Pfän­dungs­schutz auch bei Weg­zug ins Aus­land

Auch bei der Voll­stre­ckung inlän­di­scher Steu­er­for­de­run­gen gegen einen ins Aus­land ver­zo­ge­nen Schuld­ner sind die in der ZPO gesetz­lich fest­ge­leg­ten Pfän­dungs­gren­zen zu beach­ten.

Pfän­dungs­schutz auch bei Weg­zug ins Aus­land

In einem jetzt vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Rechts­streit ersuch­te das Finanz­amt die bul­ga­ri­schen Finanz­be­hör­den um Amts­hil­fe bei der Voll­stre­ckung von Ein­kom­men­steu­er­for­de­run­gen gegen die inzwi­schen in Bul­ga­ri­en leben­de Antrag­stel­le­rin. Die­se ver­füg­te über ein monat­li­ches Net­to­ein­kom­men von ca. 1.100 €. Auf die bei Voll­stre­ckun­gen zu beach­ten­de Pfän­dungs­gren­ze gemäß § 850c ZPO – der­zeit bei knapp 1.000 € lie­gend – wies das Finanz­amt nicht hin. Ein Bank­gut­ha­ben der Antrag­stel­le­rin wur­de dar­auf­hin voll­stän­dig gepfän­det.

Das Finanz­ge­richt ließ dies auf Antrag der Steu­er­schuld­ne­rin jetzt jedoch nicht durch­ge­hen und ver­pflich­te­te das Finanz­amt – zunächst per einst­wei­li­ger Ver­fü­gung – zur Berück­sich­ti­gung der gesetz­li­chen Pfän­dungs­gren­ze. Der Gesetz­ge­ber habe sich zum Zweck der Prak­ti­ka­bi­li­tät der Zwangs­voll­stre­ckung für pau­scha­le Pfän­dungs­schutz­be­trä­ge ent­schie­den. Die­se fän­den auch bei Voll­stre­ckun­gen im Aus­land unein­ge­schränkt Anwen­dung – selbst wenn dort die Lebens­hal­tungs­kos­ten nied­ri­ger sei­en. Es ste­he der Finanz­be­hör­de als Voll­stre­ckungs­or­gan nicht zu, nach eige­nem Ermes­sen die gesetz­li­chen Gren­zen her­ab­zu­set­zen.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 13. August 2009 – 7 V 2557/​09 AO