Sach­ver­stän­di­gen­ver­gü­tung – und die 3‑Monatsfrist

Der Beginn der drei­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist für den Ver­gü­tungs­an­trag des Sach­ver­stän­di­gen setzt zumin­dest vor­aus, dass die Her­an­zie­hung des Sach­ver­stän­di­gen abge­schlos­sen ist (hier: ein­schließ­lich Durch­sicht des Pro­to­kolls und Geneh­mi­gung sei­ner Erklä­run­gen).

Sach­ver­stän­di­gen­ver­gü­tung – und die 3‑Monatsfrist

Zwar bestimmt sich der Frist­be­ginn grund­sätz­lich und vor­ran­gig nach den hier­für getrof­fe­nen Spe­zi­al­re­ge­lun­gen des § 2 Abs. 1 Satz 2 JVEG.

Deren Frist­be­ginn deckt aller­dings nicht die Been­di­gung des vor­lie­gend gemäß § 82 FGO i. V. m. § 404a ZPO bestimm­ten Umfangs des Sach­ver­stän­di­gen-Auf­trags ab.

Weder kann hier auf den Ein­gang eines schrift­li­chen Gut­ach­tens i. S. v. § 2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 JVEG abge­stellt wer­den, das nicht in Auf­trag gege­ben wor­den ist; noch war der Auf­trag mit der Been­di­gung einer (blo­ßen) Ver­neh­mung i. S. v. § 2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 JVEG abge­schlos­sen.

Der Frist­be­ginn setzt zumin­dest vor­aus, dass die Leis­tung des Sach­ver­stän­di­gen abge­schlos­sen ist; abge­se­hen von dem wei­te­ren Erfor­der­nis dass dem Sach­ver­stän­di­gen deut­lich ist oder durch das Gericht deut­lich gemacht wird, dass sei­ne Leis­tung abge­schlos­sen ist 1.

Ein frü­he­rer Beginn der drei-Monats-Frist ent­sprä­che nicht mehr einer ver­fas­sungs­ge­rech­ten und rechts­staat­li­chen Aus­le­gung (Art. 12, 20 Abs. 3 GG), son­dern könn­te sonst den Ablauf der mate­ri­ell-recht­li­chen Aus­schluss­frist des § 2 JVEG vor Auf­trags­be­en­di­gung zur Fol­ge haben, wie der vor­lie­gen­de Fall deut­lich macht.

Der Zeit­punkt des Frist­be­ginns und der Been­di­gung der Her­an­zie­hung und des Auf­trags i. S. v. § 2 Abs. 1 Satz 1 JVEG bestimmt sich hier nach der Durch­sicht des dem Sach­ver­stän­di­gen zur Prü­fung der gesam­ten Ton­dik­tat-Über­tra­gung über­sand­ten Orts­ter­min-Pro­to­kolls, ein­schließ­lich der Geneh­mi­gung sei­ner dar­in ent­hal­te­nen Erklä­run­gen.

Die Beauf­tra­gun­gen von (ins­be­son­de­re Immo­bi­li­en) Sach­ver­stän­di­gen im hie­si­gen Finanz­ge­richt-Bewer­tungs­se­nat und ‑dezer­nat rich­ten sich näm­lich seit 1997 regel­mä­ßig – wie auch hier – weder auf eine schrift­li­che Begut­ach­tung noch auf eine blo­ße – mit einer Zeu­gen­ver­neh­mung ver­gleich­ba­re – "Ver­neh­mung".

Inhalt des ein­heit­li­chen Auf­trags sind viel­mehr

  • Vor­be­rei­tung anhand Gerichts­ak­ten, Finanz­amts­ak­ten, Grund- und Bau­ak­ten, ggf. Denk­mal­schutz­ak­ten; nach eige­nem Bedarf Recher­chen und – im gene­rel­len Ein­ver­ständ­nis – Vorabbesichtigung(en);
  • im Rah­men eines gericht­li­chen Orts­ter­mins – wie hier – münd­li­che Begut­ach­tung in Ver­bin­dung mit rich­ter­li­cher Augen­scheins­ein­nah­me, anschlie­ßend Beant­wor­tung von Rück­fra­gen bis zum Ende der Erör­te­rung oder Ver­hand­lung, meis­tens – wie hier – bis zur Eini­gung mit tat­säch­li­cher Ver­stän­di­gung, Abhil­fe­zu­sa­ge und bei­der­sei­ti­ger Erle­di­gungs­er­klä­rung sowie Kos­ten­re­ge­lung;
  • Durch­sicht des in Schrift­form über­tra­ge­nen Pro­to­kolls.

Das heißt, dass der hier ins­ge­samt ein­heit­lich an den jewei­li­gen Sach­ver­stän­di­gen erteil­te Auf­trag im Orts­ter­min noch nicht abge­schlos­sen ist. Viel­mehr wer­den die hie­si­gen Sach­ver­stän­di­gen gene­rell nach münd­li­chen Bewer­tungs­gut­ach­ten noch zur Durch­sicht des Pro­to­kolls her­an­ge­zo­gen, das vor Ort rich­ter­lich dik­tiert und nach dem Ter­min in Schrift­form über­tra­gen und dem jewei­li­gen Sach­ver­stän­di­gen durch die Geschäfts­stel­le über­sandt wird.

Das Abse­hen von einem schrift­li­chen Gut­ach­ten und von dem damit ver­bun­de­nen mehr­fa­chen Kos­ten­auf­wand bringt es mit sich, dass das Orts­ter­mins-Pro­to­koll aus­führ­lich zu dik­tie­ren ist, näm­lich mit allen wesent­li­chen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und deren sach­ver­stän­di­ger Begut­ach­tung – ein­schließ­lich der Fach­be­grif­fe – und mit allen in das Gesamt­ergeb­nis ein­flie­ßen­den Flä­chen­an­ga­ben und Wer­ten 2.

Wegen der häu­fig zahl­rei­chen – u. a. durch Geräu­sche vor Ort ver­ur­sach­ten – Feh­ler bei der Dik­tat­über­tra­gung in die Schrift­form wür­de eine Geneh­mi­gung des Ton­dik­tats vor Ort nicht aus­rei­chen und ist nicht nur eine sorg­fäl­ti­ge rich­ter­li­che Kor­rek­tur erfor­der­lich, son­dern wird das Pro­to­koll auch an den Sach­ver­stän­di­gen zur Durch­sicht und zum Abgleich mit den von ihm notier­ten und erklär­ten Zah­len oder Zah­len­wer­ken über­sandt.

Dazu gehö­ren nicht nur die aus­drück­lich als sei­ne Erklä­run­gen dik­tier­ten Inhal­te, son­dern sämt­li­che in sei­ner Beglei­tung und mit sei­ner Hil­fe getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen, auch soweit sie, ohne ihn jedes mal als Sach­ver­stän­di­gen oder mit Namen zu zitie­ren, von ihm durch Gericht oder Betei­lig­te über­nom­men wur­den, und zwar ein­schließ­lich der beson­ders feh­ler­an­fäl­li­gen Daten, Flä­chen- und Wert­an­ga­ben.

Durch die­se Sorg­falt und nöti­gen­falls Pro­to­koll­be­rich­ti­gun­gen wer­den Fol­ge­strei­tig­kei­ten über den Inhalt einer Begut­ach­tung oder Ver­stän­di­gung sowie Abhil­fe­zu­sa­ge weit­ge­hend ver­mie­den und begrenzt 3.

Im Übri­gen gehört die­se Pro­to­koll-Durch­sicht eben­so untrenn­bar mit der münd­li­chen Begut­ach­tung zusam­men, wie die Geneh­mi­gung der schrift­lich pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­ge eines Zeu­gen zu des­sen Aus­sa­ge gehört.

Schließ­lich wird die vor­ste­hen­de Aus­le­gung der gene­rel­len Frist­re­ge­lung im Ober­satz § 2 Abs. 1 Satz 1 JVEG bestä­tigt durch die vor Pro­to­koll­durch­sicht und Auf­trags­be­en­di­gung vom Janu­ar 2014 bereits mit Wir­kung ab August 2013 in § 4 Abs. 1 Satz 3 JVEG ein­ge­füg­te Rege­lung, dass selbst bei mehr­fa­cher Her­an­zie­hung deren letz­te­re für den Frist­be­ginn ins­ge­samt maß­geb­lich ist (zur Absicht des Gesetz­ge­bers, Miss­ver­ständ­nis­se über den Frist­be­ginn zu besei­ti­gen, vgl. BT-Drs. 517/​12 S. 398 f.; Meyer/​Höfer/​Bach/​Oberlack, JVEG, 26. A., § 2 Rz. 3 Sei­te 37 f.)).

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 5. Juni 2014 – 3 KO 35/​14

  1. Hans. OLG Bre­men, Beschluss vom 21.03.2013 – 5 W 4/​13, Jur­Bü­ro 2013, 486[]
  2. vgl. z. B. FG Ham­burg, Urtei­le vom 30.08.2013 – 3 K 206/​11, EFG 2014, 113; vom 22.02.2010 – 3 K 159/​09, EFG 2010, 1294, DSt­RE 2010, 1453[]
  3. vgl. FG Ham­burg Urteil vom 07.10.2011 – 3 K 122/​10, DSt­RE 2012, 759[]

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