Rüge einer über­lan­gen Ver­fah­rens­dau­er

Macht ein Beschwer­de­füh­rer den Ver­fah­rens­man­gel einer über­lan­gen Ver­fah­rens­dau­er gel­tend, so sind schlüs­si­ge Aus­füh­run­gen dazu erfor­der­lich, inwie­weit das ange­foch­te­ne Urteil anders aus­ge­fal­len wäre, wenn das Gericht zu einem frü­he­ren Zeit­punkt ent­schie­den hät­te 1.

Rüge einer über­lan­gen Ver­fah­rens­dau­er

Im Übri­gen kann im Rah­men einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de eine sol­che Rüge nur auf die Dau­er des gericht­li­chen Ver­fah­rens, nicht (auch) auf die Dau­er des Ein­spruchs­ver­fah­rens gestützt wer­den 2.

Des Wei­te­ren ist durch die Recht­spre­chung geklärt, dass eine über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er kei­ne Ver­wir­kung des Steu­er­an­spruchs nach sich zie­hen kann 3.

Eine abwei­chen­de recht­li­che Beur­tei­lung folgt auch nicht aus dem Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te vom 2. Sep­tem­ber 2010 4. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te stell­te dar­in ins­be­son­de­re fest, dass das dor­ti­ge Gerichts­ver­fah­ren allein vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt fast acht Jah­re anhän­gig war 5. Davon abwei­chend wen­det sich die Klä­ge­rin im Streit­fall gegen das fast zehn Jah­re dau­ern­de Ver­wal­tungs­ver­fah­ren vor dem Finanz­amt. Das anschlie­ßen­de Gerichts­ver­fah­ren vor dem Finanz­ge­richt dau­er­te hin­ge­gen cir­ca zwei Jah­re und zehn Mona­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Okto­ber 2012 – XI B 51/​12

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 31.08.2010 – III B 95/​09, BFH/​NV 2010, 2294; vom 26.10.2011 – IV B 139/​10, BFH/​NV 2012, 263, unter I.F.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 26.09.2007 – VII B 75/​07, BFH/​NV 2008, 126; in BFH/​NV 2012, 263, unter I.F.[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 14.07.2010 – VIII B 83/​09, BFH/​NV 2010, 1848; in BFH/​NV 2012, 263, unter I.F.[]
  4. EGMR, Urteil vom 02.09.2010 – 46344/​06, NJW 2010, 3355[]
  5. vgl. EGMR, Urteil in NJW 2010, 3355, Rz 44[]