Revi­si­ons­zu­las­sung durch das Finanz­ge­richt – und die ein­schrän­ken­de Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Hat das Finanz­ge­richt nach dem Tenor und den Ent­schei­dungs­grün­den sei­nes Urteils die Revi­si­on in vol­lem Umfang zuge­las­sen, führt eine anders lau­ten­de Rechts­mit­tel­be­leh­rung nicht zu einer Ein­schrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung.

Revi­si­ons­zu­las­sung durch das Finanz­ge­richt – und die ein­schrän­ken­de Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Nach § 115 Abs. 1 FGO steht den Betei­lig­ten gegen ein Urteil eines Finanz­ge­richt die Revi­si­on an den Bun­des­fi­nanz­hof u.a. dann zu, wenn das Finanz­ge­richt sie zuge­las­sen hat.

Zwar ist eine wirk­sa­me Beschrän­kung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung mög­lich, wenn sie recht­lich und tat­säch­lich selb­stän­di­ge Tei­le des Streit­stof­fes betrifft, über die in einem beson­de­ren Ver­fah­rens­ab­schnitt, abge­trennt vom übri­gen Ver­fah­ren, im Wege eines Teil­ur­teils (§ 98 FGO) oder eines Zwi­schen­ur­teils über den Grund des Anspruchs (§ 99 FGO) oder über die Zuläs­sig­keit der Kla­ge (§ 97 FGO) geson­dert ent­schie­den wer­den könn­te1.

Eine Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs aber nur wirk­sam, wenn sie im Urteil aus­drück­lich und ein­deu­tig aus­ge­spro­chen wird2 und damit dem Pos­tu­lat der Rechts­mit­tel­klar­heit ent­spricht3.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall fehl­te es jeden­falls an der erfor­der­li­chen Ein­deu­tig­keit einer mög­li­chen Zulas­sungs­be­schrän­kung:

Das Finanz­ge­richt hat die Revi­si­on gegen sein Urteil im ver­kün­de­ten sowie im schrift­li­chen Urteils­te­nor ohne jede Ein­schrän­kung zuge­las­sen. Aus den Urteils­grün­den ergibt sich eine Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung eben­falls nicht, da in allen Streit­jah­ren die Behand­lung von Beleg­arzt­leis­tun­gen strei­tig war.

Dage­gen ist die Rechts­mit­tel­be­leh­rung inso­fern nicht ein­deu­tig, als sie zwar eine Zulas­sungs­be­schrän­kung anführt, ansons­ten aber ent­spre­chend einer umfas­sen­den Revi­si­ons­zu­las­sung erteilt wur­de. Im Fall einer Beschrän­kung hät­te für die Streit­ge­gen­stän­de, für die kei­ne Revi­si­ons­zu­las­sung erfolgt sein soll­te, über die Zuläs­sig­keit einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de belehrt wer­den müs­sen4.

Wenn aber aus dem blo­ßen Bei­fü­gen einer Rechts­mit­tel­be­leh­rung, die von der Zuläs­sig­keit der Revi­si­on aus­geht, regel­mä­ßig nicht auf die Zulas­sungs­ent­schei­dung des Finanz­ge­richt geschlos­sen wer­den kann5, kann eine ‑zumal in sich nicht wider­spruchs­freie- Rechts­mit­tel­be­leh­rung nicht zur Beschrän­kung der in Tenor und Grün­den ent­hal­te­nen Revi­si­ons­zu­las­sung füh­ren6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Janu­ar 2019 – XI R 15/​16

  1. BFH, Urteil vom 25.06.2009 – IX R 56/​08, BFHE 226, 193, BSt­Bl II 2010, 202, Rz 12, m.w.N.; Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 115 FGO Rz 31; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 115 FGO Rz 290 []
  2. BFH, Urtei­le vom 02.07.1998 – IV R 39/​97, BFHE 186, 299, BSt­Bl II 1999, 28, unter 1., Rz 16, m.w.N.; vom 18.07.2000 – VII R 32, 33/​99, BFHE 192, 405, BSt­Bl II 2001, 133, unter 2.a, Rz 32; vom 18.03.2004 – V R 19/​03, BFH/​NV 2004, 1281, unter II. 1., Rz 18; vom 05.10.2004 – VIII R 9/​03, BFH/​NV 2005, 526, unter II. 1., Rz 20; Lan­ge in HHSp, § 115 FGO Rz 292 []
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.11.2009 – 1 BvR 2298/​09, BVerfGK 16, 362, Rz 16 ff., m.w.N. []
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 186, 299, BSt­Bl II 1999, 28, unter 1., Rz 16 []
  5. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 06.09.2002 – IV B 204/​01, BFH/​NV 2003, 69, unter 2.b, Rz 7; vom 14.10.2010 – VII R 34/​10, BFH/​NV 2011, 278, Rz 2, jeweils m.w.N. []
  6. vgl. Lan­ge in HHSp, § 115 FGO Rz 277, 280 []