Recht­li­ches Gehör – und die münd­li­chen Ver­hand­lung

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör umfasst das durch § 96 Abs. 2 FGO gewähr­leis­te­te Recht der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, sich vor Erlass einer Ent­schei­dung zu den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen und Beweis­ergeb­nis­sen zu äußern und dar­über hin­aus, dem Gericht auch in recht­li­cher Hin­sicht alles vor­zu­tra­gen, was sie für wesent­lich hal­ten.

Recht­li­ches Gehör – und die münd­li­chen Ver­hand­lung

Die­sen Ansprü­chen ent­spricht die Pflicht des Gerichts, Anträ­ge und Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen 1. Dar­über hin­aus soll der Anspruch auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 GG) die Betei­lig­ten auch in recht­li­cher Hin­sicht vor Über­ra­schun­gen schüt­zen.

Eine ver­fah­rens­feh­ler­haf­te Über­ra­schungs­ent­schei­dung ist gege­ben, wenn das Gericht sei­ne Ent­schei­dung auf einen bis dahin nicht erör­ter­ten recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Gesichts­punkt gestützt und damit dem Rechts­streit eine Wen­dung gege­ben hat, mit der auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Ver­lauf des Ver­fah­rens nicht rech­nen muss­te 2.

Einer umfas­sen­den Erör­te­rung der für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung bedarf es jedoch nicht 3. Auch obliegt dem Finanz­ge­richt kei­ne all­ge­mei­ne Hin­weis­pflicht in dem Sin­ne, dass es sei­ne mög­li­che Beur­tei­lung andeu­ten müss­te 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 3. März 2016 – VIII B 25/​14

  1. Gräber/​Ruban, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 119 Rz 14, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 18.12 2007 – XI B 178/​06, BFH/​NV 2008, 562, m.w.N.; vom 10.11.2010 – VIII B 159/​09, BFH/​NV 2011, 300[]
  3. BFH, Beschluss vom 25.05.2000 – VI B 100/​00, BFH/​NV 2000, 1235[]
  4. BFH, Beschluss vom 17.10.2012 – III B 68/​12, BFH/​NV 2013, 362[]