Rich­ter­li­che Hin­weis- und Pro­to­kol­lie­rungs­pflicht bei nicht ver­tre­te­nem, fachun­kun­di­gem Klä­ger

Die gesetz­li­che Hin­weis­pflicht des § 76 Abs. 2 FGO ist in beson­de­rer Wei­se zu beach­ten, wenn der Klä­ger vor dem Finanz­ge­richt nicht durch einen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ver­tre­ten wird und selbst erkenn­bar nicht fach­kun­dig ist.

Rich­ter­li­che Hin­weis- und Pro­to­kol­lie­rungs­pflicht bei nicht ver­tre­te­nem, fachun­kun­di­gem Klä­ger

Im vor­lie­gen­den Fall führt das Finanz­ge­richt im ange­foch­te­nen Urteil zwar an, der Klä­ger habe "auf mehr­fa­che Nach­fra­ge des Vor­sit­zen­den" erklärt, der Antrag, den das Finanz­ge­richt im vor­an­ge­gan­ge­nen Gerichts­be­scheid sinn­ge­mäß nach Maß­ga­be des inhalt­li­chen Vor­brin­gens des Klä­gers for­mu­liert habe, gebe sein Kla­ge­be­geh­ren "nicht aus­rei­chend" wie­der. Die Nie­der­schrift über die münd­li­che Ver­hand­lung ent­hält aber weder Aus­füh­run­gen zu der­ar­ti­gen "mehr­fa­chen Nach­fra­gen" des Vor­sit­zen­den noch lässt sich dem Pro­to­koll ent­neh­men, dass der Klä­ger auf die Unzu­läs­sig­keit sei­nes in der münd­li­chen Ver­hand­lung "aus­drück­lich" gestell­ten Antrags hin­ge­wie­sen wor­den wäre (§ 94 FGO i.V.m. § 160 Abs. 2 ZPO) 1.

Jedoch hat das Finanz­ge­richt hilfs­wei­se auch das ‑sich aus der Kla­ge­schrift erge­ben­de- inhalt­li­che Begeh­ren des Klä­gers in vol­lem Umfang über­prüft und für nicht durch­grei­fend erach­tet. Mit die­ser Hilfs­be­grün­dung des ange­foch­te­nen Urteils befasst sich die Beschwer­de­be­grün­dung nicht. Nach den Grund­sät­zen der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung 2 spricht vie­les dafür, dass die Ver­fah­rens­rüge ‑unge­ach­tet der hier gel­ten­den Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen im Übri­gen 3- schon aus die­sem Grun­de hät­te erfolg­los blei­ben müs­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. Novem­ber 2014 – X B 98/​14

  1. vgl. Stö­cker in Beermann/​Gosch, FGO § 94 Rz 26[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 09.03.2012 – VI B 121/​11, BFH/​NV 2012, 1157, m.w.N.[]
  3. s. dazu BFH, Beschluss vom 01.04.2008 – X B 224/​07, BFH/​NV 2008, 1187, unter 2.a, m.w.N.[]