Rubrums­be­rich­ti­gung bei Erbaus­schla­gung

Gemäß § 107 Abs. 1 FGO sind Schreib­feh­ler, Rechen­feh­ler und ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­kei­ten vom Gericht zu berich­ti­gen. Die Berich­ti­gung ist nicht antrags- oder frist­ge­bun­den1.

Rubrums­be­rich­ti­gung bei Erbaus­schla­gung

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine sol­che Berich­ti­gung lie­gen vor, wenn ein als Urteil wir­ken­der Gerichts­be­scheid im Rubrum noch Frau E als Rechts­nach­fol­ge­rin des ver­stor­be­nen Klä­gers E und als Revi­si­ons­be­klag­te aus­wies, obwohl die­se wirk­sam die Erb­schaft aus­ge­schla­gen hat und der Fis­kus des Lan­des L Erbe gewor­den ist.

Die­se Aus­schla­gung hat aller­dings nicht zur Fol­ge, dass nun­mehr der zum Erben gewor­de­ne Fis­kus des Lan­des L als Rechts­nach­fol­ger der "vor­läu­fi­gen Erbin" Frau E anzu­se­hen ist. Schlägt näm­lich der vor­läu­fi­ge Erbe gemäß § 1953 Abs. 1 BGB wirk­sam die Erb­schaft aus, dann gilt er mate­ri­ell-recht­lich von Anfang an als Nicht­er­be. Statt­des­sen fällt die Erb­schaft gemäß § 1953 Abs. 2 BGB dem Nächst­be­ru­fe­nen an. Dies war vor­lie­gend gemäß § 1936 Satz 1 BGB der Fis­kus des Lan­des L. Die­ser nächst­be­ru­fe­ne Erbe gilt rück­wir­kend vom Erb­fall an als Erbe; er ist unmit­tel­ba­rer Rechts­nach­fol­ger des Erb­las­sers und nicht Rechts­nach­fol­ger des vor­läu­fi­gen Erben, wel­cher die Erb­schaft aus­ge­schla­gen hat. Dem­entspre­chend kön­nen gegen­über einem sol­chen "vor­läu­fi­gen Erben" ergan­ge­ne Urtei­le den end­gül­ti­gen Erben grund­sätz­lich nicht bin­den2.

Der als Urteil wir­ken­de Gerichts­be­scheid vom 15.06.2010 wirk­te des­halb gegen­über dem Fis­kus des Lan­des L als dem end­gül­ti­gen Erben, weil E der … Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft am 17.04.2004 bezo­gen auf den vor­lie­gen­den Rechts­streit eine Pro­zess­voll­macht erteilt hat­te. Die­se erstreck­te sich aus­weis­lich der bei den Finanz­ge­richts­ak­ten befind­li­chen Voll­machts­ur­kun­de auch auf das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren; auch erlosch die­se nicht durch den Tod des Voll­macht­ge­bers. Dem­entspre­chend wur­de das finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren in zwei­ter Instanz nach Zulas­sung der Beschwer­de als Revi­si­ons­ver­fah­ren (vgl. § 116 Abs. 7 FGO) vor dem Bun­des­fi­nanz­hof fort­ge­führt. Das Ver­fah­ren war nicht gemäß § 155 FGO i.V.m. § 246 Abs. 1 Satz 1 ZPO unter­bro­chen. Viel­mehr wur­de der Pro­zess für den Rechts­nach­fol­ger des E fort­ge­führt, gleich­gül­tig um wen es sich han­del­te. Da wie vor­ste­hend dar­ge­legt infol­ge der Erb­schafts­aus­schla­gung durch Frau E der Fis­kus des Lan­des L rück­wir­kend auf den Todes­zeit­punkt des E des­sen Erbe gewor­den ist, wur­de im vor­lie­gen­den Streit­fall das zweit­in­stanz­li­che Ver­fah­ren für den Fis­kus des Lan­des L als Rechts­nach­fol­ger des E, wenn auch unter unzu­tref­fen­der Bezeich­nung der Klä­ger­sei­te im Rubrum des als Urteil wir­ken­den Gerichts­be­scheids fort­ge­setzt. Die­se unzu­tref­fen­de Bezeich­nung kann als offen­ba­re Unrich­tig­keit gemäß § 107 Abs. 1 FGO jeder­zeit berich­tigt wer­den3.

Der Tenor des als Urteil wir­ken­den Gerichts­be­scheids ist zudem inso­weit unrich­tig, als er die Kos­ten des gesam­ten Ver­fah­rens Frau E und nicht dem Fis­kus des Lan­des L als zutref­fen­den Revi­si­ons­be­klag­ten auf­er­legt, was eben­falls nach § 107 Abs. 1 FGO zu berich­ti­gen ist. Der Fis­kus des Lan­des L trägt als Betei­lig­ter die Kos­ten des Revi­si­ons­ver­fah­rens und zudem als Rechts­nach­fol­ger des E die Kos­ten des Kla­ge­ver­fah­rens.

Das Berich­ti­gungs­ver­fah­ren ist gerichts­kos­ten­frei4. Eine Kos­ten­ent­schei­dung ist daher nicht zu tref­fen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Juli 2016 – X R 36/​08

  1. BFH, Urteil vom 17.11.2015 – X R 40/​13, BFH/​NV 2016, 388, m.w.N. aus der Recht­spre­chung []
  2. BGH, Urteil vom 08.02.1989 – IVa ZR 98/​87, NJW 1989, 2885 []
  3. BFH, Urteil in BFH/​NV 2016, 388, Rz 20 []
  4. Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 107 Rz 11 []