Rechtliches Gehör – und die Hinweispflicht des Gerichts

Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist erst dann verletzt, wenn das Gericht den Hinweis auf einen entscheidungserheblichen rechtlichen Gesichtspunkt unterlässt, mit dem auch ein gewissenhafter und rechtskundiger Prozessbeteiligter nicht zu rechnen braucht1.

Rechtliches Gehör – und die Hinweispflicht des Gerichts

Zudem folgt aus Art. 103 Abs. 1 GG keine allgemeine Frage- und Aufklärungspflicht in Bezug auf die Rechtsansicht des Gerichts2.

Im Übrigen kann der Kläger mit Rügen gegen die inhaltliche Richtigkeit der angegriffenen Entscheidung des Bundesfinanzhofs, ohne eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend zu machen, im Verfahren der Anhörungsrüge nicht gehört werden. Eine Anhörungsrüge dient nicht dazu, die angegriffene Entscheidung nochmals einer vollen inhaltlichen Überprüfung zuzuführen3.

Ebenso wenig kann mit der Anhörungsrüge eine Begründungsergänzung herbeigeführt werden4.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 16. April 2015 – XI S 7/15

  1. vgl. z.B. BVerfG, Urteil vom 14.07.1998 – 1 BvR 1640/97, BVerfGE 98, 218, 263; BFH, Beschluss vom 18.09.2013 – X B 38/13, BFH/NV 2014, 54, jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. z.B. BVerfG, Beschluss vom 05.11.1986 1 BvR 706/85, BVerfGE 74, 1, 5; BFH, Beschlüsse vom 12.06.2013 – X B 191/12, BFH/NV 2013, 1622; in BFH/NV 2014, 54, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschlüsse vom 04.05.2006 – VI S 5/06, BFH/NV 2006, 1337, unter 1.b; vom 07.02.2011 – XI S 29/10, BFH/NV 2011, 824, Rz 18[]
  4. vgl. BFH, Beschlüsse vom 17.06.2005 – VI S 3/05, BFHE 209, 419, BStBl II 2005, 614; in BFH/NV 2006, 1337[]