Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. – und die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit beim BFH

Vor dem Bun­des­fi­nanz­hof müs­sen sich die Betei­lig­ten nach § 62 Abs. 4 Satz 1 FGO durch Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Als Bevoll­mäch­tig­te sind gemäß § 62 Abs. 4 Satz 3 FGO nur die in § 62 Abs. 2 Satz 1 FGO bezeich­ne­ten Per­so­nen und Gesell­schaf­ten zuge­las­sen.

Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. – und die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit beim BFH

Bei den dort bezeich­ne­ten Per­so­nen han­delt es sich nach § 62 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 1 FGO um Rechts­an­wäl­te, Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­te, Wirt­schafts­prü­fer und ver­ei­dig­te Buch­prü­fer. Den Rechts­an­wäl­ten gleich­ge­stellt sind gemäß § 2 Abs. 1 des Geset­zes über die Tätig­keit euro­päi­scher Rechts­an­wäl­te in Deutsch­land (EuRAG) i.V.m. §§ 1, 3 Abs. 1 und 2 BRAO nie­der­ge­las­se­ne euro­päi­sche Rechts­an­wäl­te, die auf Antrag in die für den Ort ihrer Nie­der­las­sung zustän­di­ge Rechts­an­walts­kam­mer auf­ge­nom­men wur­den.

Fer­ner sind zuge­las­sen nach § 62 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 FGO Gesell­schaf­ten i.S. des § 3 Nr. 2 und 3 StBerG, die durch die vor­be­zeich­ne­ten Per­so­nen han­deln. Bei die­sen Gesell­schaf­ten wie­der­um han­delt es sich um Part­ner­schafts­ge­sell­schaf­ten, deren Part­ner aus­schließ­lich die in § 3 Nr. 1 StBerG genann­ten Per­so­nen (Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­te, Rechts­an­wäl­te, nie­der­ge­las­se­ne euro­päi­sche Rechts­an­wäl­te, Wirt­schafts­prü­fer und ver­ei­dig­te Buch­prü­fer) sind, sowie Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten, Rechts­an­walts­ge­sell­schaf­ten, Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten und Buch­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten. Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten bedür­fen nach § 32 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. §§ 49 ff. StBerG der Aner­ken­nung. Die Aner­ken­nung setzt nach § 32 Abs. 3 Satz 2 StBerG u.a. vor­aus, dass die Gesell­schaft von Steu­er­be­ra­tern ver­ant­wort­lich geführt wird. Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten benö­ti­gen nach § 1 Abs. 3 WpO die Aner­ken­nung, die den Nach­weis vor­aus­setzt, dass die Gesell­schaft von Wirt­schafts­prü­fern ver­ant­wort­lich geführt wird. Rechts­an­walts­ge­sell­schaf­ten bedür­fen der Zulas­sung gemäß §§ 59c ff. BRAO 1.

Die hier als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te auf­tre­ten­de Wirt­schafts- und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft Ltd. ist bereits ihrem eige­nen Auf­tre­ten zufol­ge nach kei­ner der genann­ten Vor­schrif­ten aner­kannt bzw. zuge­las­sen und daher nicht zur Ver­tre­tung vor dem Bun­des­fi­nanz­hof befugt.

Die Beschwer­de kann auch nicht des­halb als zuläs­sig behan­delt wer­den, weil die bei­den Per­so­nen, die für die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te gezeich­net haben, ihrer­seits nach den dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen ver­tre­tungs­be­fugt wären.

Soweit bei­de nach eige­ner Anga­be gemäß § 3a StBerG die Befug­nis zur vor­über­ge­hen­den und gele­gent­li­chen geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen im Inland besit­zen, sind sie des­we­gen nicht ver­tre­tungs­be­fugt vor dem BFH nach § 62 Abs. 4 Satz 3 FGO i.V.m. § 62 Abs. 2 Satz 1 FGO. § 3a StBerG ver­mit­telt nach § 62 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 FGO im Rah­men der dort defi­nier­ten Befug­nis­se nur die Ver­tre­tungs­be­fug­nis vor dem Finanz­ge­richt. Auf die Fra­ge, ob sie tat­säch­lich über die­se Befug­nis ver­fü­gen, kommt es an die­ser Stel­le daher nicht an.

Soweit bei­de sich als "Advo­ca­te (GB)" und damit als Rechts­an­wäl­te nach bri­ti­schem Recht bezeich­nen, haben sie jedoch selbst nicht dar­ge­legt, dass sie nach § 2 Abs. 1 EuRAG in die für den Ort ihrer Nie­der­las­sung zustän­di­ge Rechts­an­walts­kam­mer auf­ge­nom­men wor­den und des­halb nie­der­ge­las­se­ne euro­päi­sche Rechts­an­wäl­te wären.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Juli 2017 – X B 92/​17

  1. zu alle­dem auch BFH, Urteil vom 18.01.2017 – II R 33/​16, BFHE 256, 206, BSt­Bl II 2017, 663, unter II. 1.a[]