Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens

Das Finanz­ge­richt ist ver­pflich­tet, von Amts wegen den Sach­ver­halt zu erfor­schen (§ 76 Abs. 1 Satz 1 FGO) und ihn unter allen ernst­lich in Betracht kom­men­den recht­li­chen Gesichts­punk­ten zu prü­fen.

Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens

Wäh­rend das Finanz­ge­richt die von den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ange­bo­te­nen Bewei­se grund­sätz­lich erhe­ben muss, steht die Zuzie­hung eines Sach­ver­stän­di­gen im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Gerichts. Das dem Tat­sa­chen­ge­richt bei der Ein­ho­lung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nach § 82 FGO i.V.m. § 404 ZPO zuste­hen­de Ermes­sen wird nur dann ver­fah­rens­feh­ler­haft aus­ge­übt, wenn das Gericht von der Ein­ho­lung einer gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me absieht, obwohl sich ihm die Not­wen­dig­keit die­ser zusätz­li­chen Beweis­erhe­bung hät­te auf­drän­gen müs­sen 1.

Vor die­sem Hin­ter­grund war in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof beur­teil­ten Streit­fall die Ableh­nung eines Sach­ver­stän­di­gen­be­wei­ses im Streit­fall frei von Ermes­sens­feh­lern. Das Finanz­ge­richt hat in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se sei­ne Begrün­dung dar­auf gestützt, dass vor der Ver­mie­tung an die Toch­ter der Klä­ger eine Ver­mie­tung an frem­de Drit­te zu markt­üb­li­chen Bedin­gun­gen statt­ge­fun­den hat­te. Die­ser vom Finanz­ge­richt her­an­ge­zo­ge­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Umstand war in der münd­li­chen Ver­hand­lung in tat­säch­li­cher Hin­sicht unstrei­tig. Nach dem mate­ri­ell-recht­li­chen Stand­punkt des Finanz­ge­richt, das die Miet­hö­he des vor­an­ge­gan­ge­nen Miet­ver­hält­nis­ses als Maß­stab für die orts­üb­li­che Ver­gleichs­mie­te her­an­ge­zo­gen hat 2, war der Ver­zicht auf die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens daher nicht ermes­sens­feh­ler­haft.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 2. August 2016 – IX B 46/​16

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. u.a. BFH, Beschlüs­se vom 07.01.2015 – I B 42/​13, BFH/​NV 2015, 1093, unter II. 2.a; und vom 01.03.2016 – V B 44/​15, BFH/​NV 2016, 934, unter 2.c aa[]
  2. vgl. zu einer ver­gleich­ba­ren Fall­kon­stel­la­ti­on BFH, Beschluss vom 19.09.2008 – IX B 102/​08[]