Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren vor dem BFH – und ihre ange­mes­se­ne Dau­er

Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist grund­sätz­lich kei­ne unan­ge­mes­se­ne Ver­fah­rens­dau­er i.S. des § 198 Abs. 1 GVG anzu­neh­men, wenn ein Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de inner­halb von zwölf Mona­ten nach sei­nem Ein­gang abge­schlos­sen wird [1].

Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren vor dem BFH – und ihre ange­mes­se­ne Dau­er

Der Bun­des­fi­nanz­hof schließt sich die­ser Recht­spre­chung auch für Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de an, die vor dem BFH geführt wer­den. Ent­schei­dungs­er­heb­li­che Unter­schie­de zu der­ar­ti­gen Ver­fah­ren, die vor dem BSG geführt wer­den, oder zu Ver­fah­ren über die Zulas­sung der Beru­fung vor einem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestehen inso­weit nicht.

Vor­lie­gend war das Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren VII B 37/​16 vom Zeit­punkt sei­nes Ein­gangs bis zur Absen­dung des ver­fah­rens­ab­schlie­ßen­den Beschlus­ses ca. 8 1/​2 Mona­te beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gig. Damit ist die Zwölf-Monats-Frist bei Wei­tem nicht erreicht.

Im Inter­es­se der erfor­der­li­chen Typi­sie­rung und Ver­ein­fa­chung gilt die Regel­ver­mu­tung einer ange­mes­se­nen Ver­fah­rens­dau­er bei Ein­hal­tung einer Gesamt­be­ar­bei­tungs­zeit von zwölf Mona­ten auch dann, wenn die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ‑wie hier- ein­deu­tig unzu­läs­sig ist und ihre Bear­bei­tung daher kei­ne beson­de­ren Schwie­rig­kei­ten auf­wirft. Denn dem gerin­gen Schwie­rig­keits­grad des Ver­fah­rens steht gegen­läu­fig eine ent­spre­chend gerin­ge Bedeu­tung eines sol­chen Rechts­mit­tel­ver­fah­rens für den Betei­lig­ten gegen­über, der hier von Anfang an unschwer erken­nen konn­te, dass die von ihm erho­be­ne Beschwer­de unzu­läs­sig ist (vgl. zu bei­den Aspek­ten § 198 Abs. 1 Satz 2 GVG).

Ein Grund für eine beson­de­re Beschleu­ni­gung des Ver­fah­rens und die Nicht­an­wen­dung der Regel­ver­mu­tung besteht aller­dings ins­be­son­de­re dann, wenn der Betei­lig­te hier­für bereits im Aus­gangs­ver­fah­ren beson­de­re Umstän­de gel­tend macht (vgl. § 198 Abs. 3 Satz 3 GVG). Dies ist in den von der Antrag­stel­le­rin geführ­ten Beschwer­de­ver­fah­ren aber nicht gesche­hen. Sie hat ins­be­son­de­re in den Ver­zö­ge­rungs­rü­gen nicht auf ein beson­de­res Eil­be­dürf­nis hin­ge­wie­sen. Ein sol­ches ist viel­mehr bis heu­te nicht erkenn­bar.

Der Bun­des­fi­nanz­hof kann im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren offen las­sen, ob für sons­ti­ge Beschwer­den i.S. des § 128 FGO eben­falls eine typi­sie­ren­de Regel­be­ar­bei­tungs­frist ent­wi­ckelt wer­den kann. Die Ange­mes­sen­heit der Dau­er des Ver­fah­rens über der­ar­ti­ge Beschwer­den rich­tet sich jeden­falls dann nach den Grund­sät­zen, die für Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ent­wi­ckelt wor­den sind, wenn die sons­ti­gen Beschwer­den mit einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de in Sach­zu­sam­men­hang ste­hen und eine ein­heit­li­che Ent­schei­dung daher im Sin­ne der Ver­fah­rens­öko­no­mie zweck­mä­ßig ist. Dies war hier der Fall, da sowohl die Beschwer­den als auch die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de sich auf das­sel­be finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren bezo­gen und die­ses bereits abge­schlos­sen war, es also nicht um ‑ggf. eil­be­dürf­ti­ge- Beschwer­den gegen Zwi­schen­ent­schei­dun­gen wäh­rend eines noch lau­fen­den Kla­ge­ver­fah­rens ging.

Die Bear­bei­tungs­dau­er im Beschwer­de­ver­fah­ren VII B 38/​16 betrug knapp neun Mona­te, im Ver­fah­ren VII B 39/​16 ca. 8 1/​2 Mona­te und in den Ver­fah­ren VII B 63–65/16 gut sie­ben Mona­te. Dies lässt unter den Umstän­den des Streit­falls kei­ne unan­ge­mes­se­ne Ver­fah­rens­dau­er erken­nen.

Zusätz­lich steht den Erfolgs­aus­sich­ten der Ent­schä­di­gungs­kla­gen ent­ge­gen, dass die Antrag­stel­le­rin die in § 198 Abs. 5 Satz 1 GVG gefor­der­te sechs­mo­na­ti­ge War­te­frist zwi­schen der Erhe­bung der Ver­zö­ge­rungs­rü­gen (hier 23.08.2016) und der Erhe­bung der Ent­schä­di­gungs­kla­gen nicht ein­ge­hal­ten hat.

Zwar ist die­se Sechs-Monats-Frist nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung in Fäl­len, in denen das Aus­gangs­ver­fah­ren bereits in sämt­li­chen Instan­zen rechts­kräf­tig been­det ist, nicht anzu­wen­den [2]. Vor­lie­gend sind aber gegen sämt­li­che Beschlüs­se des Bun­des­fi­nanz­hofs in den Aus­gangs­ver­fah­ren Anhö­rungs­rü­gen erho­ben wor­den. Das Ver­fah­ren der Anhö­rungs­rü­ge und das vor­an­ge­gan­ge­ne Haupt­sa­che­ver­fah­ren bil­den für Zwe­cke der Ent­schä­di­gungs­kla­ge ein ein­heit­li­ches Ver­fah­ren [3]. Daher ist in den vor­lie­gen­den Fäl­len die Ein­hal­tung der sechs­mo­na­ti­gen War­te­frist zu for­dern.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 7. Febru­ar 2017 – X S 31 ‑36/​16 (PKH); X S 31/​16 (PKH); X S 32/​16 (PKH); X S 33/​16 (PKH); X S 34/​16 (PKH); X S 35/​16 (PKH); X S 36/​16 (PKH)

  1. BSG, Urteil vom 21.02.2013 – B 10 ÜG 1/​12 KL, BSGE 113, 75, Rz 32; im Ergeb­nis eben­so für ein Ver­fah­ren auf Zulas­sung der Beru­fung: BVerwG, Urteil vom 29.02.2016 – 5 C 31/​15 D, NJW 2016, 3464[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 21.05.2014 – III ZR 355/​13, NJW 2014, 2443, Rz 17; und vom 17.07.2014 – III ZR 228/​13, NJW 2014, 2588, Rz 18[]
  3. BGH, Urteil in NJW 2014, 2443, Rz 10[]