Nicht gezahl­ter Gerichts­kos­ten­vor­schuss und Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Gemäß § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 122 Abs. 1 Nr. 1 a ZPO bewirkt die Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe, dass die Lan­des­kas­se die rück­stän­di­gen und die ent­ste­hen­den Gerichts­kos­ten und Gerichts­voll­zie­her­kos­ten nur noch nach den Bestim­mun­gen, die das Gericht trifft, gegen die Par­tei gel­tend machen kann.

Nicht gezahl­ter Gerichts­kos­ten­vor­schuss und Pro­zess­kos­ten­hil­fe

"Rück­stän­dig" sind Gebüh­ren und Aus­la­gen, die im Zeit­punkt des Wirk­sam­wer­dens der Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe fäl­lig, aber noch nicht bezahlt waren. Da die Gebüh­ren bereits bei Kla­ge­er­he­bung ent­stan­den und fäl­lig wur­den (vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 4 GKG a.F./§ 6 Abs. 1 Nr. 5 GKG n.F.) steht die Rück­stän­dig­keit außer Zwei­fel.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf kann sich im vor­lie­gen­den Fall nicht der vom Finanz­ge­richt Köln 1 und der unter Bezug­nah­me auf den Beschluss des Finanz­ge­richts Köln vom Hes­si­schen Finanz­ge­richt 2 ver­folg­ten und die­sen Anspruch ein­schrän­ken­den Argu­men­ta­ti­on anschlie­ßen. Zwar ist eine rück­wir­ken­de Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht zuläs­sig 3; Die Pro­zess­kos­ten­hil­fe ist viel­mehr zukunfts­ge­rich­tet. Eine nicht zuläs­si­ge Rück­wir­kung wäre aber erst dann gege­ben, wenn vor form­ge­rech­ter Antrag­stel­lung ent­stan­de­ne, fäl­li­ge und begli­che­ne Gebüh­ren rück­erstat­tet wer­den soll­ten. Dem­ge­gen­über ver­leiht die Vor­schrift des § 122 Abs. 1 Nr. 1 a ZPO der Zukunfts­ge­richt­etheit gera­de dadurch Aus­druck, dass auch rück­stän­di­ge, wann auch immer ent­stan­de­ne Gebüh­ren den Rechts­schutz­su­chen­den ab dem Zeit­punkt der Hil­fe­zu­sa­ge nicht mehr belas­ten sol­len. Ein Abstel­len auf den Ent­ste­hungs­zeit­punkt der jewei­li­gen Gebühr käme einer wei­ter­ge­hen­den Sank­ti­on unvoll­stän­di­ger oder ver­spä­te­ter Anträ­ge gleich. Der Sank­ti­ons­ge­dan­ke wohnt dem Pro­zess­kos­ten­hil­fe­recht (anders z.B. § 137 FGO) jedoch nicht inne, statt­des­sen steht das Ziel einer effek­ti­ven Rechts­schutz­ge­wäh­rung im Vor­der­grund.

Die Bestim­mung des Zeit­punkts der Wirk­sam­keit der Pro­zess­kos­ten­hil­fe ab dem Zeit­punkt der wirk­sa­men Antrag­stel­lung ist kei­ne ander­wei­ti­ge Bestim­mung des Gerichts i.S.v. § 122 Abs. 1 Nr. 1 a ZPO und war auch nicht als sol­che gemeint.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 4. Okto­ber 2012 – 16 Ko 3213/​12 GK

  1. FG Köln, EFG 2010, 1642[]
  2. Hess. FG, Beschluss vom 14.06.2012 – 3 Ko 174 – 175/​10 u.a.; vgl. auch Anmer­kung von Mül­ler, EFG 2006, 1271[]
  3. vgl. nur BFH, Beschluss vom 26.11.2008 – II E 5/​08, BFH-NV 2009, 600; FG Düs­sel­dorf, EFG 2008, 640; FG Ham­burg, Beschluss vom 11.04.2006 – VI 213/​05, EFG 2006, 1271[]