Pau­scha­ler Streit­wert in Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Die Höhe des Streit­werts ist gemäß § 52 Abs. 1 GKG nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men. Im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren rich­tet sich der Streit­wert nach der typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Bedeu­tung für die Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die­se grund­sätz­lich auf 25 % des strei­ti­gen Gewinns oder Ver­lus­tes zu bemes­sen [1]. Die tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Ein­kom­men­steu­er wer­den nicht ermit­telt.

Pau­scha­ler Streit­wert in Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

An der pau­scha­len Ermitt­lung des Streit­werts ist selbst dann fest­zu­hal­ten, wenn im Ver­fah­ren über die geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinn­fest­stel­lung die tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten bekannt gewor­den sind [2].

Selbst wenn fest­steht, dass bei einem Betei­lig­ten der strei­ti­ge Gewinn infol­ge aus­gleichs­fä­hi­ger Ver­lus­te kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Höhe der Ein­kom­men­steu­er hat, ist der Streit­wert nach dem Pau­schal­satz von 25 % zu ermit­teln [3].

Der Ansatz eines höhe­ren Pro­zent­sat­zes kommt in Betracht, wenn ohne beson­de­re Ermitt­lun­gen im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren erkenn­bar ist, dass der Pau­schal­satz von 25 % den tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen nicht gerecht wird. Daher ist der Satz von 25 % bei höhe­ren Gewinn- bzw. Ver­lust­an­tei­len wegen der infol­ge des pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs zu erwar­ten­den höhe­ren ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung ange­mes­sen zu erhö­hen [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 29. Novem­ber 2012 – IV E 7/​12

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 29.02.2012 – IV E 1/​12, BFH/​NV 2012, 1153; und vom 10.10.2006 – VIII B 177/​05, BFHE 214, 208, BStBl II 2007, 54, jeweils m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 29.09.2005 – IV E 5/​05, BFH/​NV 2006, 315[]
  3. BFH, Beschluss vom 18.12.2000 – IV E 3/​00[]
  4. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2012, 1153; und vom 23.02.1978 – IV E 1/​78, BFHE 125, 7, BStBl II 1978, 409[]