Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung – und die Darlegungsanforderungen

Eine Rechts­sa­che hat grund­sätz­li­che Bedeu­tung i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO, wenn die für die Beur­tei­lung des Streit­falls maß­geb­li­che Rechts­fra­ge das abs­trak­te Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der ein­heit­li­chen Ent­wick­lung und Hand­ha­bung des Rechts berührt. 

Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung – und die Darlegungsanforderungen

Die Rechts­fra­ge muss im kon­kre­ten Fall klä­rungs­be­dürf­tig und in einem künf­ti­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren klä­rungs­fä­hig sein:

Klä­rungs­be­dürf­tig ist eine Rechts­fra­ge, wenn hin­sicht­lich ihrer Beant­wor­tung Unsi­cher­heit besteht. Eine klä­rungs­be­dürf­ti­ge Rechts­fra­ge wird dage­gen nicht auf­ge­wor­fen, wenn die strei­ti­ge Rechts­fra­ge offen­sicht­lich so zu beant­wor­ten ist, die Rechts­la­ge also ein­deu­tig ist1.

Zur Erfül­lung der Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen ist eine hin­rei­chend bestimm­te, für die Ent­schei­dung des Streit­falls erheb­li­che abs­trak­te Rechts­fra­ge her­aus­zu­stel­len, der grund­sätz­li­che Bedeu­tung zukom­men soll. Hier­zu ist schlüs­sig und sub­stan­ti­iert unter Aus­ein­an­der­set­zung mit den zur auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­ge in Recht­spre­chung und Schrift­tum ver­tre­te­nen Auf­fas­sun­gen dar­zu­le­gen, wes­halb die für bedeut­sam gehal­te­ne Rechts­fra­ge im all­ge­mei­nen Inter­es­se klä­rungs­be­dürf­tig und im Streit­fall klär­bar ist. Ins­be­son­de­re sind Aus­füh­run­gen dazu erfor­der­lich, in wel­chem Umfang, von wel­cher Sei­te und aus wel­chen Grün­den die Beant­wor­tung der Rechts­fra­ge zwei­fel­haft und umstrit­ten ist2.

Die­sel­ben Grund­sät­ze gel­ten für die Erfor­der­lich­keit einer Ent­schei­dung des BFH zur Fort­bil­dung des Rechts nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 1 FGO als Unter­fall der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. Mai 2021 – II B 87/​20

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschlüs­se vom 05.06.2019 – II B 21/​18, BFH/​NV 2019, 1253, Rz 3; und vom 30.06.2020 – II B 90/​19, BFH/​NV 2020, 1279, Rz 3, jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 14.09.2020 – VI B 64/​19, BFH/​NV 2021, 306, Rz 2; und vom 08.09.2020 – XI B 17/​20, BFH/​NV 2021, 185, Rz 9, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2020, 1279, Rz 4[]