Recht­li­ches Gehör – und das Nicht­er­schei­nen in der münd­li­chen Ver­hand­lung

Die Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs besteht dar­in, eine aus­rei­chend bemes­se­ne Gele­gen­heit zur Äuße­rung zu allen ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen zu geben. Die­se Gele­gen­heit zur Äuße­rung haben die Betei­lig­ten grund­sätz­lich in der münd­li­chen Ver­hand­lung.

Recht­li­ches Gehör – und das Nicht­er­schei­nen in der münd­li­chen Ver­hand­lung

Inwie­weit die­se Gele­gen­heit wahr­ge­nom­men wird, ist Sache des Betei­lig­ten. Durch sei­ne pro­zes­sua­le Mit­ver­ant­wor­tung wird der Anspruch auf recht­li­ches Gehör begrenzt.

Der Betei­lig­te hat alles in sei­nen Kräf­ten Ste­hen­de und nach Lage der Din­ge Erfor­der­li­che zu tun, um sich recht­li­ches Gehör zu ver­schaf­fen. Dar­an fehlt es aber, wenn der Betei­lig­te trotz recht­zei­ti­ger und ord­nungs­ge­mä­ßer Ladung zur münd­li­chen Ver­hand­lung nicht erschie­nen ist und auch kei­nen begrün­de­ten Antrag auf Ter­mins­än­de­rung gestellt hat 1.

Das Anbrin­gen eines Befan­gen­heits­ge­suchs befreit hier­von nicht. Viel­mehr bleibt der Betei­lig­te ver­pflich­tet, will er sein recht­li­ches Gehör wah­ren, zur münd­li­chen Ver­hand­lung zu erschei­nen. Denn andern­falls kann auch ohne ihn nach § 91 Abs. 2 FGO ver­han­delt und ent­schie­den wer­den. Auf die­se in § 91 Abs. 2 FGO gere­gel­ten Mög­lich­kei­ten hat­te das Finanz­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall bereits in der ers­ten Ladung zur münd­li­chen Ver­hand­lung, die spä­ter auf Antrag der Klä­ge­rin ver­legt wor­den ist, hin­ge­wie­sen. In sei­ner Umla­dung hat das Gericht aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ser Hin­weis fort­be­steht.

Das Gericht hat auch dem Gebot recht­li­chen Gehörs genügt, indem es den Beschluss, in dem der Finanz­ge­richt-Bun­des­fi­nanz­hof das Befan­gen­heits­ge­such für unbe­grün­det erklär­te, in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­reich­te. Denn es ist Sache des Klä­gers, sich durch Teil­nah­me an der münd­li­chen Ver­hand­lung Kennt­nis über den Inhalt die­ses Beschlus­ses und damit auch recht­li­ches Gehör zu ver­schaf­fen.

Im Übri­gen kann eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de grund­sätz­lich nicht auf die rechts­wid­ri­ge Ableh­nung eines Befan­gen­heits­ge­suchs gestützt wer­den 2. Anders ist es nur dann, wenn ein Befan­gen­heits­ge­such aus nicht nur feh­ler­haf­ten, son­dern will­kür­li­chen und greif­bar gesetz­wid­ri­gen Erwä­gun­gen her­aus abge­lehnt wor­den ist 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2015 – X B 134/​14

  1. BFH, Beschlüs­se vom 19.01.2007 – VII B 171/​06, BFH/​NV 2007, 947; vom 13.08.2007 – III B 159/​06, BFH/​NV 2007, 2284[]
  2. BFH, Beschluss vom 28.07.2005 – II B 81/​04, BFH/​NV 2005, 2221[]
  3. BFH, Beschluss vom 29.10.2008 – V B 110/​07, BFH/​NV 2009, 396, m.w.N.[]