Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die nicht beant­wor­te­ten Fra­gen zum Ver­mö­gen

Nach § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 114 ZPO erhält eine Par­tei, die nach ihren per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen die Kos­ten der Pro­zess­füh­rung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten auf­brin­gen kann, auf Antrag PKH, wenn die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­tet und nicht mut­wil­lig erscheint.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die nicht beant­wor­te­ten Fra­gen zum Ver­mö­gen

Nach § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 115 Abs. 3 Satz 1 ZPO hat ein Betei­lig­ter sein Ver­mö­gen für die Pro­zess­füh­rung ein­zu­set­zen, soweit es zumut­bar ist.

Nach § 142 FGO i.V.m. § 118 Abs. 2 Satz 4 ZPO ist die Bewil­li­gung von PKH inso­weit abzu­leh­nen, als der Antrag­stel­ler inner­halb einer vom Gericht gesetz­ten Frist Anga­ben über sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nicht glaub­haft gemacht oder bestimm­te Fra­gen nicht oder unge­nü­gend beant­wor­tet hat.

Aus­ge­hend davon kann kei­ne PKH bewil­ligt wer­den, wenn der Antrag­stel­ler die Anfra­ge des Gerichts zu sei­nem (hier: land­wirt­schaft­li­chen) Grund­ver­mö­gen unge­nü­gend beant­wor­tet hat. Der Bun­des­fi­nanz­hof ist auf der Grund­la­ge sei­nes Ant­wort­schrei­bens nicht in der Lage zu prü­fen, ob er über ein­zu­set­zen­des Ver­mö­gen ver­fügt. Weder kann beur­teilt wer­den, ob es sich ange­sichts vor­aus­sicht­li­cher Kos­ten der Pro­zess­füh­rung von ledig­lich 385 € bei dem Grund­ver­mö­gen in vol­lem Umfang um einen zur Fort­set­zung der land­wirt­schaft­li­chen Erwerbs­tä­tig­keit unent­behr­li­chen Gegen­stand han­delt1 noch kann beur­teilt wer­den, ob dann nicht zumin­dest eine Belei­hung (hier­zu BFH, Beschluss vom 20.01.2000 – III B 68/​99, BFH/​NV 2000, 862) in Betracht kommt.

Im vor­lie­gen­den Fall hat der Antrag­stel­ler ledig­lich ange­ge­ben, über Grund­ver­mö­gen (Grund­stück nebst Gebäu­de) zu ver­fü­gen, das einen Wert von 220.000 € hat, sowie über 11,3 ha Acker- und Grün­land mit einem Wert von 135.000 €. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat dar­auf­hin den Antrag­stel­ler u.a. um Erläu­te­rung der Wert­an­sät­ze sowie Mit­tei­lung der auf dem Grund­be­sitz ruhen­den Grund­schul­den gebe­ten. Außer­dem wur­de der Antrag­stel­ler unter Hin­weis auf eine Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 08.02.20102 gebe­ten, dem Bun­des­fi­nanz­hof zu erläu­tern, war­um die Pro­zess­kos­ten nicht durch Auf­nah­me eines Dar­le­hens finan­ziert wer­den kön­nen.

Die­se Fra­gen hat der Antrag­stel­ler unge­nü­gend beant­wor­tet. Er macht gel­tend, dass das Finanz­amt wegen einer For­de­rung von weni­ger als 1.400 € die Zwangs­ver­stei­ge­rung betreibt. Der Erlös aus der Zwangs­ver­stei­ge­rung dürf­te sicher zu höhe­ren Erlö­sen als 1.400 € und damit zur Zah­lungs­fä­hig­keit füh­ren. Zum ande­ren wird die Zwangs­ver­stei­ge­rung offen­bar nur in eine von wohl meh­re­ren Flur­num­mern betrie­ben. Ohne Mit­tei­lung, wie hoch die gesam­ten Ver­bind­lich­kei­ten momen­tan sind, wel­che Grund­si­cher­hei­ten an wel­chen Grund­stü­cken ggf. bestellt sind usw., kann in kei­ner Wei­se über­prüft und beur­teilt wer­den, ob dem Antrag­stel­ler die Ver­wer­tung/​Beleihung von Immo­bi­li­en zuge­mu­tet wer­den kann.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2017 – XI S 3/​17 (PKH)

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 23.11.2011 – III S 28/​10 (PKH), BFH/​NV 2012, 429 []
  2. BayVGH, Beschluss vom 08.02.2010 – 22 B 09.2171 []