Richterliche Hinweispflichten – und die Rechtskunde der Beteiligten

Die richterliche Hinweispflicht soll in erster Linie zur Gewährleistung eines fairen Verfahrens, zur Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und zur Vermeidung von Überraschungsentscheidungen Schutz und Hilfestellung für den Beteiligten geben, ohne dass indessen dessen Eigenverantwortlichkeit dadurch eingeschränkt oder beseitigt wird.

Richterliche Hinweispflichten - und die Rechtskunde der Beteiligten

Die Rechtsverwirklichung soll grundsätzlich nicht an der Unkenntnis, Unerfahrenheit oder Unbeholfenheit des Rechtssuchenden scheitern. Daher sind individuelle, von Fall zu Fall zu bestimmende Maßstäbe an die Beachtung der Hinweispflicht anzulegen, die entscheidend auch von der Rechtskunde der Beteiligten, im Wesentlichen also davon, ob diese fachkundig vertreten sind, abhängen1.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 1. September 2016 – VI B 26/16

  1. vgl. BFH, Beschlüsse vom 04.11.2003 – VII B 171/03, BFH/NV 2004, 357; vom 28.01.2004 – VII B 82/03, BFH/NV 2004, 800; vom 26.04.2005 – VII B 10/05, BFH/NV 2005, 1362 []
  2. BGH, Beschluss vom 23.04.2009 - IX ZR 95/06, ZInsO 2009, 1028 Rn. 5; BVerfGE 84, 188, 189 f []