Recht­li­ches Gehör – und der nicht gewähr­te Schrift­satz­nach­lass

Die Nicht­ge­wäh­rung einer in der münd­li­chen Ver­hand­lung bean­trag­ten Schrift­satz­frist ver­letzt nur dann den Anspruch auf recht­li­ches Gehör, wenn sich ein Betei­lig­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung auf ein Vor­brin­gen des ande­ren Betei­lig­ten nicht erklä­ren kann, weil es ihm nicht recht­zei­tig vor dem Ter­min mit­ge­teilt wor­den ist. Nur für die­sen Fall sehen § 155 FGO i.V.m. § 283 ZPO das Nach­brin­gen schrift­sätz­li­cher Erklä­run­gen vor 1.

Recht­li­ches Gehör – und der nicht gewähr­te Schrift­satz­nach­lass

Hier­an fehl­te es in den hier ent­schie­de­nen Streit­fäl­len: Die Klä­ge­rin beruft sich dar­auf, sie habe einen Schrift­satz­nach­lass wegen neu­er Tat­sa­chen bean­tragt und bei den neu­en Tat­sa­chen hand­le es sich haupt­säch­lich um die angeb­li­chen Tele­fon­da­ten in den Tele­fon­rech­nun­gen der … und des Mobil­funk­an­bie­ters.

Soweit die Klä­ge­rin daher einen Schrift­satz­nach­lass wegen der angeb­li­chen Tele­fon­da­ten in den Tele­fon­rech­nun­gen der … und des Mobil­funk­an­bie­ters bean­tragt, erfolg­te dies nicht, um auf ein (über­ra­schen­des) neu­es Vor­brin­gen des Beklag­ten und Beschwer­de­geg­ners (Finanz­amt) zu erwi­dern. Denn von den ent­spre­chen­den Tele­fon­rech­nun­gen konn­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin vor der münd­li­chen Ver­hand­lung im Rah­men der Akten­ein­sicht Kennt­nis neh­men.

Im Übri­gen hat die Klä­ge­rin neu­es Vor­brin­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung, auf das sie sich nicht erklä­ren habe kön­nen und das ihr nicht recht­zei­tig mit­ge­teilt wor­den sei, weder kon­kre­ti­siert noch ist ein sol­ches aus dem Sit­zungs­pro­to­koll ersicht­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17. Juli 2019 – II B 35/​18; II B 36/​18; II B 37/​18

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 10.12 2012 – VI B 135/​12, BFH/​NV 2013, 569, Rz 8[]