Revi­si­bi­li­tät einer finanz­ge­richt­li­chen Beweis­wür­di­gung

Eine Gesamt­wür­di­gung des Finanz­ge­richts ist als eine im Wesent­li­chen auf tatrich­ter­li­chem Gebiet lie­gen­de Beur­tei­lung revi­si­ons­recht­lich nur begrenzt über­prüf­bar. Aller­dings ist die Gesamt­wür­di­gung mate­ri­ell-recht­lich feh­ler­haft, wenn die Tat­sa­chen­in­stanz die maß­geb­li­chen Umstän­de nicht voll­stän­dig oder ihrer Bedeu­tung ent­spre­chend in ihre Über­zeu­gungs­bil­dung ein­be­zieht.

Revi­si­bi­li­tät einer finanz­ge­richt­li­chen Beweis­wür­di­gung

Eine im Wesent­li­chen auf tatrich­ter­li­chem Gebiet lie­gen­de Beur­tei­lung ist revi­si­ons­recht­lich nur begrenzt über­prüf­bar [1]. Es stellt aller­dings einen mate­ri­ell-recht­li­chen Feh­ler dar, wenn die Tat­sa­chen­in­stanz die nach der Recht­spre­chung des BFH maß­geb­li­chen Umstän­de nicht voll­stän­dig oder ihrer Bedeu­tung ent­spre­chend in ihre Über­zeu­gungs­bil­dung ein­be­zieht. Eine sol­che Gesamt­wür­di­gung des Finanz­ge­richt ist rechts­feh­ler­haft; sie bin­det den Bun­des­fi­nanz­hof dem­entspre­chend auch nicht gemäß § 118 Abs. 2 FGO [2].

So liegt der Fall hier: Denn in der Wür­di­gung des Finanz­ge­richt feh­len wich­ti­ge Aspek­te, die geeig­net sind, die tatrich­ter­li­che Gesamt­wür­di­gung zu beein­flus­sen. Dar­über hin­aus sind ent­schei­den­de Gesichts­punk­te nicht ihrer Bedeu­tung ent­spre­chend in die Abwä­gung ein­ge­flos­sen. Ange­sichts des­sen ist die vom Finanz­ge­richt ange­stell­te Gesamt­wür­di­gung rechts­feh­ler­haft.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Juni 2015 – VI R 77/​12

  1. BFH, Urteil in BFHE 223, 425, BStBl II 2009, 374, II. 1.a, m.w.N.[]
  2. BFH, Urtei­le vom 28.03.2012 – VI R 87/​10, BFHE 236, 553, BStBl II 2012, 800; vom 20.05.2010 – VI R 12/​08, BFHE 230, 136, BStBl II 2010, 1069[]