Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einer Ein­spruchs­ent­schei­dung – und die Tele­fax-Nr. des Finanz­ge­richts

Nach § 55 Abs. 1 FGO beginnt die Frist für einen Rechts­be­helf nur zu lau­fen, wenn der Betei­lig­te über den Rechts­be­helf, die Behör­de oder das Gericht, bei denen der Rechts­be­helf anzu­brin­gen ist, den Sitz und die ein­zu­hal­ten­de Frist schrift­lich oder elek­tro­nisch belehrt wor­den ist.

Rechts­be­helfs­be­leh­rung in einer Ein­spruchs­ent­schei­dung – und die Tele­fax-Nr. des Finanz­ge­richts

Dem Wort­laut die­ser Bestim­mung ist das Erfor­der­nis der Anga­be einer Tele­fax­num­mer nicht zu ent­neh­men.

Zudem ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs eine Rechts­mit­tel­be­leh­rung nicht des­halb unrich­tig, weil das Finanz­amt nicht auf die Mög­lich­keit der Ein­le­gung eines Rechts­be­helfs statt in schrift­li­cher in elek­tro­ni­scher Form hin­ge­wie­sen hat 1 oder wenn dort zwar das anzu­ru­fen­de Finanz­ge­richt nicht kon­kret ange­ge­ben, jedoch auf die Mög­lich­keit des Anbrin­gens der Kla­ge beim Finanz­amt hin­ge­wie­sen und das hier­für zustän­di­ge Finanz­amt zutref­fend bezeich­net wor­den ist 2.

Dar­aus folgt, dass die Anga­be des Gerichts und sei­nes Sit­zes als aus­rei­chend zu betrach­ten ist, wobei es offen blei­ben kann, ob die Bezeich­nung des Sit­zes die Anga­be der pos­ta­li­schen Anschrift erfor­dert. Über die Wie­der­ga­be des Wort­lauts des § 55 Abs. 1 FGO hin­aus ist es somit nicht erfor­der­lich, in der Rechts­be­helfs­be­leh­rung zusätz­lich eine Inter­net-Ver­bin­dung oder eine Tele­fax­num­mer anzu­ge­ben, zumal die Ermitt­lung einer Inter­net-Ver­bin­dung oder einer Tele­fax­num­mer bei Nut­zung moder­ner Recher­che­mög­lich­kei­ten kei­ne beson­de­ren Schwie­rig­kei­ten berei­ten dürf­te.

Auch die über­wie­gen­de Ansicht im Schrift­tum geht davon aus, dass die Anga­be der Tele­fax­num­mer nicht erfor­der­lich ist 3. Selbst eine unter­las­se­ne Anga­be des Gerichts ist dann unschäd­lich, wenn in der Rechts­be­helfs­be­leh­rung auf die Mög­lich­keit hin­ge­wie­sen wird, dass die Kla­ge­schrift frist­wah­rend bei der Finanz­be­hör­de ein­ge­reicht wer­den kann. Der von der Klä­ge­rin auf­ge­wor­fe­nen Fra­ge kommt daher kei­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung zu.

Im Übri­gen erga­ben sich im hier ent­schie­de­nen Streit­fall die Bezeich­nung des Gerichts und des­sen pos­ta­li­sche Anschrift sowie der Hin­weis auf die frist­wah­ren­de Kla­ge­er­he­bung durch die Anbrin­gung der Kla­ge beim Finanz­amt aus der vom Finanz­amt erteil­ten Rechts­be­helfs­be­leh­rung, so dass es der Klä­ge­rin mög­lich gewe­sen wäre, ihre Kla­ge frist­wah­rend beim Finanz­amt oder schrift­lich beim Finanz­ge­richt ein­zu­rei­chen. Inso­weit ist nicht ersicht­lich, dass sie zur Wahr­neh­mung ihrer Rech­te auf die Anga­be einer Tele­fax­num­mer des Finanz­ge­richt ange­wie­sen gewe­sen wäre.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Janu­ar 2017 – VII B 158/​16

  1. BFH, Urtei­le vom 20.11.2013 – X R 2/​12, BFHE 243, 158, BSt­Bl II 2014, 236; vom 05.03.2014 – VIII R 51/​12, BFH/​NV 2014, 1010; vom 18.03.2014 – VIII R 33/​12, BFHE 246, 1, BSt­Bl II 2014, 922; und vom 18.06.2015 – IV R 18/​13, BFH/​NV 2015, 1349[]
  2. BFH, Urteil vom 17.05.2000 – I R 4/​00, BFHE 192, 15, BSt­Bl II 2000, 539[]
  3. Spind­ler in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 55 FGO Rz 26; Brandt in Beermann/​Gosch, FGO § 55 Rz 16; Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 55 Rz 17; Dum­ke in Schwarz/​Pahlke, AO, FGO, § 55 FGO Rz 16b; a.A. Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 55 FGO Rz 9, und Röß­ler, Muss die Rechts­be­helfs­be­leh­rung die Tele­fax-Num­mer des Finanz­ge­richt ange­ben?, Deut­sche Steu­er-Zeit­schrift 1995, 563[]