Qua­li­fi­zier­ter Rechts­an­wen­dungs­feh­ler

Vor­aus­set­zung für einen qua­li­fi­zier­ten Rechts­an­wen­dungs­feh­ler ist eine greif­bar gesetz­wid­ri­ge Ent­schei­dung. D.h. die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt muss in einem sol­chen Maß feh­ler­haft sein, dass das Ver­trau­en in die Recht­spre­chung nur durch eine höchst­rich­ter­li­che Kor­rek­tur der finanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung wie­der her­ge­stellt wer­den könn­te.

Qua­li­fi­zier­ter Rechts­an­wen­dungs­feh­ler

Dies kann der Fall sein, wenn das Finanz­ge­richt eine offen­sicht­lich ein­schlä­gi­ge ent­schei­dungs­er­heb­li­che Vor­schrift über­se­hen hat, sein Urteil jeg­li­cher gesetz­li­chen Grund­la­ge ent­behrt oder auf einer offen­sicht­lich Wort­laut und Geset­zes­zweck wider­spre­chen­den Geset­zes­aus­le­gung beruht. Unter­halb die­ser Schwel­le lie­gen­de, auch erheb­li­che Rechts­feh­ler rei­chen nicht aus, um eine greif­ba­re Gesetz­wid­rig­keit oder gar eine Will­kür­lich­keit der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung und somit einen Grund für die Zulas­sung der Revi­si­on anzu­neh­men 1.

Auch bei einer ver­meint­lich feh­ler­haf­ten Ver­trags­aus­le­gung kann nicht von einem qua­li­fi­zier­ten Rechts­an­wen­dungs­feh­ler aus­ge­gan­gen wer­den, solan­ge die Aus­füh­run­gen des Finanz­ge­richt kei­nen Feh­ler von so erheb­li­chem Gewicht auf­wei­sen, der geeig­net wäre, das Ver­trau­en in die Recht­spre­chung zu beschä­di­gen 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. April 2016 – V B 3/​15

  1. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2014, 708, Rz 21; vom 22.04.2013 – III B 115/​12, BFH/​NV 2013, 1114, Rz 3 ff.; vom 14.05.2013 – X B 184/​12, BFH/​NV 2013, 1257, Rz 27[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 15.02.2012 – IV B 126/​10, BFH/​NV 2012, 774, Rz 5; vom 17.03.2010 – X B 118/​09, BFH/​NV 2010, 1277, Rz 5[]