Ladung eines Betei­lig­ten über sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten

In der Ladung eines Betei­lig­ten über sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten liegt kei­ne Ver­let­zung sei­nes recht­li­chen Gehörs.

Ladung eines Betei­lig­ten über sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten

Das Finanz­ge­richt ver­letzt den Anspruch des Bei­gela­de­nen auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG, § 96 Abs. 2 FGO) nicht dadurch, dass es auf­grund münd­li­cher Ver­hand­lung ent­schei­det, zu der der Bei­gela­de­ne nicht per­sön­lich gela­den ist.

Recht­li­ches Gehör wird den Betei­lig­ten u.a. dadurch gewährt, dass sie Gele­gen­heit erhal­ten, sich zum Sach­ver­halt zu äußern, der einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zugrun­de gelegt wer­den soll 1. Wer davon kei­nen Gebrauch macht, kann kei­ne Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör gel­tend machen 2.

Die Betei­lig­ten trifft eine pro­zes­sua­le Mit­ver­ant­wor­tung, die ihren Anspruch auf recht­li­ches Gehör begrenzt.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall nutz­te der Bei­gela­de­ne sei­ne aus­rei­chend vor­han­de­nen Gele­gen­hei­ten, sich recht­li­ches Gehör zu ver­schaf­fen, nicht. Er war ins­be­son­de­re nicht gehin­dert, per­sön­lich an der münd­li­chen Ver­hand­lung teil­zu­neh­men. Den Bei­gela­de­nen über die­sen Ter­min zu infor­mie­ren, war allein Auf­ga­be sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, dem die Ladung mit Wir­kung für und gegen den Bei­gela­de­nen nach § 62 Abs. 6 Satz 5 FGO ord­nungs­ge­mäß zuge­stellt wor­den war. Da nach der inso­weit maß­geb­li­chen Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts das per­sön­li­che Erschei­nen des Bei­gela­de­nen zur wei­te­ren Sach­ver­halts­auf­klä­rung nicht erfor­der­lich war und es dem­entspre­chend sein per­sön­li­ches Erschei­nen nicht gemäß § 80 Abs. 1 Satz 1 FGO ange­ord­net hat­te, stand sein Nicht­er­schei­nen einer Ver­hand­lung und Ent­schei­dung nicht ent­ge­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. April 2016 – III B 137/​15

  1. BFH, Beschluss vom 31.05.2007 – III B 50/​07, BFH/​NV 2007, 1907[]
  2. BFH, Beschluss vom 18.12 2009 – III B 118/​08, BFH/​NV 2010, 665[]