Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren – und die Rechtsmittelfrist

Ein vom Antrag­stel­ler selbst beim Bun­des­fi­nanz­hof gestell­ter PKH-Antrag ist zuläs­sig. Ins­be­son­de­re besteht für die Antrag­stel­lung ‑unge­ach­tet der Rege­lung des § 62 Abs. 4 FGO- kein Ver­tre­tungs­zwang1. Der Antrag auf PKH ist indes unbe­grün­det, wenn die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung kei­ne hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bietet:

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren – und die Rechtsmittelfrist

PKH erhält auf ent­spre­chen­den Antrag ein Betei­lig­ter, der nach sei­nen per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen die Kos­ten der Pro­zess­füh­rung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten auf­brin­gen kann, wenn die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­tet und nicht mut­wil­lig erscheint (§ 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Die Rechts­ver­fol­gung ver­spricht hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg, wenn für des­sen Ein­tritt bei sum­ma­ri­scher Prü­fung eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit besteht2.

Wird PKH für die Durch­füh­rung eines Rechts­mit­tel­ver­fah­rens bean­tragt und wird ‑wie im hier ent­schie­de­nen Streit­fall- nicht zugleich inner­halb der Rechts­mit­tel­frist durch eine vor dem Bun­des­fi­nanz­hof pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­ge Per­son oder Gesell­schaft Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt, kann die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung nur dann Aus­sicht auf Erfolg haben, wenn damit zu rech­nen ist, dass dem Antrag­stel­ler wegen unver­schul­de­ter Ver­säu­mung der Rechts­mit­tel­frist Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren ist. Das ist nur dann der Fall, wenn der Antrag­stel­ler inner­halb der Rechts­mit­tel­frist alle erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine posi­ti­ve Ent­schei­dung über sei­nen Antrag schafft3.

Wird die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on in dem Urteil eines Finanz­ge­richts nach § 116 Abs. 1 FGO durch Beschwer­de ange­foch­ten, so ist die Beschwer­de nach § 116 Abs. 2 FGO inner­halb eines Monats nach Zustel­lung des voll­stän­di­gen Urteils beim Bun­des­fi­nanz­hof ein­zu­le­gen. Vor dem Bun­des­fi­nanz­hof müs­sen sich die Betei­lig­ten durch Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Dies gilt auch für Pro­zess­hand­lun­gen, durch die ein Ver­fah­ren vor dem Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­lei­tet wird (§ 62 Abs. 4 Sät­ze 1 und 2 FGO). Als Bevoll­mäch­tig­te sind nur die in § 62 Abs. 2 Satz 1 FGO bezeich­ne­ten Per­so­nen und Gesell­schaf­ten zuge­las­sen (§ 62 Abs. 4 Satz 3 FGO).

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Hat der Antrag­stel­ler die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de inner­halb der ein­mo­na­ti­gen Rechts­mit­tel­frist nicht durch eine vor dem Bun­des­fi­nanz­hof ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Per­son ein­ge­legt, so ver­spricht die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung nur dann hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg, wenn wegen Ver­säu­mung der Rechts­mit­tel­frist Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand (§ 56 Abs. 1 FGO) zu gewäh­ren ist4. Dies setzt vor­aus, dass der Antrag­stel­ler inner­halb der ein­mo­na­ti­gen Rechts­mit­tel­frist zur Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de sein PKH-Gesuch vor­legt5.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen waren im hier ent­schie­de­nen Streit­fall nicht erfüllt; der Antrag­stel­ler hat sei­nen PKH-Antrag erst deut­lich außer­halb eines Monats nach Zustel­lung des finanz­ge­richt­li­chen Urteils beim Bun­des­fi­nanz­hof eingereicht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Mai 2021 – II S 5/​21 (PKH)

  1. BFH, Beschluss vom 23.06.2020 – IV S 3/​19 (PKH), BFH/​NV 2020, 1090, Rz 8[]
  2. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2020, 1090, Rz 10, m.w.N.[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, BFH, Beschluss vom 15.04.2014 – V S 5/​14 (PKH), BFH/​NV 2014, 1381, Rz 6[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 22.03.2012 – XI B 1/​12, BFH/​NV 2012, 1170, Rz 12[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 18.01.2011 – X S 7/​10 (PKH), BFH/​NV 2011, 630, unter II. 2.b[]