Notwendige Beiladung – und die fehlende Klagebefugnis

Nach § 60 Abs. 3 Satz 1 FGO sind Dritte zum Verfahren beizuladen, wenn sie an dem streitigen Rechtsverhältnis derart beteiligt sind, dass die Entscheidung auch ihnen gegenüber nur einheitlich ergehen kann (notwendige Beiladung). Dies gilt nicht für Mitberechtigte, die nach § 48 FGO nicht klagebefugt sind (§ 60 Abs. 3 Satz 2 FGO).

Notwendige Beiladung – und die fehlende Klagebefugnis

Die Beigeladene ist mangels Klagebefugnis nach § 60 Abs. 3 Satz 2 i.V.m. § 48 FGO nicht notwendig beizuladen. Für diesen Fall scheidet auch eine einfache Beiladung nach § 60 Abs. 1 FGO aus1.

Erlischt eine Personengesellschaft durch Vollbeendigung ohne Abwicklung, kann nach ständiger Rechtsprechung des BFH ein Gewinnfeststellungsbescheid nur noch von den früheren Gesellschaftern angefochten werden, deren Mitgliedschaft die Zeit berührt, die der anzufechtende Gewinnfeststellungsbescheid betrifft. Die Befugnis der Personengesellschaft, nach § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alternative 1 FGO als Prozessstandschafterin für ihre Gesellschafter Rechtsbehelfe einzulegen, erlischt mit deren Vollbeendigung2. Insoweit lebt die bis zum Zeitpunkt der Vollbeendigung überlagerte Klagebefugnis der einzelnen Gesellschafter wieder auf. Die Klagebefugnis nach § 48 Abs. 1 Nr. 1 Alternative 1 FGO geht deshalb auch nicht auf den Gesamtrechtsnachfolger der Personengesellschaft über3.

Ist die Personengesellschaft bereits vor der Klageerhebung liquidationslos vollbeendet, sind im Grundsatz alle früheren Gesellschafter -unabhängig davon, ob man dies aus § 48 Abs. 1 Nr. 24 oder Nr. 3 FGO ableitet5- klagebefugt6. Klagt demnach nur ein Gesellschafter, müssen alle früheren Gesellschafter nach § 60 Abs. 3 FGO notwendig beigeladen werden. Kommt es in der Person eines dieser früheren Gesellschafter zu einer Rechtsnachfolge, ist dessen Gesamtrechtsnachfolger beizuladen7. Eine Ausnahme gilt nur für solche früheren Gesellschafter, die unter keinem denkbaren Gesichtspunkt von dem Ausgang des Rechtsstreits betroffen sein können8.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 26. April 2017 – IV B 75/16

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 21.08.2002 – VIII B 116/01, BFH/NV 2002, 1609, unter II., m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 11.04.2013 – IV R 20/10, BFHE 241, 132, BStBl II 2013, 705, Rz 19, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 16.01.1996 – VIII B 128/95, BFHE 179, 239, BStBl II 1996, 426, zu § 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO a.F.; BFH, Urteil vom 13.10.2016 – IV R 33/13, BFHE 255, 386, Rz 16, m.w.N.[]
  4. so Gräber/Levedag, Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., § 48 Rz 68[]
  5. vgl. dazu Steinhauff in Hübschmann/Hepp/Spitaler -HHSp-, § 48 FGO Rz 204[]
  6. z.B. BFH, Urteile in BFHE 241, 132, BStBl II 2013, 705, Rz 19, m.w.N.; vom 16.05.2013 – IV R 21/10, Rz 17[]
  7. Leipold in HHSp, § 60 FGO Rz 75[]
  8. z.B. BFH, Urteil vom 04.11.2003 – VIII R 38/01, BFH/NV 2004, 1372, unter II.A.[]