Rich­ter­li­che Hin­weis­pflicht bei feh­len­der Erfolgs­aus­sicht

Grund­sätz­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Gericht das von ihm ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten auch zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen hat, zumal es nach Art. 103 Abs. 1 GG nicht ver­pflich­tet ist, sich mit jedem Vor­brin­gen in der Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung aus­drück­lich zu befas­sen. Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ist daher erst dann ver­letzt, wenn sich aus den beson­de­ren Umstän­den des ein­zel­nen Fal­les deut­lich ergibt, dass das Gericht ein tat­säch­li­ches Vor­brin­gen ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei sei­ner Ent­schei­dung ersicht­lich nicht in Erwä­gung gezo­gen hat 1.

Rich­ter­li­che Hin­weis­pflicht bei feh­len­der Erfolgs­aus­sicht

Die rich­ter­li­che Hin­weis­pflicht soll den Betei­lig­ten Schutz und Hil­fe­stel­lung geben, ohne deren Eigen­ver­ant­wor­tung zu besei­ti­gen. Inhalt und Umfang der rich­ter­li­chen Hin­weis­pflicht hän­gen von der Sach- und Rechts­la­ge des ein­zel­nen Fal­les sowie von der Mit­wir­kung und den indi­vi­du­el­len Mög­lich­kei­ten der Betei­lig­ten ab 2. Ist ein Klä­ger rechts­kun­dig ver­tre­ten, bedarf es eines rich­ter­li­chen Hin­wei­ses regel­mä­ßig in sol­chen Fäl­len nicht, in denen der Pro­zess­geg­ner bereits auf die gegen die Erfolgs­aus­sich­ten spre­chen­den Gesichts­punk­te hin­ge­wie­sen hat. Denn bei einer sol­chen Sach­la­ge muss grund­sätz­lich damit gerech­net wer­den, dass das Gericht den Hin­wei­sen des Pro­zess­geg­ners folgt ((BFH, Beschluss vom 14.02.2012 – X S 1/​12, BFH/​NV 2012, 1149).

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Sep­tem­ber 2012 – VI S 9/​12

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 12.04.2011 – III S 49/​10, BFH/​NV 2011, 1177, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 05.08.2011 – III B 144/​10, BFH/​NV 2011, 1915[]