Rechts­be­helfs­be­leh­rung – und die Anga­ben zum Zustell­da­tum

Die Fra­ge, wann eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung unrich­tig i.S. des § 55 Abs. 2 Satz 1 FGO ist, lässt sich anhand der bereits vor­lie­gen­den Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs beant­wor­ten 1.

Rechts­be­helfs­be­leh­rung – und die Anga­ben zum Zustell­da­tum

Danach ist eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung unrich­tig, wenn sie in einer der gemäß § 55 Abs. 1 FGO wesent­li­chen Aus­sa­gen unzu­tref­fend bzw. der­art unvoll­stän­dig oder miss­ver­ständ­lich gefasst ist, dass hier­durch ‑bei objek­ti­ver Betrach­tung- die Mög­lich­keit zur Frist­wah­rung gefähr­det erscheint 2.

Ent­hält eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung ‑wie hier zum Zeit­punkt des Zugangs der Ein­spruchs­ent­schei­dung- wei­ter­ge­hen­de (nicht nur not­wen­di­ge) Anga­ben, so müs­sen die­se auch rich­tig, voll­stän­dig und unmiss­ver­ständ­lich sein. Ob dies der Fall ist, bestimmt sich danach, wie der Erklä­rungs­emp­fän­ger die Rechts­be­helfs­be­leh­rung nach Treu und Glau­ben und unter Berück­sich­ti­gung der ihm bekann­ten Umstän­de ver­ste­hen muss­te (sog. objek­ti­ver Ver­ständ­nis­ho­ri­zont) 3. Uner­heb­lich ist, ob eine unrich­ti­ge Beleh­rung für die Frist­ver­säu­mung ursäch­lich war 4.

Ob die bean­stan­de­te Rechts­be­helfs­be­leh­rung die­sen Anfor­de­run­gen genügt, lässt sich nur auf­grund einer Wür­di­gung aller nach den vor­ge­nann­ten Maß­stä­ben ent­schei­dungs­er­heb­li­chen kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls beur­tei­len 5.

Die hier vom Finanz­amt ver­wen­de­te Rechts­be­helfs­be­leh­rung mit der For­mu­lie­rung "Bei Zusen­dung der Ent­schei­dung durch ein­fa­chen Brief an einen Emp­fän­ger inner­halb der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land" infor­miert hin­rei­chend dar­über, dass die "Drei-Tage-Fik­ti­on" des § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO zur Anwen­dung kommt, zumal über dem Rubrum der Ein­spruchs­ent­schei­dung ver­merkt ist: "Zusen­dung durch ein­fa­chen Brief (Inland)".

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2017 – XI B 107/​16

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 21.12 2005 – XI B 46/​05 unter II. 2., Rz 9; vom 09.11.2009 – IV B 54/​09, BFH/​NV 2010, 448, unter 1., Rz 5; zu § 356 Abs. 2 Satz 1 AO vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 14.04.2016 – III B 108/​15, BFH/​NV 2016, 1250, Rz 15 ff.[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 29.07.1998 – X R 3/​96, BFHE 186, 324, BSt­Bl II 1998, 742; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2010, 448, m.w.N.[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 12.12 2012 – I B 127/​12, BFHE 239, 25, BSt­Bl II 2013, 272, Rz 15; in BFH/​NV 2016, 1250, Rz 16[]
  4. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2010, 448, Rz 7, m.w.N.[]
  5. vgl. z.B. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2010, 448, Rz 6[]