten [4].

Da im vor­lie­gen­den Fall das bei der elek­tro­ni­schen Gerichts­post­stel­le des Bun­des­fi­nanz­hofs ein­ge­gan­ge­ne elek­tro­ni­sche Doku­ment der Kos­ten­schuld­ne­rin nicht mit einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur nach § 2 Nr. 3 SigG ver­se­hen ist, war die Erin­ne­rung schon aus die­sem Grund als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Mai 2016 – I E 2/​16

  1. BFH, Beschluss vom 20.08.2012 – I E 2/​12, BFH/​NV 2013, 46[]
  2. GmS-OBG, Beschlüs­se vom 30.04.1979 – GmS-OGB 1/​78, NJW 1980, 172; und vom 05.04.2000 – GmS-OGB 1/​98, NJW 2000, 2340, 2341; sowie BFH, Beschluss vom 05.11.1973 – GrS 2/​72, BFHE 111, 278, 285, BStBl II 1974, 242[]
  3. BGBl I 2004, 3091; geän­dert durch Ver­ord­nung zur Ände­rung der Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und beim Bun­des­fi­nanz­hof vom 10.12 2015, BGBl I 2015, 2207[]
  4. anders noch zur Rechts­la­ge vor dem 1.01.2016: BFH, Beschlüs­se vom 30.03.2009 – II B 168/​08, BFHE 224, 401, BStBl II 2009, 670; a.A., nicht tra­gend; und vom 14.09.2005 – VII B 138/​05, BFH/​NV 2006, 104; aus­drück­lich offen­ge­las­sen: BFH, Beschluss vom 19.02.2016 – X S 38/​15 (PKH) []