Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die behaup­te­te Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht

Ein Beschwer­de­füh­rer, der sich auf eine Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht durch das Finanz­ge­richt beruft, hat dar­zu­tun, wel­che Tat­sa­chen noch hät­ten auf­ge­klärt oder wel­che Bewei­se noch hät­ten erho­ben wer­den müs­sen, aus wel­chen Grün­den sich die Beweis­erhe­bung auch ohne Antrag hät­te auf­drän­gen müs­sen, wel­che ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen sich bei wei­te­rer Auf­klä­rung oder Beweis­auf­nah­me vor­aus­sicht­lich erge­ben hät­ten und inwie­fern sich dar­aus auf der Grund­la­ge des mate­ri­ell-recht­li­chen Stand­punkts des Gerichts eine ande­re Ent­schei­dung hät­te erge­ben kön­nen 1.

Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – und die behaup­te­te Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht

Da es sich bei der Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht zudem um einen ver­zicht­ba­ren Ver­fah­rens­man­gel han­delt (§ 155 FGO i.V.m. § 295 der Zivil­pro­zess­ord­nung), bei dem das Rüge­recht nicht nur durch eine aus­drück­li­che oder kon­klu­den­te Ver­zichts­er­klä­rung gegen­über dem Finanz­ge­richt ver­lo­ren geht, son­dern auch durch das blo­ße Unter­las­sen einer recht­zei­ti­gen Rüge, muss der Beschwer­de­füh­rer wei­ter vor­tra­gen, dass er den Ver­stoß in der Vor­in­stanz gerügt habe oder aus wel­chen ent­schuld­ba­ren Grün­den er an einer sol­chen Rüge vor dem Finanz­ge­richt gehin­dert gewe­sen sei 2.

Hier­an fehl­te es in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall: Der Klä­ger legt weder sub­stan­ti­iert dar, wel­che Tat­sa­chen das Finanz­ge­richt über die in Bezug genom­me­ne Stel­lung­nah­me sei­ner Eltern hin­aus noch hät­te auf­klä­ren müs­sen, noch führt er dezi­diert aus, wel­che Tat­sa­chen sich inso­weit erge­ben hät­ten und inwie­weit die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt des­halb auf des­sen mate­ri­ell-recht­li­cher Grund­la­ge anders aus­ge­fal­len wäre. Auch lässt sich der Beschwer­de­be­grün­dung nicht ent­neh­men, aus wel­chen Grün­den sich dem Finanz­ge­richt die Beweis­erhe­bung trotz der in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­ge­be­nen Stel­lung­nah­me der Eltern auch ohne Antrag hät­te auf­drän­gen müs­sen und war­um der dort durch sei­ne Steu­er­be­ra­te­rin ver­tre­te­ne Klä­ger weder eige­ne Beweis­an­trä­ge gestellt noch eine (aus sei­ner Sicht zu Unrecht) unter­blie­be­ne wei­te­re Sach­auf­klä­rung durch das Finanz­ge­richt gerügt hat. Zwar besagt der Grund­satz der Unmit­tel­bar­keit der Beweis­auf­nah­me (§ 81 FGO), dass das Gericht den Beweis in der münd­li­chen Ver­hand­lung erhe­ben muss und anstel­le des erreich­ba­ren unmit­tel­ba­ren Beweis­mit­tels kein bloß mit­tel­ba­res her­an­zie­hen darf 3. Die Betei­lig­ten kön­nen indes auch auf die Unmit­tel­bar­keit der Beweis­auf­nah­me ver­zich­ten 4. Auch inso­weit hät­te es mit­hin der Dar­le­gung bedurft, dass ein ent­spre­chen­der Zeu­gen­be­weis der Eltern ange­bo­ten und die Nicht­er­he­bung der ange­bo­te­nen Bewei­se in der münd­li­chen Ver­hand­lung gerügt wur­de oder wes­halb die­se Rüge nicht mög­lich war 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 1. März 2017 – VI B 74/​16

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 26.06.2003 – IV B 195/​01, BFH/​NV 2003, 1437; vom 16.06.2008 – V B 75/​07, jeweils m.w.N.[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 24.08.2006 – V B 36/​05, BFH/​NV 2007, 69; vom 02.10.2007 – IX B 24/​07, BFH/​NV 2008, 92; vom 29.04.2009 – VI B 126/​08, BFH/​NV 2009, 1267; jeweils m.w.N.[]
  3. z.B. BFH, Beschluss vom 28.07.2008 – IX B 13/​08, BFH/​NV 2008, 2029[]
  4. BFH, Beschluss vom 20.08.2010 – IX B 41/​10, BFH/​NV 2010, 2239[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 07.09.2007 – VI B 17/​07, BFH/​NV 2007, 2327[]