Nich­tig­keit eines über­zo­ge­nen Schät­zungs­be­scheids

Wird eine Schät­zung erfor­der­lich, weil der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ner Erklä­rungs­pflicht nicht genügt, kann sich das Finanz­amt an der obe­ren Gren­ze des Schät­zungs­rah­mens ori­en­tie­ren, weil der Steu­er­pflich­ti­ge mög­li­cher­wei­se Ein­künf­te ver­heim­li­chen will 1.

Nich­tig­keit eines über­zo­ge­nen Schät­zungs­be­scheids

Ver­lässt eine über­zo­ge­ne Schät­zung die­sen Rah­men, hat dies im All­ge­mei­nen nur die Rechts­wid­rig­keit der Schät­zung, nicht aber bereits deren Nich­tig­keit zur Fol­ge. Nich­tig­keit ist selbst bei gro­ben Schät­zungs­feh­lern, die auf einer Ver­ken­nung der tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten oder der wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hän­ge beru­hen, regel­mä­ßig nicht anzu­neh­men 2.

Etwas ande­res ist nach der Recht­spre­chung allen­falls dann zu erwä­gen, wenn sich das Finanz­amt nicht nach dem Auf­trag des § 162 Abs. 1 AO an den wahr­schein­li­chen Besteue­rungs­grund­la­gen ori­en­tiert, son­dern bewusst zum Nach­teil des Steu­er­pflich­ti­gen geschätzt hat.

Will­kür­maß­nah­men, die mit den Anfor­de­run­gen an eine ord­nungs­mä­ßi­ge Ver­wal­tung schlech­ter­dings nicht zu ver­ein­ba­ren sind, kön­nen einen beson­ders schwe­ren Feh­ler i.S. von § 125 Abs. 1 AO abge­ben 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Dezem­ber 2013 – X B 205/​12

  1. BFH, Urteil vom 20.12 2000 – I R 50/​00, BFHE 194, 1, BSt­Bl II 2001, 381[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 194, 1, BSt­Bl II 2001, 381, m.w.N.[]
  3. all­ge­mei­ne Mei­nung, vgl. BFH, Urteil in BFHE 194, 1, BSt­Bl II 2001, 381, m.w.N.[]