Sach­li­che Zustän­dig­keit für eine Resti­tu­ti­ons­kla­ge

Die sach­li­che Zustän­dig­keit ‑hier: instan­zi­el­le Zustän­dig­keit als Unter­fall der sach­li­chen Zustän­dig­keit- für Wie­der­auf­nah­me­kla­gen rich­tet sich nach § 584 ZPO i.V.m. § 134 FGO. Danach ist für Wie­der­auf­nah­me­kla­gen ‑abge­se­hen von der im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nicht vor­ge­se­he­nen Beru­fungs­in­stanz- aus­schließ­lich zustän­dig das Gericht, das im ers­ten Rechts­zug erkannt hat; jedoch das Revi­si­ons­ge­richt, wenn ein in der Revi­si­ons­in­stanz erlas­se­nes Urteil auf Grund der §§ 579, 580 Nrn. 4, 5 ZPO ange­foch­ten wird.

Sach­li­che Zustän­dig­keit für eine Resti­tu­ti­ons­kla­ge

Danach lie­gen im Streit­fall die Vor­aus­set­zun­gen für eine Zustän­dig­keit des Revi­si­ons­ge­richts nicht vor. Zwar ist "Revi­si­ons­ge­richt" im Sin­ne die­ser Vor­schrift auch das Rechts­mit­tel­ge­richt, das über eine Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ent­schie­den hat 1. Jedoch hat die Klä­ge­rin ihre Wie­der­auf­nah­me­kla­ge nicht auf die §§ 579, 580 Nrn. 4, 5 ZPO gestützt. Aus­drück­lich bezeich­net sie kei­nen der gesetz­li­chen Nich­tig­keits- oder Resti­tu­ti­ons­grün­de. Ihr Begeh­ren ist aber sinn­ge­mäß dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass sie den Resti­tu­ti­ons­grund des § 580 Nr. 7 Buchst. b ZPO gel­tend machen will, da sie vor­bringt, erst nach der Rechts­kraft der vor­an­ge­hen­den Ent­schei­dun­gen den Obser­va­ti­ons­be­richt und des­sen Aus­wer­tung zu benut­zen in den Stand gesetzt wor­den sei. Damit ist das Finanz­ge­richt als das Gericht, wel­ches das ange­foch­te­ne Urteil in ers­ter Instanz erlas­sen hat (vgl. § 584 ZPO), grund­sätz­lich für die Ent­schei­dung über die Resti­tu­ti­ons­kla­ge aus­schließ­lich zustän­dig. Dies ist nach der Sys­te­ma­tik des § 584 ZPO auch in der Sache gerecht­fer­tigt, weil die von der Klä­ge­rin vor­ge­brach­ten Resti­tu­ti­ons­grün­de nicht die eige­ne Ent­schei­dung des Rechts­mit­tel­ge­richts, son­dern die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Instanz­ge­richts betref­fen 2.

Die in § 17a Abs. 2 Satz 1 GVG vor­ge­se­he­ne Anhö­rung der Betei­lig­ten ist im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ent­behr­lich. Das Finanz­amt hat in sei­ner Kla­ge­er­wi­de­rung auf die Unzu­stän­dig­keit des BFH hin­ge­wie­sen und die Ver­wei­sung an das Finanz­ge­richt bean­tragt. In sei­ner Replik ist die Klä­ge­rin dem nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten und hat selbst ‑jeden­falls hilfs­wei­se- die Ver­wei­sung bean­tragt.

Wird mit einer Resti­tu­ti­ons­kla­ge ein unzu­stän­di­ges Gericht ange­ru­fen, ist die Ent­schei­dung über die Ver­wei­sung an das zustän­di­ge Gericht nicht durch form­lo­se Abga­be, son­dern durch bin­den­den Beschluss zu tref­fen 3. Aus die­sem Grund wahrt die Kla­ge­er­he­bung beim unzu­stän­di­gen Gericht die in § 586 Abs. 1 ZPO für Wie­der­auf­nah­me­kla­gen vor­ge­se­he­ne Frist von einem Monat seit Erlan­gung der Kennt­nis vom Anfech­tungs­grund (vgl. auch § 17b Abs. 1 Satz 2 GVG) 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2014 – X K 5/​14

  1. BFH, Beschlüs­se vom 25.11.1999 – I K 1/​98, BFH/​NV 2000, 730; und vom 26.06.2003 – III K 1/​03, BFH/​NV 2003, 1436[]
  2. vgl. auch hier­zu BFH, Beschluss in BFH/​NV 2000, 730[]
  3. BayO­bLG, Beschluss vom 29.11.1990 – AR 2 Z 85/​90, Woh­nungs­wirt­schaft und Miet­recht 1991, 133[]
  4. BSG, Urteil vom 12.11.1969 – 4 RJ 117/​69, BSGE 30, 126[]