Rechts­be­helfs­be­leh­rung über den Ein­spruch – und der erfor­der­li­che Inhalt

Die Frist für die Ein­le­gung des Ein­spruchs beginnt nach § 356 Abs. 1 AO nur, wenn der Betei­lig­te über den Ein­spruch und die Finanz­be­hör­de, bei der er ein­zu­le­gen ist, deren Sitz und die ein­zu­hal­ten­de Frist in der für den Ver­wal­tungs­akt ver­wen­de­ten Form belehrt wor­den ist. Nach § 356 Abs. 2 Satz 1 AO ist die Ein­le­gung des Ein­spruchs bin­nen eines Jah­res seit Bekannt­ga­be des Ver­wal­tungs­akts zuläs­sig, wenn die Beleh­rung unter­blie­ben oder unrich­tig erteilt wor­den ist. Die Rechts­be­helfs­be­leh­rung ist in die­sem Sin­ne aller­dings dann nicht unrich­tig erteilt, wenn sie in Bezug auf das Form­erfor­der­nis für die Ein­le­gung des Ein­spruchs den Wort­laut des Geset­zes wie­der­gibt.

Rechts­be­helfs­be­leh­rung über den Ein­spruch – und der erfor­der­li­che Inhalt

Nach­dem der X. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs schon frü­her ent­schie­den hat­te, dass eine Rechts­mit­tel­be­leh­rung so ein­fach und klar wie mög­lich gehal­ten wer­den sol­le, um im Inter­es­se rechts­un­kun­di­ger Betei­lig­ter eine inhalt­li­che Über­frach­tung zu ver­mei­den, und es des­halb aus­rei­che, wenn die Rechts­be­helfs­be­leh­rung den Geset­zes­wort­laut der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung wie­der­ge­be und ver­ständ­lich über die all­ge­mei­nen Merk­ma­le des Frist­be­ginns unter­rich­te 1, haben sich die­ser Recht­spre­chung ver­schie­de­ne Sena­te des Bun­des­fi­nanz­hofs ange­schlos­sen.

Danach ist eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung erst dann unrich­tig, wenn sie in wesent­li­chen Aus­sa­gen unzu­tref­fend oder der­art unvoll­stän­dig oder miss­ver­ständ­lich abge­fasst ist, dass durch sie die Mög­lich­keit zur Frist­wah­rung gefähr­det erscheint 2. Auf die­ser Grund­la­ge hat der X. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs sei­ne Recht­spre­chung sodann dahin­ge­hend fort­ge­führt, dass es aus­rei­che, wenn die Rechts­be­helfs­be­leh­rung hin­sicht­lich des Form­erfor­der­nis­ses für die Ein­le­gung eines Ein­spruchs den Wort­laut des § 357 Abs. 1 Satz 1 AO wie­der­ge­be 3.

Denn an die Anga­ben in der Rechts­be­helfs­be­leh­rung, die nicht Pflicht­an­ga­ben nach § 356 Abs. 1 AO sei­en, sei­en kei­ne höhe­ren Anfor­de­run­gen an die Detail­liert­heit der Rechts­be­helfs­be­leh­rung zu stel­len als bei sol­chen Anga­ben, die not­wen­di­ges Ele­ment der Rechts­be­helfs­be­leh­rung sei­en. Wenn es schon bei der im Ein­zel­fall mit­un­ter sehr kom­pli­zier­ten Berech­nung der Frist aus­rei­che, den Wort­laut der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung wie­der­zu­ge­ben, müs­se dies erst recht gel­ten, wenn Anga­ben zur Form gemacht wer­den, die schon dem Grun­de nach nicht zwin­gen­der Bestand­teil der Rechts­be­helfs­be­leh­rung sei­en.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 28. April 2015 – VI R 65/​13

  1. BFH, Urteil vom 07.03.2006 – X R 18/​05, BFHE 212, 407, BSt­Bl II 2006, 455[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 09.11.2009 – IV B 54/​09, BFH/​NV 2010, 448; vom 02.02.2010 – III B 20/​09, BFH/​NV 2010, 830; vom 12.10.2012 – III B 66/​12, BFH/​NV 2013, 177; vom 12.12 2012 – I B 127/​12, BFHE 239, 25, BSt­Bl II 2013, 272[]
  3. BFH, Urteil vom 20.11.2013 – X R 2/​12, BFHE 243, 158, BSt­Bl II 2014, 236[]