Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und kei­ne ver­ein­fach­te Erklä­rung für Hartz-IV-Bezie­her

Nach § 2 Abs. 2 PKHFV muss eine Par­tei, die nach dem Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGB XII) lau­fen­de Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt bezieht, die Abschnit­te E bis J des in der Anla­ge bestimm­ten For­mu­lars nicht aus­fül­len, wenn sie der Erklä­rung den zum Zeit­punkt der Antrag­stel­lung aktu­el­len Bewil­li­gungs­be­scheid des Sozi­al­am­tes bei­fügt, es sei denn, das Gericht ord­net dies aus­drück­lich an.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und kei­ne ver­ein­fach­te Erklä­rung für Hartz-IV-Bezie­her

Dies gilt nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs aller­dings nur für Bezie­her von Sozi­al­hil­fe-Leis­tun­gen nach dem SGB XII, nicht dage­gen auch für Bezie­her von Grund­si­che­rung nach dem SGB II.

Reicht ein Hartz-IV-Emp­fän­ger also das nach § 142 FGO i.V.m. § 117 Abs. 3 und 4 ZPO und § 1 ein­schließ­lich Anla­ge PKHFV ver­pflich­tend ein­ge­führ­te For­mu­lar ohne die aus­ge­füll­ten Abschnit­te E bis G ein, lie­gen nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von PKH nicht vor.

Die Erklä­rung des Antrag­stel­lers kann in einem sol­chen Fall nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs auch nicht als ver­ein­fach­te Erklä­rung nach § 2 Abs. 2 PKHFV behan­delt wer­den. Denn der Antrag­stel­ler habe ja schließ­lich kei­nen Bewil­li­gungs­be­scheid über Leis­tun­gen nach dem SGB XII, son­dern einen Bewil­li­gungs­be­scheid über Leis­tun­gen nach dem SGB II bei­gefügt.

Eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 2 Abs. 2 PKHFV zuguns­ten von Antrag­stel­lern, die Leis­tun­gen nach SGB II bezie­hen und dar­über einen Bewil­li­gungs­be­scheid vor­le­gen, kommt für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht in Betracht. Eine Ana­lo­gie erfor­dert eine ver­gleich­ba­re Inter­es­sen­la­ge 1. Ein Bescheid über Leis­tun­gen nach SGB II gibt aber nicht in ver­gleich­ba­rer Wei­se wie ein Bescheid über Leis­tun­gen nach SGB XII Auf­schluss über die Vor­aus­set­zun­gen der PKH, da das Recht der PKH an das SGB XII anknüpft und die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen nach SGB II und nach SGB XII von­ein­an­der abwei­chen.

Auf Unkennt­nis kann sich der Antrag­stel­ler, so der Bun­des­fi­nanz­hof wei­ter, schon des­we­gen nicht beru­fen, weil er anwalt­lich ver­tre­ten ist. Zudem muss sich ein Antrag­stel­ler über die Vor­aus­set­zun­gen einer Bewil­li­gung von PKH selbst kun­dig machen 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. März 2016 – V S 9/​16 (PKH)

  1. z.B. BFH, Urteil vom 11.02.2015 – X R 36/​11, BFHE 249, 159, BSt­Bl II 2015, 545, Rz 68[]
  2. BFH, Beschluss vom 18.03.2014 – III S 35/​13 (PKH), BFH/​NV 2014, 893, Rz 13[]