Recht­li­ches Gehör – und die Bezug­nah­me des Finanz­ge­richts auf die Ein­spruchs­ent­schei­dung

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ver­pflich­tet das Finanz­ge­richt, die Betei­lig­ten über den Ver­fah­rens­stoff zu infor­mie­ren, ihnen Gele­gen­heit zur Äuße­rung zu geben, ihre Aus­füh­run­gen zur Kennt­nis zu neh­men, in Erwä­gung zu zie­hen und sich mit dem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Kern ihres Vor­brin­gens aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs bedeu­tet jedoch nicht, dass das Finanz­ge­richt den Klä­ger „erhö­ren“, sich also sei­nen recht­li­chen Ansich­ten anschlie­ßen müss­te [1].

Recht­li­ches Gehör – und die Bezug­nah­me des Finanz­ge­richts auf die Ein­spruchs­ent­schei­dung

Eine Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör ist nicht bereits dar­in zu sehen, dass das Finanz­ge­richt von der ihm durch § 105 Abs. 5 FGO ein­ge­räum­ten Mög­lich­keit Gebrauch gemacht hat, von einer wei­te­ren Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­grün­de abzu­se­hen und sich die in der Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 12.02.2013 ent­hal­te­ne Begrün­dung des Finanz­amt zu eigen gemacht hat.

Die Vor­schrift dient der Ent­las­tung der Gerich­te, sofern ihr Zweck, den Betei­lig­ten Kennt­nis davon zu ver­mit­teln, auf wel­chen Fest­stel­lun­gen, Ver­hält­nis­sen oder recht­li­chen Erwä­gun­gen die Ent­schei­dung beruht, ohne Nach­teil für den Rechts­schutz der Klä­ger auch durch Bezug­nah­me auf bereits vor­lie­gen­de Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen erreicht wer­den kann [2]. Eine Urteils­be­grün­dung, die über die Fest­stel­lung, dass das Finanz­ge­richt der Ver­wal­tungs­ent­schei­dung folgt, hin­aus­geht, ist in die­sen Fäl­len nicht erfor­der­lich [3]. Die gebo­te­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Anwen­dung des § 105 Abs. 5 FGO setzt aller­dings vor­aus, dass das Gericht wegen des Anspruchs des Rechts­schutz­su­chen­den auf recht­li­ches Gehör auf des­sen wesent­li­ches neu­es Vor­brin­gen im Kla­ge­ver­fah­ren ein­geht [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Mai 2014 – III B 125/​13

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 26.11.2007 – VIII B 121/​07, BFH/​NV 2008, 397[]
  2. BFH, Beschluss vom 10.11.2006 – XI B 147/​05, BFH/​NV 2007, 267, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 20.11.2003 – III B 88/​02, BFH/​NV 2004, 517[]
  4. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 20.05.1994 – VI R 10/​94, BFHE 174, 391, BStBl II 1994, 707; und vom 23.04.1998 – IV R 30/​97, BFHE 186, 120, BStBl II 1998, 626; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2007, 267, m.w.N.[]