Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein mit gekauf­ter "Kunden"-Kartei

Einem Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein, der von einem ande­ren des­sen Mit­glie­der­kar­tei kauft, kann die Aner­ken­nung wie­der ent­zo­gen wer­den, urteil­te das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Finanz­ge­richt.

Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein mit gekauf­ter

Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne sind Selbst­hil­feein­rich­tun­gen von Arbeit­neh­mern zur Hil­fe­leis­tung in Lohn­steu­er­sa­chen (§ 13 Abs. 1 StBerG). Nach § 14 Abs. 1 und § 19 Abs. 1 Nr. 3 StBerG muss es sich um einen rechts­fä­hi­gen Ver­ein han­deln; rechts­fä­hi­ger Ver­ein kann nach § 21 BGB wie­der­um nur ein Ide­al­ver­ein sein, d.h. ein Ver­ein, des­sen Zweck nicht auf einen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb gerich­tet ist. Die auf­sichts­recht­li­che Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs geht inso­weit davon aus, dass ein Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein nach dem Prin­zip der Kos­ten­de­ckung zu arbei­ten hat, d.h., dass er ledig­lich Bei­trä­ge zur Abde­ckung der mit der Tätig­keit des Ver­eins zwangs­läu­fig ver­bun­de­nen Kos­ten erhe­ben darf 1. Ein per­ma­nen­tes Stre­ben nach Gewinn, ins­be­son­de­re für die Orga­ne, ist ihm wesens­fremd 2. Der Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein darf daher nicht ein Instru­ment einer wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung der Orga­ne sein, son­dern hat sich nach § 13 Abs. 1 StBerG an der Ziel­set­zung einer Hil­fe­leis­tung für die Arbeit­neh­mer zu ori­en­tie­ren. Inso­fern bil­det der Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein eine Inter­es­sen­ge­mein­schaft der ihm bei­tre­ten­den Mitglieder.Aufgabe eines Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eins ist nach § 14 Abs. 1 Nr. 1 StBerG aus­schließ­lich die Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen im Rah­men der Befug­nis nach § 4 Nr. 11 StBerG für sei­ne Mit­glie­der.

Der Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein ist nach die­ser ver­bind­li­chen und durch recht­stat­säch­li­che Gege­ben­hei­ten nicht außer Kraft zu set­zen­den Kon­zep­ti­on des Geset­zes folg­lich nicht dazu bestimmt, sei­nen Grün­dern oder den geschäfts­füh­ren­den Per­so­nen eine Grund­la­ge zur Aus­übung der Steu­er­be­ra­tung im Rah­men eines wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs zu ermög­li­chen 3. Einem Miss­brauch der Sat­zungs­frei­heit, durch den der Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein zur Schaf­fung wirt­schaft­li­cher Pfrün­de für Ein­zel­per­so­nen benutzt wird, woll­te der Gesetz­ge­ber ins­be­son­de­re durch Ein­füh­rung einer Grün­dungs­kon­trol­le und einer Auf­sicht der Finanz­ver­wal­tung über die Vor­stän­de und die die Lohn­steu­er­be­ra­tung aus­üben­den Per­so­nen sowie durch die ins­be­son­de­re in den §§ 14, 22 und 26 StBerG ent­hal­te­nen Bestim­mun­gen begeg­nen 4. Es soll­te der Gefahr vor­ge­beugt wer­den, dass die Selbst­hil­feein­rich­tung sich prak­tisch in ein gewerb­li­ches Unter­neh­men ver­wan­delt 5. Es soll­te ver­hin­dert wer­den, dass der Vor­stand, um sich dadurch eine wirt­schaft­li­che Exis­tenz­grund­la­ge zu schaf­fen, im Gewan­de des Ver­eins einer Tätig­keit nach­ge­hen kann, die sonst aus gewich­ti­gen Grün­den des gemei­nen Wohls grund­sätz­lich nur den in § 3 StBerG bezeich­ne­ten beson­ders qua­li­fi­zier­ten Berufs­an­ge­hö­ri­gen bzw. Gesell­schaf­ten, die von sol­chen Berufs­an­ge­hö­ri­gen gelei­tet wer­den (§ 32 Abs. 3 Satz 2 StBerG), gestat­tet ist. Die all­ge­mei­ne Wesens­be­stim­mung des Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eins in § 13 Abs. 1 StBerG kann recht­li­che Kon­se­quen­zen für die Tätig­keit und die in der Sat­zung aus­zu­ge­stal­ten­de inne­re Struk­tur des Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eins aus­lö­sen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in der vom Gesetz­ge­ber gege­be­nen Begrün­dung bei­spiels­wei­se den Sinn und Zweck des § 26 Abs. 2 StBerG dar­in gese­hen, schon im Ansatz der Gefahr vor­zu­beu­gen, dass die Uner­fah­ren­heit der recht­su­chen­den Mit­glie­der des Ver­eins aus­ge­nutzt wird und die Selbst­hil­feein­rich­tung sich prak­tisch in ein gewerb­li­ches Unter­neh­men ver­wan­delt, das nicht mehr auf die Inter­es­sen sei­ner Mit­glie­der abstellt; zudem sol­len Inter­es­sen­kol­li­sio­nen ver­mie­den wer­den 6.

Unter Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ist bezüg­lich des Erwer­bes der Mit­glie­der­kar­tei der Zweck des Klä­gers auf einen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb gerich­tet, da es sich inso­weit nicht um Hil­fe­leis­tung für sei­ne Mit­glie­der han­delt.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2009 – 2 K 1/​09
[Update: Das Urteil des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Finanz­ge­richts wur­de durch Gerichts­be­scheid des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 24. August 2010 7 auf­ge­ho­ben.]

  1. BGH, Urteil vom 15.06.1989 – I ZR 158/​87, BB 1989, 2067; BFH, Urteil vom 09.09.1997 – VII R 108/​96, BSt­Bl II 1997, 778[]
  2. BFH, Urteil vom 16.12.1998 – I R 36/​98, BSt­Bl II 1999, 366[]
  3. BFH, Urtei­le vom 23.03.1999 – VII R 19/​98, BSt­Bl II 1999, 370; und vom 09.09.1997, a.a.O.; Gehre/​Koslowski, a.a.O., § 14 Rn. 10[]
  4. vgl. BT-Drs. 7/​2852 S. 30; BFH, Ent­schei­dun­gen vom 02.02.1982 – VII R 62/​81, BSt­Bl II 1982, 360; und vom 30.10.1984 – VII S 10/​84, BFH/​NV 1986, 701[]
  5. vgl. BT-Drs. 7/​2852 S. 29 und 44[]
  6. BFH, Urtei­le vom 20.01.1987 – VII R 118/​84, BSt­Bl. II 1987, 395; und vom 02.02.1982 – VII R 62/​81, BFHE 135, 136, BSt­Bl II 1982, 360[]
  7. BFH, Gerichts­be­scheid vom 24.08.2010 – VII R 49/​09[]