Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine GmbH i.L.

Gemäß § 142 FGO i.V.m. § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO erhält eine inlän­di­sche juris­ti­sche Per­son oder par­tei­fä­hi­ge Ver­ei­ni­gung nur dann PKH, wenn die Kos­ten des Rechts­streits weder von ihr noch von den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten auf­ge­bracht wer­den kön­nen und wenn die Unter­las­sung der Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung all­ge­mei­nen Inter­es­sen zuwi­der­lau­fen wür­de.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine GmbH i.L.

Die­se zusätz­li­che Vor­aus­set­zung für die PKH einer juris­ti­schen Per­son, dass die Unter­las­sung der Rechts­ver­fol­gung im vor­lie­gen­den Fall all­ge­mei­nen Inter­es­sen zuwi­der­lau­fen muss, wird dann bejaht, wenn ein gro­ßer Per­so­nen­kreis in Mit­lei­den­schaft gezo­gen oder eine Ver­ei­ni­gung an der Erfül­lung ihrer der All­ge­mein­heit die­nen­den Auf­ga­ben behin­dert wür­de 1.

Ein Vor­trag im PKH-Ver­fah­ren, der sich in der Behaup­tung erschöpft, dass das Finanz­amt ihr Geschäft rui­niert habe, ent­hält kei­ner­lei Aus­füh­run­gen dazu, wel­cher grö­ße­re Per­so­nen­kreis durch die Unter­las­sung der Rechts­ver­fol­gung beein­träch­tigt wür­de oder wel­che der All­ge­mein­heit die­nen­den Auf­ga­ben die Klä­ge­rin ohne Durch­füh­rung des Rechts­streits nicht mehr erfül­len könn­te. Allein das wirt­schaft­li­che Inter­es­se des Allein­ge­sell­schaf­ters an der Durch­set­zung (hier:) des gel­tend gemach­ten Vor­steu­er­ab­zugs stellt kein all­ge­mei­nes Inter­es­se i.S. des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO dar.

Die Beru­fung auf das "DEB", Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 2 führt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Dar­in hat der Uni­ons­ge­richts­hof ledig­lich fest­ge­stellt, dass es nicht aus­ge­schlos­sen sei, dass der in Art. 47 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on ver­an­ker­te Grund­satz des effek­ti­ven gericht­li­chen Recht­schut­zes auch durch juris­ti­sche Per­so­nen gel­tend gemacht wer­den kann 3. Das Urteil ent­hält hin­ge­gen kei­ner­lei Aus­füh­run­gen dahin­ge­hend, dass das inner­staat­li­che Recht einer juris­ti­schen Per­son zwin­gend die Befrei­ung von der Zah­lung des Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses und der Gebüh­ren für den Bei­stand eines Rechts­an­walts ver­schaf­fen muss. Die ‑nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 26.01.1983 4- ver­fas­sungs­ge­mä­ße Ein­schrän­kung des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO ver­stößt auch nicht gegen den in Art. 47 der Char­ta ver­an­ker­ten Grund­satz des effek­ti­ven Rechts­schut­zes 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Janu­ar 2017 – V S 37/​16 (PKH)

  1. BFH, Beschlüs­se vom 29.05.2009 – V S 15/​09 (PKH), BFH/​NV 2009, 1453; vom 17.09.1998 – III S 9/​98, BFH/​NV 1999, 339[]
  2. EuGH, Urteil vom 22.12 2010 – C‑279/​09, EU:C:2010:811[]
  3. Leit­satz 2 des EuGH, Urteils[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 26.01.1983 – 1 BvR 1036/​82, HFR 1983, 227[]
  5. KG, Beschluss vom 15.02.2011 9 W 50/​08, Zeit­schrift für Wirt­schafts­recht 2011, 542; Sei­ler in Thomas/​Putzo, Zivil­pro­zess­ord­nung, 37. Aufl., § 116 Rz 4[]